Wer findet, eh verloren ist, der stirbt, eh er krank wird
Form & Grammatik
- Stichwort
- Wer findet, eh verloren ist, der stirbt, eh er krank wird.
- Form
- Freier Wer-Satz, mit der wieder aufgenommen; zwei eingeschobene beziehungsweise nachgestellte eh-Sätze.
Gebrauch: Historisch überliefert; drastisch drohende Kritik an einem als Fund ausgegebenen Diebstahl. Heute vor allem mit erklärendem Abstand zum Strafbild verständlich.
Definition · kurz erklärt
Der historische Spruch warnt vor Diebstahl, der als angeblicher Fund beschönigt wird. Seine zugespitzte Drohung spielt auf eine tödliche Bestrafung an.
Bedeutungen
Einen vorgeschobenen Fund als Diebstahl entlarven
Wer etwas findet, bevor es überhaupt verloren worden ist, hat es im Bild des Spruchs selbst weggenommen. Das scheinbar harmlose Finden verdeckt also den Diebstahl. Das Sterben vor einer Krankheit setzt eine zweite auffällige Reihenfolge daneben. In der historischen Erklärung ist damit der Tod durch Hinrichtung gemeint. Der Spruch stellt diese Drohung als Folge des vorherigen Handelns dar.
In einer ausdrücklich erfundenen Szene mit historischem Hintergrund nimmt eine Figur Geld aus einer offenen Schublade und nennt es später einen Fund. Eine andere Figur hält ihr entgegen: „Wer findet, eh verloren ist, der stirbt, eh er krank wird.“
Die erste Figur hat das Geld nicht zufällig entdeckt. Der Spruch durchschaut ihre Ausrede und droht ihr mit einer drastischen Folge. Das Beispiel gibt keine wirkliche Begebenheit und keine heutige Rechtsauskunft wieder.
Ein tatsächlicher Fund beweist selbstverständlich keinen Diebstahl. Die historische Strafdrohung ist keine heutige Handlungsempfehlung und sollte nicht gegen Personen gerichtet werden. Der Spruch beschreibt auch keine medizinische Regel über Krankheit und Tod.
Ähnliche Sprichwörter und ihre Unterschiede
Ehrlich währt am längsten
Beide beziehen sich auf redliches Verhalten und seine Folgen. Der Ehrlich-Spruch empfiehlt Aufrichtigkeit positiv. Der Fund-Spruch entlarvt eine bestimmte Ausrede und verbindet sie mit einer drastischen historischen Drohung.
Einen wirklich gefundenen Geldbeutel zurückzugeben lässt sich mit Ehrlich währt am längsten würdigen. Weggenommenes Geld nachträglich einen Fund zu nennen ist die Täuschung, gegen die sich der andere Spruch richtet.
Beispiele und Verwendung
Die Drohung in einem alten Text verstehen
„Die Figur nennt das Stehlen einen Fund; die Antwort greift genau diese Beschönigung auf.“
Eine Textdeutung sollte Ausrede und Gegenrede auseinanderhalten. Sie muss die historische Drohung erklären, ohne sie selbst zu übernehmen.
Grammatik
Eh bedeutet hier ehe und leitet temporale Nebensätze ein. In eh verloren ist bleibt der betreffende Gegenstand unausgesprochen; verloren ist das Partizip II von verlieren. Wer und das wiederaufnehmende der beziehen sich auf dieselbe Person. Findet, stirbt und wird stehen in der dritten Person Singular. In krank wird gehört krank prädikativ zu werden. Die Kommas grenzen die einzelnen Teilsätze ab.
