gestern
Form & Grammatik
- Stichwort
- gestern
- Worttrennung
- ges·tern
- Gebrauch
- unveränderlich; keine Deklination in der hier erklärten adverbialen Verwendung
Unveränderliches Zeitadverb. Als substantivierter Zeitbegriff heißt es dagegen das Gestern.
Gestern bezeichnet gewöhnlich den Tag unmittelbar vor dem heutigen. Übertragen kann es für eine vergangene Zeit oder für als überholt angesehene Vorstellungen stehen.
Ein Zeitwort mit wechselndem Bezug
Welches Datum gestern meint, hängt vom Zeitpunkt der Äußerung ab. Wird eine am Dienstag geschriebene Nachricht am Donnerstag gelesen, bezieht sich ihr gestern gewöhnlich auf den Montag. Für eine eindeutige spätere Dokumentation ist daher ein Datum hilfreicher.
In einer Formulierung wie Vorstellungen von gestern muss nicht der unmittelbar vorherige Kalendertag gemeint sein. Die Wendung kann Ideen als veraltet bewerten. Der Zusammenhang entscheidet, ob eine konkrete Zeitangabe oder ein Urteil über frühere Zustände vorliegt.
Am Vortag, früher und damals
Am Vortag bezieht sich auf einen im Text genannten Tag und eignet sich gut für nachträgliche Berichte. Einen Tag zuvor kann einen anderen erzählten Zeitpunkt als Bezug haben. Früher und damals passen nur zur weiteren Vergangenheitsbedeutung. Sie sind für eine genaue Tagesangabe zu unbestimmt.
„Am Freitag kam die Zusage. Gestern hatten wir noch gewartet.“
„Am Freitag kam die Zusage. Am Vortag hatten wir noch gewartet.“
Die zweite Fassung verankert das Warten ausdrücklich am Donnerstag. Die erste kann in einem Bericht unklar sein, weil gestern auch auf den Zeitpunkt des Erzählens bezogen werden könnte.
„Diese Arbeitsweise ist von gestern.“
„Diese Arbeitsweise ist überholt.“
Im übertragenen Gebrauch wird ein negatives Urteil deutlicher. Der Satz belegt aber noch nicht, dass die Arbeitsweise ungeeignet ist. Für eine sachliche Diskussion sollte folgen, welche Anforderung sie nicht mehr erfüllt.
Klein oder groß?
Das Adverb wird kleingeschrieben: seit gestern, gestern früh. Bei gestern Abend bleibt gestern klein, während das Nomen Abend groß beginnt. Wird die Vergangenheit selbst als Gegenstand benannt, steht ein substantivierter Gebrauch: das Gestern, zwischen Gestern und Heute.
Nicht von gestern sein
Ich bin nicht von gestern kann bedeuten, dass man sich nicht für unwissend oder leichtgläubig hält. In der erfundenen Situation bemerkt eine Schülerin, dass ein vermeintlich neues Angebot nur anders beschriftet wurde: „Ich bin nicht von gestern.“ Die Wendung äußert Selbstbewusstsein; sie ist kein Nachweis dafür, dass die Einschätzung tatsächlich stimmt.
