durchgehen lassen
Form & Grammatik
- Stichwort
- durchgehen lassen
- Worttrennung
- durch·ge·hen las·sen
- Präsens
- lässt durchgehen
- Präteritum
- ließ durchgehen
- Ersatzinfinitiv
- lassen
- Perfekt
- hat durchgehen lassen
- Hilfsverb
- haben
- Gebrauch
- Verbverbindung aus lassen und Infinitiv; Ersatzinfinitiv im Perfekt.
Jemandem etwas durchgehen lassen: Dativ für die Person, Akkusativ für die beanstandete Sache. Das Perfekt lautet hat durchgehen lassen; mit zu: durchgehen zu lassen.
Jemandem etwas durchgehen lassen bedeutet, ein Verhalten oder einen Fehler nicht zu beanstanden oder zu bestrafen. Häufig erkennt die betreffende Person die Abweichung, entscheidet sich aber für Nachsicht.
Nicht jede Abweichung verfolgen
Die Wendung wird verwendet, wenn eine Regel, Erwartung oder Grenze nicht vollständig eingehalten wird und trotzdem keine entsprechende Reaktion folgt. Eine verspätete Rückgabe kann beispielsweise ausnahmsweise durchgehen gelassen werden. Damit muss die ursprüngliche Frist nicht aufgehoben sein.
Durchgehen lassen heißt auch nicht unbedingt, etwas gutzuheißen. Eine Person kann einen Fehler ansprechen, aber auf eine weitere Konsequenz verzichten. Ebenso wenig setzt die Wendung voraus, dass der Fehler übersehen wurde. Gerade die bewusste Entscheidung, ihn nicht weiter zu verfolgen, kann gemeint sein.
Das Verhältnis zwischen den Beteiligten spielt eine Rolle. Wer etwas durchgehen lässt, hat in der beschriebenen Situation gewöhnlich die Möglichkeit, zu widersprechen oder eine Regel anzuwenden. Es kann sich um eine verantwortliche Person, eine prüfende Stelle oder jemanden handeln, dessen Grenze verletzt wurde.
Je nach Zusammenhang klingt die Wendung verständnisvoll oder kritisch. Diesmal lasse ich es durchgehen kann eine begrenzte Ausnahme ankündigen. Sie lässt ihm alles durchgehen wirft der Person dagegen häufig übermäßige Nachgiebigkeit vor.
Nachsicht, Duldung und Billigung
| Alternative | Passender Zusammenhang | Unterschied |
|---|---|---|
| nicht beanstanden | einen Fehler oder eine Abweichung | Sachlich; benennt den Verzicht auf Widerspruch. |
| ein Auge zudrücken | eine kleinere Regelabweichung | Ebenfalls bildhaft und umgangssprachlich; betont eine großzügige Ausnahme. |
| dulden | ein unerwünschtes Verhalten geschehen lassen | Kann länger andauern und muss keine einmalige Nachsicht sein. |
| hinnehmen | etwas ohne weiteren Widerstand akzeptieren | Kann auch aus fehlenden Einflussmöglichkeiten geschehen. |
Die Aussage sachlich halten
Ausgangssatz: Die Betreuerin lässt die verspätete Rückgabe diesmal durchgehen.
Alternative: Die Betreuerin beanstandet die verspätete Rückgabe diesmal nicht.
Die Alternative beschreibt nüchterner, dass keine Beanstandung erfolgt. Durchgehen lassen legt stärker eine bewusste Ausnahme nahe. Durch diesmal bleibt in beiden eigenen Sätzen erkennbar, dass daraus keine allgemeine Erlaubnis folgt.
Dauerhafte Duldung ist mehr als eine Ausnahme
Ausgangssatz: Der Leiter lässt die Zwischenrufe durchgehen.
Alternative: Der Leiter duldet die Zwischenrufe.
Duldet kann eine länger anhaltende Haltung beschreiben. Durchgehen lassen kann sich ebenso auf einzelne konkrete Zwischenrufe beziehen. Wenn die Häufigkeit wichtig ist, sollte sie ergänzt werden. Keiner der Sätze besagt zwingend, dass der Leiter die Zwischenrufe gut findet.
Die Wendung besteht aus zwei Verben
Die Grundform wird getrennt geschrieben: durchgehen lassen. Gebeugt wird lassen: ich lasse es durchgehen, du lässt es durchgehen, sie ließ es durchgehen. Das andere Verb bleibt im Infinitiv.
Eine übliche Perfektform verwendet den Ersatzinfinitiv: Sie hat den Fehler durchgehen lassen. Dabei steht lassen als Infinitiv am Ende. Mit zu lautet die Verbindung den Fehler durchgehen zu lassen.
Das Muster ist jemandem etwas durchgehen lassen: Die Person steht im Dativ, die Handlung oder Abweichung im Akkusativ. Die Personenangabe kann fehlen, wenn sie aus dem Zusammenhang klar ist. In Das lasse ich nicht durchgehen bezeichnet das die beanstandete Sache.
Konjugation von durchgehen lassenDie Formen im Hauptsatz
Jemandem etwas durchgehen lassen; mögliche Dativ- und Akkusativergänzungen sind in der Tabelle ausgespart.
| Person | Präsens | Präteritum | Konjunktiv I | Konjunktiv II |
|---|---|---|---|---|
| ich | lasse durchgehen | ließ durchgehen | lasse durchgehen | ließe durchgehen |
| du | lässt durchgehen | ließest durchgehen / ließt durchgehen | lassest durchgehen | ließest durchgehen |
| er / sie / es | lässt durchgehen | ließ durchgehen | lasse durchgehen | ließe durchgehen |
| wir | lassen durchgehen | ließen durchgehen | lassen durchgehen | ließen durchgehen |
| ihr | lasst durchgehen | ließt durchgehen | lasset durchgehen | ließet durchgehen |
| sie | lassen durchgehen | ließen durchgehen | lassen durchgehen | ließen durchgehen |
Die Reichweite der Nachsicht erklären
Eine nachsichtige Reaktion kann Verständnis zeigen, ohne jede Anforderung aufzugeben. In einer Beschreibung helfen deshalb die konkrete Abweichung und die Reaktion darauf. „Sie bespricht die Verspätung, verzichtet diesmal aber auf weitere Folgen“ ist genauer als das pauschale Urteil, sie lasse alles durchgehen.
