Wo der Pfuscher findet Brot, muss der Künstler leiden Not
Form & Grammatik
- Stichwort
- Wo der Pfuscher findet Brot, muss der Künstler leiden Not
- Form
- Gereimter wo-Satz mit älterer Wortstellung.
Gebrauch: Historisch überliefert; stark wertend, mit älterer Wortstellung und weitem Kunstbegriff.
Definition · kurz erklärt
Wenn mangelhafte Arbeit genügend Abnehmer findet, kann qualifiziertes Können wirtschaftlich zurückgedrängt werden. Der Spruch kritisiert mangelnde Wertschätzung guter Arbeit.
Bedeutungen
Qualität und ihren wirtschaftlichen Wert beachten
Brot finden bedeutet im Bild, seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Der Pfuscher kommt damit aus, obwohl seine Arbeit mangelhaft ist; der Künstler leidet dagegen Not. Künstler meint hier auch einen Menschen mit besonderem Können und muss nicht auf die schönen Künste beschränkt werden. Der Gegensatz beschreibt eine verkehrte Verteilung von Anerkennung und Verdienst.
„Die billige Reparatur wird trotz wiederholter Mängel immer neu bestellt, während die sorgfältige Werkstatt keine Aufträge erhält. Wo der Pfuscher findet Brot, muss der Künstler leiden Not.“
Die Kundschaft belohnt im Beispiel die mangelhafte Leistung und entzieht der besseren Arbeit die wirtschaftliche Grundlage. Der Spruch fordert dazu auf, die tatsächliche Qualität wahrzunehmen.
Ein niedriger Preis beweist keinen Pfusch, ein hoher keine Qualität. Auch Anfänger können sorgfältig arbeiten. Die abwertende Bezeichnung sollte sich auf nachgewiesene Mängel beziehen, nicht auf Herkunft, Ausbildung oder fehlenden Erfolg einer Person.
Ähnliche Sprichwörter und ihre Unterschiede
Wer billig kauft, kauft teuer
Der Billigkauf-Spruch betrachtet mögliche Folgekosten für die kaufende Person. Pfuscher und Künstler richten den Blick auf die Folgen der Nachfrage für Menschen, die gute Arbeit anbieten.
Eine schlechte Reparatur kann den Kunden später mehr kosten; zugleich fehlen einer sorgfältigen Werkstatt möglicherweise die Aufträge.
Beispiele und Verwendung
Sorgfalt beim Auftragsvergleich berücksichtigen
„Vergleichen wir auch die ausgeführten Arbeiten, nicht nur die Preise. Wo der Pfuscher findet Brot, muss der Künstler leiden Not.“
Ein konkreter Qualitätsvergleich ist tragfähiger als ein pauschales Urteil über die billigere Konkurrenz.
Grammatik
Im ersten Teil steht findet vor Brot; in heutiger gewöhnlicher Nebensatzstellung hieße es wo der Pfuscher Brot findet. Der Künstler ist Subjekt zu muss. Die Reimfügung leiden Not entspricht Not leiden. Brot und Not sind jeweils Akkusativobjekte, die Personenbezeichnungen stehen im Nominativ.
