kaum
Form & Grammatik
- Stichwort
- kaum
- Worttrennung
- kaum
Gebrauch: Unveränderliches Adverb; keine Kasusformen und keine Steigerung. Grad-, Mengen-, Vermutungs- und Zeitgebrauch unterscheiden.
Definition · kurz erklärt
Kaum bedeutet je nach Zusammenhang fast nicht, nur mit Mühe oder gerade erst. Vor einer Mengenangabe kann es eine knapp nicht erreichte Menge ausdrücken. Außerdem kann kaum eine vorsichtige Einschätzung im Sinn von vermutlich nicht kennzeichnen.
Bedeutungen
Ein sehr geringer Grad
„Das Geräusch ist kaum hörbar“ heißt, dass man es nur sehr schwach wahrnehmen kann. Es ist nicht zwingend völlig unhörbar. Bei Mengen funktioniert kaum ähnlich: „kaum zehn Minuten“ lässt eine Dauer verstehen, die die genannte Größenordnung knapp unterschreitet oder allenfalls knapp erreicht.
Mühe oder eine Vermutung
„Ich konnte die Schrift kaum lesen“ betont eine Schwierigkeit. „Sie wird heute kaum antworten“ ist dagegen eine Einschätzung: Die Antwort wird für unwahrscheinlich gehalten. Das ist keine sichere Kenntnis.
Eine enge zeitliche Folge
In „Kaum war die Probe vorbei, begann das Aufräumen“ folgen zwei Vorgänge rasch aufeinander. Kaum bedeutet hier nicht fast gar nicht. Diese zeitliche Verwendung wird besonders durch den gesamten Satzbau erkennbar.
kaum: Synonyme und andere Wörter
Einen geringen Umfang ausdrücken
fast nicht · fast gar nicht · nur wenig
Fast nicht ist ein enger Ersatz bei einem geringen Grad. Nur wenig kann sachlicher wirken. Nicht oder gar nicht würde die Aussage stärker verneinen und kann ihren Sinn verändern.
„Ich kenne den Weg kaum“ bedeutet geringe Vertrautheit. „Ich kenne den Weg gar nicht“ verneint die Vertrautheit vollständig.
Eine schnelle Folge schildern
gerade erst · unmittelbar nachdem
Diese Ausdrücke passen zum zeitlichen Gebrauch. Meist muss dabei der Satz umgebaut werden; ein einzelner Worttausch reicht nicht.
„Kaum hatte sie angefangen, klingelte es.“ → „Unmittelbar nachdem sie angefangen hatte, klingelte es.“
Unsicherheit kenntlich machen
vermutlich nicht · wohl nicht
Diese Umschreibungen passen zu einer vorsichtigen negativen Erwartung. Sie sind kein Ersatz für kaum in jedem Mengensatz.
„Das wird kaum reichen.“ → „Das wird vermutlich nicht reichen.“ Die Unsicherheit bleibt erkennbar.
Verwendung und Beispiele
„Vom hinteren Platz war die leise Antwort kaum zu verstehen.“
Die Aussage betrifft die Wahrnehmbarkeit. Sie behauptet nicht, dass die Antwort inhaltlich unverständlich war.
„Kaum lagen die Bücher auf dem Tisch, begann die Diskussion.“
Gemeint ist die schnelle zeitliche Abfolge. Eine geringe Anzahl von Büchern wird nicht ausgesagt.
Grammatik
Kaum ist ein Adverb und bleibt unverändert. Es bekommt keine Fall-, Geschlechts- oder Pluralendung und wird nicht gesteigert. Das Wort ist einsilbig und wird nicht getrennt.
Die Stellung hilft bei der Deutung: „kaum lesbar“ bezieht sich auf einen Grad, „kaum drei Seiten“ auf eine Menge und „kaum angekommen, …“ auf eine zeitliche Nähe. Das Bezugswort sollte beim Überarbeiten eines Satzes mitgelesen werden.
Kaum ist nicht dasselbe wie die Form kam des Verbs kommen. Die beiden Wörter unterscheiden sich sowohl in der Schreibung als auch in ihrer grammatischen Funktion.
