Wer keinen Spaß mag verstehn, soll nicht unter Leute gehn
Form & Grammatik
- Stichwort
- Wer keinen Spaß mag verstehn, soll nicht unter Leute gehn.
- Form
- Gereimter Zweiteiler aus einem Wer-Satz und einem Hauptsatz mit soll.
Gebrauch: Historischer, zugespitzter Reim über Humor und Geselligkeit. Gegenüber anderen kann die Aufforderung abweisend wirken.
Definition · kurz erklärt
Wer Scherze nicht mit Humor aufnehmen kann, soll dem Spruch zufolge gesellige Runden meiden. Der Reim stellt die Bereitschaft zum Mitlachen als Erwartung im Umgang mit anderen dar.
Bedeutungen
Humor als Erwartung an die Geselligkeit formulieren
Spaß verstehen bedeutet hier, mit Humor auf Scherze reagieren zu können. Der Reim verbindet diese Fähigkeit mit dem Unter-Leute-Gehen: Wer sie nicht mitbringt, soll nach seiner zugespitzten Aussage fernbleiben. Die Aufforderung kann hart klingen, weil sie eine allgemeine Erwartung an den Umgang mit anderen formuliert.
In einer erfundenen Spielrunde ärgert sich Paul kurz, als die anderen über seinen versehentlich vertauschten Spielstein lachen. Dann erkennt er selbst das Versehen und lächelt: „Wer keinen Spaß mag verstehn, soll nicht unter Leute gehn. Ich nehme mich gerade wohl zu ernst.“
Paul verwendet den Reim auf sich selbst und nimmt den kleinen eigenen Fehler mit Humor. Er erklärt keinen anderen Menschen für unerwünscht. Die Szene veranschaulicht eine mögliche Selbstanwendung des zugespitzten Satzes.
Ob ein Scherz angebracht ist, hängt auch vom Gegenüber ab. Die Formel rechtfertigt es nicht, über dessen ausdrücklich genannte Grenzen hinwegzugehen.
Humor verstehen und gegenseitig scherzen
Wer andere necken will, muss selbst Scherz verstehen
Der Necken-Spruch fordert ausdrücklich Gegenseitigkeit von der Person, die andere aufzieht. Der Geselligkeitsreim verbindet das Aufnehmen von Scherzen mit dem Umgang unter Leuten. Beide können dieselbe Runde betreffen; der neue Reim setzt im Wortlaut kein eigenes Austeilen voraus.
„Ich scherze über andere und kann auch über mich lachen“ zeigt den gegenseitigen Maßstab. „Ich möchte mit der Runde zusammen sein und kleine Späße nicht sofort übel nehmen“ formuliert die allgemeinere Erwartung des Reims.
verstehen
Einen Sinn verstehen kann heißen, den Inhalt einer Äußerung zu erfassen. Spaß verstehen meint hier zusätzlich eine humorvolle Aufnahme. Man kann die Pointe begriffen haben und den Scherz trotzdem unpassend finden.
„Paul erkennt das Wortspiel“ betrifft das Begreifen. „Paul kann darüber lachen“ beschreibt seine Reaktion; beides ist nicht automatisch dasselbe.
Beispiele und Verwendung
Den Reim auf sich selbst beziehen
„Über mein eigenes kleines Versehen kann ich auch einmal lachen.“
Die Selbstbeziehung vermeidet es, eine andere Person mit der scharfen Aufforderung aus der Runde zu weisen.
Grammatik
Wer leitet den ersten Satzteil ein. Keinen Spaß ist das Akkusativobjekt zu verstehen. Mag verbindet sich mit dem verkürzten Infinitiv verstehn; im zweiten Teil steht soll mit gehn. Die Formen verstehn und gehn entsprechen verstehen und gehen und erhalten im überlieferten Wortlaut keinen Apostroph. Im fortlaufenden Satz wird soll nach dem Komma kleingeschrieben. Unter Leute enthält den Akkusativ Plural. Die Stellung mag verstehn gehört zum überlieferten Reim; in einem heutigen freien Nebensatz steht etwa wer keinen Spaß verstehen mag.
