Meine Wörter

wohl

Form & Grammatik

Adverb · Partikel
Stichwort
wohl
Worttrennung
wohl
Komparativ
wohler; je nach Zusammenhang besser
Superlativ
am wohlsten; je nach Zusammenhang am besten

Vergleichsformen nur beim Adverb im Sinn des Befindens; die Vermutungs- und Bestätigungspartikel ist unveränderlich.

Formen und Verwendung im Detail

Definition · kurz erklärt

Wohl kann ein gutes oder angenehmes Befinden bezeichnen. Als Partikel drückt es außerdem eine Vermutung oder eine nachdrückliche Bestätigung aus. Der Satz zeigt, welche Bedeutung gemeint ist.

Bedeutungen

1 Gut oder angenehm

Als Adverb kann wohl ein gutes Befinden oder eine angenehme Wirkung ausdrücken. In dieser Bedeutung sind Vergleiche möglich. Das Wohlbefinden und eine Vermutung über den Zustand einer Person sind auseinanderzuhalten.

„Nach der Pause war ihr wieder wohl.“

Der Satz beschreibt ihr Befinden. Er sagt nicht nur, dass jemand vermutet, sie werde irgendwann eine Pause machen.

2 Eine Vermutung ausdrücken

Als Partikel kann wohl eine Aussage als wahrscheinlich oder vermutet kennzeichnen. Der Sprecher legt sich damit nicht in gleicher Weise fest wie bei einer ausdrücklich bestätigten Tatsache. Wie sicher die Vermutung klingt, hängt auch vom Zusammenhang ab.

„Die Mappe liegt wohl noch im Besprechungsraum.“

Die Formulierung zeigt eine Annahme über den Ort. Wer die Mappe gerade dort gesehen hat, könnte seine sichere Beobachtung genauer benennen.

3 Etwas nachdrücklich bestätigen

In betonter Verwendung kann wohl einen Einwand zurückweisen oder eine Aussage bestätigen, häufig in der Verbindung sehr wohl. Dann bedeutet es nicht einfach wahrscheinlich.

„Ich habe deine Nachricht sehr wohl gelesen.“

Der Sprecher widerspricht der Vorstellung, er habe die Nachricht übersehen. Sehr wohl verstärkt hier die Bestätigung; eine unsichere Vermutung wird gerade nicht ausgedrückt.

wohl: Synonyme und andere Wörter

Wohl, vermutlich oder gut?

Vermutlich passt bei einer Annahme. Gut kann beim Befinden oder bei einer günstigen Wirkung passen. Diese Ersatzwörter gehören zu verschiedenen Bedeutungen und dürfen nicht zu einer einzigen Synonymreihe vermischt werden.

Auch die Betonung kann eine Rolle spielen. In sehr wohl wird eine Behauptung ausdrücklich bekräftigt; vermutlich würde den Nachdruck in eine Unsicherheit verwandeln.

„Er kommt wohl später“ kann „Er kommt vermutlich später“ heißen. „Nach dem Spaziergang ist ihr wohl“ beschreibt dagegen einen angenehmen Zustand und keine Vermutung über einen Termin.

Wohlweislich ist ein anderes Adverb: Es bezeichnet eine überlegte Handlung mit einem Grund. „Sie kommt wohl später“ vermutet eine Uhrzeit; „Sie erwähnte den Termin wohlweislich nicht“ bewertet ein bewusstes Unterlassen. Die Wörter sind keine freien Synonyme.

Beispiele und Verwendung

Eine Annahme kenntlich machen

„Das wird wohl der richtige Schlüssel sein.“

Die Formulierung kennzeichnet eine Einschätzung. Sie ist keine Prüfung, ob der Schlüssel wirklich passt. In einer Anleitung sollte statt einer bloßen Vermutung ein überprüfbarer Arbeitsschritt stehen.

Den Zusammenhang beim Vergleich erhalten

„Hier ist ihr wohler als im überfüllten Saal.“ – „Mit einem offenen Fenster fühlt sie sich am wohlsten.“

Wohler und am wohlsten vergleichen das Befinden. Diese Formen gehören nicht zur vermutenden Partikel in sie kommt wohl. Ein stärkeres Gefühl von Gewissheit wird anders ausgedrückt, etwa durch sehr wahrscheinlich.

Grammatik und Beugung

Die Worttrennung lautet wohl; das einsilbige Wort hat keine Trennstelle. Die Partikel wird nicht gebeugt. Das Adverb gehört dagegen zu den steigerbaren Adverbien: wohler und am wohlsten vergleichen das Befinden. Auch besser und am besten können im entsprechenden Bedeutungszusammenhang auftreten.

Eine Deklination nach Fällen passt für beide Verwendungen nicht. Die Übersicht zeigt ausschließlich die belegten Vergleichsformen des Adverbs, keine Adjektivendungen und keine Formen der Vermutungspartikel.

Wohl als Adverb: Vergleichsformen
StufeFormen
Grundformwohl
Komparativwohler / besser
Superlativam wohlsten / am besten

Redewendung

Wohl oder übel

Wohl oder übel bedeutet, dass jemand etwas auch gegen die eigene Vorliebe hinnehmen oder tun muss: „Wegen der Baustelle nehmen wir wohl oder übel den Umweg.“ Der Umweg wird widerwillig akzeptiert. Die Wendung behauptet nicht, dass der Weg zugleich angenehm und schlecht sei.