Was der Fuchs nicht kann erschleichen, da muss des Löwen Klau hinreichen
Form & Grammatik
- Stichwort
- Was der Fuchs nicht kann erschleichen, da muss des Löwen Klau hinreichen.
- Form
- Zweiteiliger Reimspruch mit einer vorangestellten was-Gruppe und einer anschließenden Aussage mit muss.
Gebrauch: Historischer Reimspruch über das Verhältnis von List und Macht; als Kommentar zu einer dargestellten Durchsetzung verwendbar.
Definition · kurz erklärt
Wo List nicht zum Ziel führt, soll nach dem Bild des Spruchs Stärke oder Gewalt helfen.
Bedeutungen
Vom verdeckten Vorgehen zur offenen Macht wechseln
Der Fuchs steht im Bild für List, die Klaue des Löwen für körperliche Stärke und Macht. Erschleichen heißt, etwas durch verdeckte, täuschende Mittel zu erlangen. Wenn dieser Weg scheitert, nennt der zweite Vers ein anderes Mittel: die offene Durchsetzung mit der Kraft des Löwen. Der Spruch stellt beide Vorgehensweisen als Ergänzung dar.
In einer erfundenen Bühnenszene versucht der Hofrat, den Torwächter mit einer falschen Nachricht fortzulocken. Der Wächter bleibt. Darauf befiehlt der Herrscher seinen Wachen, das Tor aufzubrechen. Eine Zuschauerfigur kommentiert: „Was der Fuchs nicht kann erschleichen, da muss des Löwen Klau hinreichen.“
Die Szene zeigt zuerst eine gescheiterte Täuschung und danach den Wechsel zu offener Gewalt. Fuchs und Löwe bezeichnen die Mittel des Handelns, nicht zwei wirkliche Tiere.
Dass Macht ein Ziel durchsetzen kann, sagt noch nichts über die Berechtigung des Ziels oder des Mittels aus.
Die beiden Tierbilder
Der Fuchs in der Fabel
Die Fuchsfigur kann ein Ziel durch Täuschung oder Schmeichelei erreichen. Der Spruch geht über diese einzelne Rolle hinaus: Er nennt ausdrücklich die Stärke als anderes Mittel, wenn die List nicht reicht.
Den Wächter durch eine falsche Nachricht wegzulocken gehört zum Fuchsbild. Erst der anschließende gewaltsame Zugriff ergänzt es um das Löwenbild.
Der Löwe in der Fabel
Der Löwe kann Stärke und Herrschaft verkörpern. In verschiedenen Fabeln wird diese Macht unterschiedlich gebraucht. Der Spruch verbindet sie genauer mit dem vorausgehenden Scheitern einer List.
Eine Maus zu verschonen zeigt einen Verzicht auf überlegene Gewalt. Das Tor nach dem misslungenen Täuschungsversuch aufzubrechen zeigt dagegen den hier gemeinten Wechsel der Mittel.
Beispiele und Verwendung
Einen Wechsel der Mittel benennen
„Erst die Täuschung, dann die Drohung mit den Wachen: Was der Fuchs nicht kann erschleichen, da muss des Löwen Klau hinreichen.“
Der Kommentar passt zu einer entsprechend dargestellten Handlung. Eine bloß offene Bitte wäre noch kein Beispiel für das gewaltsame Löwenbild.
Grammatik
Der Fuchs ist das Subjekt zu kann; erschleichen ist der Infinitiv. Die historische Reimstellung lautet was der Fuchs nicht kann erschleichen; eine heutige Umschreibung wäre was der Fuchs nicht erschleichen kann. Im zweiten Teil ist des Löwen Klau das Subjekt zu muss. Des Löwen ist ein Genitiv; Löwe erhält außerhalb des Nominativs Singular die Endung -n. Klau bezeichnet im Bild die Klaue. Hinreichen steht als Infinitiv zu muss. Das Komma trennt die beiden Satzteile.
Varianten
In einer historischen Sammelausgabe steht die nahe Form „Was der Fuchs nicht kann erschleichen, muss des Löwen Klau erreichen“. Sie verwendet erreichen statt hinreichen und lässt da aus.
