Wer allzeit auf den Wind will sehen, der wird nicht säen und nicht mähen
Form & Grammatik
- Stichwort
- Wer allzeit auf den Wind will sehen, der wird nicht säen und nicht mähen.
- Form
- Wer-Satz mit anschließendem Hauptsatz und wird sowie zwei Infinitiven.
Gebrauch: Historisch überlieferte Mahnung gegen endlosen Aufschub; das Säen und Mähen bilden den Anfang und ein späteres Ergebnis ab.
Definition · kurz erklärt
Wer ständig auf vollkommen günstige Bedingungen wartet, kann darüber den notwendigen Anfang versäumen. Der Spruch beschreibt das am Säen und Mähen.
Bedeutungen
Vorbereitung nicht in endlosen Aufschub verwandeln
Der Wind steht im Bild für äußere Bedingungen, die sich nicht vollständig kontrollieren lassen. Wer immer weiter auf ihn schaut, kommt nach der zugespitzten Aussage weder zum Säen noch später zum Mähen. Übertragen richtet sich die Mahnung gegen ein Warten, das jede verbleibende Unsicherheit erst beseitigen möchte und deshalb den nächsten sinnvollen Schritt verhindert.
In einer erfundenen Szene möchte eine Gruppe erst sämtliche möglichen Plakatentwürfe kennen, bevor sie einen eigenen Versuch beginnt. Der Termin rückt näher. „Wer allzeit auf den Wind will sehen, der wird nicht säen und nicht mähen.“
Das Sichten der Möglichkeiten sollte den Entwurf vorbereiten, hat ihn aber bislang ersetzt. Ein erster begrenzter Versuch könnte bereits zeigen, welche Fragen noch offen sind.
Gute Vorbereitung und das Abwarten geeigneter Bedingungen können notwendig sein. Ob ein Beginn sinnvoll ist, muss am konkreten Vorhaben geprüft werden. Der Spruch liefert keine allgemeine Frist und keine Garantie für den Erfolg eines frühen Starts.
Ähnliche Sprichwörter und ihre Unterschiede
Gut Ding will Weile haben
Gut Ding begründet eine notwendige Zeit für sorgfältige Arbeit oder Entwicklung. Das Windbild kritisiert dagegen ein Warten, das den eigentlichen Arbeitsbeginn immer weiter verdrängt.
Eine Farbschicht trocknen zu lassen gehört zum Arbeitsablauf. Vor dem ersten eigenen Plakat jede denkbare Gestaltung abwarten zu wollen kann den Ablauf dagegen verhindern.
Beispiele und Verwendung
Einen ersten Versuch ermöglichen
„Wir kennen die Grundbedingungen. Jetzt entwerfen wir eine kleine Probe und prüfen danach weiter.“
Der konkrete Schritt unterscheidet sinnvolles Beginnen von bloßer Ungeduld.
Grammatik
Wer ist das Subjekt zu will; sehen ist der zugehörige Infinitiv. Auf den Wind steht im Akkusativ und gehört zu sehen im Sinn von achten auf. Der nimmt die Person im Hauptsatz auf. Wird nicht säen und nicht mähen ist Futur I mit zwei verbundenen Infinitiven. Allzeit bedeutet hier immer.
