alle
Form & Grammatik
- Stichwort
- alle
- Worttrennung
- al·le
- Gebrauch
- Aufgebraucht oder erschöpft: umgangssprachlich, unveränderlich und meist prädikativ. Sämtliche: Form des Pronomens all, nach Fall gebeugt.
Die Farbe ist alle und alle Kinder meinen Verschiedenes. Nur der Zustandssinn bleibt ungebeugt; pronominal heißt es etwa alle, aller, allen.
Im umgangssprachlichen Zustandssinn aufgebraucht oder erschöpft wird alle nicht gewöhnlich gesteigert. Davon zu unterscheiden ist alle als gebeugte Form des Pronomens all.
Alle bedeutet umgangssprachlich aufgebraucht oder erschöpft: „Die Farbe ist alle“ heißt, dass nichts mehr davon übrig ist; „Ich bin alle“ heißt, dass jemand keine Kraft mehr hat. Davon zu unterscheiden ist alle im Sinn von sämtliche, etwa in „alle Kinder“.
Ein Wort, zwei ganz verschiedene Aufgaben
Bei Vorräten bezeichnet alle das Ende einer verfügbaren Menge. Wenn die Batterien alle sind, reichen sie nicht mehr für die vorgesehene Nutzung. Bei einer Person wird das Bild des verbrauchten Vorrats auf die eigenen Kräfte übertragen. „Nach dem Umzug bin ich völlig alle“ beschreibt dann Erschöpfung, keine Anzahl von Menschen.
Die pronominale Verwendung funktioniert anders: In „Alle sind angekommen“ umfasst alle die gesamte gemeinte Gruppe. Das Wort sagt dort nicht, dass die Menschen erschöpft sind. Besonders deutlich zeigt sich der Unterschied in dem möglichen Satz „Alle sind alle“: Sämtliche Angehörigen der Gruppe sind erschöpft. Verständlicher ist meist „Alle sind erschöpft“.
Die erschöpfte Person kann ihre Lage auch übertreibend beschreiben. Aus „Ich bin alle“ lässt sich deshalb weder eine genaue Leistungsgrenze noch eine medizinische Diagnose ableiten. Beim Vorrat sollte ebenfalls klar sein, worauf sich die Aussage bezieht: Die Farbe am Arbeitsplatz kann aufgebraucht sein, obwohl im Lager noch Nachschub steht.
Passende Synonyme und ihre Grenzen
| Alternative | Passender Gebrauch | Bedeutungsunterschied |
|---|---|---|
| aufgebraucht | Ein Vorrat ist verbraucht | Sachliche und meist eindeutige Alternative; setzt eine verbrauchte Menge voraus. |
| erschöpft | Eine Person hat wenig Kraft | Stilistisch neutraler und für sachliche Beschreibungen geeigneter. |
| leer | Ein Behälter enthält nichts mehr | Beschreibt den Behälter, nicht unbedingt den Stoff. Die Tube ist leer, die Farbe aufgebraucht. |
| sämtliche | Alle Personen oder Dinge einer Gruppe | Nur bei der Mengenbedeutung passend; nicht in „Ich bin alle“. |
Die folgenden Sätze sind eigene Sprachbeispiele.
Beispielpaar 1: Der Vorrat endet
Ausgangssatz: Die blaue Farbe ist alle.
Alternative: Die blaue Farbe ist aufgebraucht.
Die Menge ist verbraucht. „Die blaue Farbe ist leer“ wäre keine gleichwertige sachliche Fassung: Leer beschreibt normalerweise einen Behälter oder Raum. Man könnte stattdessen sagen, dass die Farbdose leer ist.
Beispielpaar 2: Nach einer Anstrengung
Ausgangssatz: Nach dem Tragen der Kisten war ich völlig alle.
Alternative: Nach dem Tragen der Kisten war ich völlig erschöpft.
Der Zustand bleibt erhalten, der umgangssprachliche Ton wird zurückgenommen. „Sämtlich“ passt hier nicht. Die Aussage benennt einen momentanen Zustand und keinen dauerhaften Charakterzug.
Warum bleibt alle unverändert?
In der Bedeutung aufgebraucht oder erschöpft steht alle gewöhnlich prädikativ, vor allem mit sein. Es erhält dort keine Fall-, Genus- oder Pluralendung: Der Saft ist alle. Die Milch ist alle. Die Vorräte sind alle. Je nach grammatischer Einteilung wird diese Verwendung als Adverb oder als unveränderliches prädikatives Adjektiv geführt. Für die Anwendung ist entscheidend: Die Form bleibt gleich.
| Eigenschaft | Aufgebraucht / erschöpft | Sämtliche |
|---|---|---|
| Beispiel | Der Klebstoff ist alle. | Alle Stifte liegen hier. |
| Aufgabe | Zustand beschreiben | Die gesamte Bezugsgruppe erfassen |
| Veränderung | alle bleibt unverändert | alle, aller, allen je nach Fall |
| Stil | umgangssprachlich | in vielen Textsorten neutral |
Man schreibt in diesem Zustandssinn nicht „die allen Vorräte“. Soll alle vor einem Nomen stehen, wählt man für die gemeinte Bedeutung etwa die aufgebrauchten Vorräte. Ebenso bildet man keine gewöhnliche Steigerung wie „aller“ oder „am allesten“. Völlig alle verstärkt dagegen die Aussage.
Klein, außer am Satzanfang
Alle wird im Satzinneren kleingeschrieben: „Heute bin ich alle.“ Auch das pronominale alle schreibt man normalerweise klein. Die Formen und den Dativgebrauch erklärt die Seite allen. Das Nomen das All meint dagegen den Weltraum und ist ein anderes Wort.
Im Gespräch knapp, im Bericht genauer
In einer Nachricht an Freunde ist „Der Kaffee ist alle“ verständlich, wenn der Zusammenhang klar ist. In einer Bestellung wäre „Unser Kaffeepulver ist aufgebraucht; bitte zwei Packungen nachbestellen“ genauer. Bei Menschen bietet erschöpft eine sachlichere Beschreibung. Wichtig bleibt jeweils, nicht mehr zu behaupten, als die Situation hergibt.
Weitere ähnlich geschriebene Wörter und Wendungen findest du bei den Stichwörtern.
