überaus
Form & Grammatik
- Stichwort
- überaus
- Worttrennung
- über·aus
Eher gehobenes Gradwort; räumlich über etwas hinaus heute veraltet.
Gebrauch: Unveränderlich; keine Deklination oder Konjugation, keine Steigerungsformen.
Definition · kurz erklärt
Überaus verstärkt eine Eigenschaft oder Handlung und bedeutet in ungewöhnlich hohem Maß. Das Wort wirkt eher gehoben. Eine heute veraltete räumliche Bedeutung ist über etwas hinaus.
Bedeutungen
In sehr hohem Maß
Überaus hebt einen hohen Grad hervor, etwa eine besonders gute Vorbereitung oder eine starke Irritation. Positive und negative Bewertungen sind möglich. Wie hoch der Grad tatsächlich ist, wird damit nicht gemessen.
„Die Anleitung ist überaus hilfreich, weil sie jeden Schritt mit einer passenden Zeichnung erklärt.“
Die Begründung macht das starke Lob nachvollziehbar. Überaus allein wäre nur eine sprachliche Verstärkung.
Veraltet: über etwas hinaus
In älterem Sprachgebrauch kann überaus eine räumliche Richtung über eine Grenze hinaus meinen. Diese Verwendung ist vom heutigen Gradwort zu unterscheiden und für neue Alltagstexte nicht die naheliegende Wahl.
Moderne Umschreibung der alten Richtungsbedeutung: „Der Blick reicht über die Mauer hinaus.“
Der Satz ist eine heutige eigene Umschreibung der alten Bedeutung. Er ist kein historisches Verwendungszitat und bildet keine vermeintlich alte Satzstellung nach.
Synonyme: andere Wörter für überaus
Sehr oder äußerst?
Sehr ist meist die schlichtere Verstärkung. Äußerst kann ebenfalls einen hohen Grad betonen.
Überaus wirkt eher gehoben. Die Wörter sagen nichts darüber aus, ob die starke Wertung durch konkrete Beobachtungen gestützt wird.
„Die Antwort ist überaus genau“ lässt sich als „Die Antwort ist sehr genau“ erklären. „Die Antwort ist ausnahmslos richtig“ würde zusätzlich jede Ausnahme ausschließen.
Besonders ist nicht immer gleich stark
Besonders kann sowohl verstärken als auch einen Teil hervorheben. Welche Funktion gemeint ist, hängt vom Satz ab.
In „Besonders der letzte Absatz hilft“ wird ein Teil ausgewählt. Überaus kann diese auswählende Bedeutung nicht übernehmen.
„Der letzte Absatz ist überaus hilfreich“ bewertet seinen Grad. „Besonders der letzte Absatz ist hilfreich“ hebt ihn gegenüber anderen hervor.
Beispiele und Verwendung
„Die Erzählerin bezeichnet den Empfang als überaus freundlich; die spätere kühle Antwort überrascht sie.“
Die starke Wertung gehört zu ihrer damaligen Wahrnehmung. Sie muss nicht den ganzen späteren Umgang beschreiben.
„Der Text nennt die Aufgabe überaus schwierig und erklärt anschließend, welche zwei Schritte Probleme bereiten.“
Ein genauer Hinweis auf die Schwierigkeit ist nützlicher als eine Folge immer stärkerer Verstärkungen.
Grammatik und Beugung
Überaus ist ein unveränderliches Adverb. Es wird nicht nach Geschlecht, Zahl oder Fall dekliniert und erhält keine eigenen Steigerungsformen. Die Worttrennung lautet über·aus.
In „eine überaus genaue Skizze“ gehört die Endung e zum Adjektiv genau, nicht zu überaus. Das Adverb bleibt auch bei „mit überaus genauen Skizzen“ gleich. Eine Beugungstabelle für überaus wäre deshalb unpassend.
