Wer Mitleid bringt, bietet genug
Form & Grammatik
- Stichwort
- Wer Mitleid bringt, bietet genug.
- Form
- Wer-Satz mit anschließendem Hauptsatz; bringt und bietet stehen im Singular.
Gebrauch: Historisch überliefert; wertschätzende Zuspitzung über den möglichen Wert von Anteilnahme.
Definition · kurz erklärt
Aufrichtige Anteilnahme kann schon ein wertvoller Beistand sein, auch wenn jemand keine fertige Lösung oder Gabe mitbringt.
Bedeutungen
Anteilnahme als eigenen Beitrag anerkennen
Bringt und bietet stellen das Mitleid wie etwas dar, das man einem anderen geben kann. Genug spitzt seine Wertschätzung zu: Nicht nur eine materielle Gabe zählt, sondern auch die Bereitschaft, fremde Enttäuschung oder Not ernst zu nehmen. Der Spruch kann jemanden entlasten, der gern beistehen möchte und meint, ohne Lösung habe er gar nichts anzubieten.
Nach der Absage für eine Theaterrolle sitzt Isa enttäuscht im leeren Probenraum. Ihre Freundin sagt, sie könne an der Entscheidung nichts ändern. Isa bittet sie zu bleiben und hört ihr ruhiges Angebot zuzuhören: „Wer Mitleid bringt, bietet genug. Für dieses Gespräch brauche ich gerade keine Lösung.“
Isa bestimmt in der eigenen Szene selbst, welcher Beistand ihr jetzt willkommen ist. Die Anteilnahme ändert die Absage nicht, wird aber als wirklicher Beitrag anerkannt.
Mitgefühl ersetzt nicht jede benötigte praktische Hilfe. Ob Mitleid willkommen ist, entscheidet sich am Gegenüber; eine herablassende Bemitleidung kann verletzen.
Ähnliche Sprichwörter und ihre Unterschiede
Geteiltes Leid ist halbes Leid
Beide Sprüche würdigen Anteilnahme und können dasselbe Gespräch betreffen. Das halbe Leid beschreibt eine mögliche Entlastung. Wer Mitleid bringt bewertet dagegen den Beitrag der zugewandten Person als bereits wertvoll. Eine feste Grenze nach verschiedenen Lebenslagen wäre künstlich.
„Dein Zuhören bedeutet mir etwas“ würdigt den angebotenen Beistand. „Ich fühle mich nach dem Gespräch weniger allein“ beschreibt seine mögliche Wirkung.
Beispiele und Verwendung
Beistand ohne fertige Antwort anbieten
„Ich weiß keine Lösung. Wenn du möchtest, bleibe ich aber bei dir und höre zu.“
Das Angebot lässt der anderen Person die Wahl und macht verständlich, worin die Anteilnahme besteht.
Grammatik
Wer ist das Subjekt zu bringt; dieselbe Person ist bei bietet mitgemeint. Beide Verbformen stehen in der dritten Person Singular. Mitleid steht als Akkusativobjekt zu bringt. Genug bezeichnet den als ausreichend bewerteten Beitrag und bleibt ungebeugt. Das Komma trennt den Wer-Satz vom Hauptsatz.
