Malapropismus: Bedeutung, Beispiele und Wirkung
Ein Malapropismus ist die Verwechslung eines gemeinten Wortes mit einem ähnlich klingenden, aber inhaltlich unpassenden Wort. Dadurch kann eine komische Aussage entstehen. In einem eigenen Beispiel sagt eine Figur: „Der Ausschuss fasste einen einstimmigen Beschuss.“ Gemeint ist ein Beschluss, also eine Entscheidung. „Beschuss“ bezeichnet dagegen das Schießen auf ein Ziel.
Was macht die Wortverwechslung besonders?
Für einen Malapropismus muss das tatsächlich verwendete Wort zum gemeinten Wort eine erkennbare lautliche Ähnlichkeit haben. Gleichzeitig passt seine Bedeutung nicht zur beabsichtigten Aussage. Das Publikum kann das richtige Wort meist aus dem Zusammenhang erschließen. Gerade die Spannung zwischen erkennbarer Absicht und falschem Ausdruck trägt den Witz.
Der Begriff darf nicht als pauschales Etikett für jeden Versprecher dienen. Ein ausgelassener Laut oder ein falscher Artikel funktioniert anders. Ebenso wenig genügt ein kompliziertes Wort, das man selbst nicht kennt. Eine tragfähige Erklärung nennt das gebrauchte Wort, das vermutlich gemeinte Wort und den Bedeutungsunterschied.
Eigene Beispiele und ihre Auflösung
Beispiel · verwechselt
„Mit einem dringenden Apfel bat die Bürgermeisterin um Ruhe“, liest eine Figur vom Blatt vor. Sie meint einen Appell.
Ein Aufruf an die Zuhörenden wird durch die ähnlich klingende Bezeichnung einer Frucht ersetzt. Der Zusammenhang macht das beabsichtigte Wort erkennbar.
Beispiel · unpassender Ausdruck
„Die Verdächtigen haben ein Kompott geschmiedet“, sagt der Kommissar in einer erfundenen Komödie. Er meint ein Komplott, also einen heimlichen Plan gegen andere.
Eine Speise tritt an die Stelle einer Verschwörung. Die fast gleich klingenden Wörter unterscheiden sich durch das l; die Verbindung „geschmiedet“ hilft, den gemeinten Ausdruck zu erkennen.
Nicht jedes Beispiel klingt für alle Leser gleich überzeugend. Je näher der Klang und je eindeutiger der Zusammenhang sind, desto leichter lässt sich die Verwechslung nachvollziehen. Ein selbst geschriebenes komisches Beispiel sollte deshalb laut gelesen werden. Wenn das Publikum erst eine lange Erklärung braucht, geht der unmittelbare Effekt leicht verloren.
Komik und Figurenzeichnung
Ein Malapropismus kann die Differenz zwischen dem Auftreten einer Figur und ihrer tatsächlichen Wortbeherrschung zeigen. Eine Figur möchte besonders fachkundig wirken, wählt aber gerade deshalb einen unpassenden Ausdruck. Ebenso kann eine harmlose Verwechslung unter Stress entstehen. Diese Möglichkeiten müssen am jeweiligen Text geprüft werden.
Man sollte einen Fehler nicht zur vollständigen Charakterisierung ausweiten. Ein einzelner vertauschter Begriff beweist keine allgemeine Unbildung. Interessant ist auch die Reaktion der anderen Figuren: Verbessern sie freundlich, lachen sie gemeinsam oder nutzen sie den Fehler zur Demütigung? Dadurch kann die Szene mehr über das Verhältnis der Beteiligten zeigen als über das Wissen des Sprechers.
Malapropismus, Paronomasie und Versprecher
Die Paronomasie spielt mit ähnlich klingenden Wörtern. Dabei können beide Ausdrücke ausdrücklich nebeneinanderstehen und sinnvoll gemeint sein. Beim Malapropismus wird ein unpassendes Wort an die Stelle des gemeinten gesetzt. Das richtige Wort muss nicht ausdrücklich im Satz vorkommen.
Bei einem gewöhnlichen Versprecher können Laute durcheinandergeraten, ohne dass ein vorhandenes ähnlich klingendes Wort ersetzt wird. Eine Katachrese in der Bedeutung „Bildbruch“ betrifft wiederum unvereinbar vermischte Bilder. Mehrere Verfahren können zusammen auftreten; für den Malapropismus ist die identifizierbare Wortverwechslung ausschlaggebend.
Eine komische Szene untersuchen
Eigener Übungstext
Ben berichtet feierlich von der Sitzung des Schülerrats. „Unser einstimmiger Beschuss gilt ab morgen“, sagt er und legt das Protokoll vor. „Beschluss“, verbessert ihn seine Freundin. „Genau. Der neue Pausendienst“, antwortet Ben.
Möglicher Analyseabsatz: Ben ersetzt „Beschluss“ durch das fast gleich klingende, hier aber unpassende Wort „Beschuss“. Dieser Malapropismus steht im Gegensatz zu seinem feierlichen Auftreten. Das Protokoll, die Korrektur und der Hinweis auf den Pausendienst machen die gemeinte Entscheidung eindeutig. Der Witz entsteht daraus, dass die Wortverwechslung einen harmlosen schulischen Vorgang kurzzeitig mit einer militärischen Handlung verbindet.
Grenze: Die Szene zeigt eine konkrete Wortverwechslung. Ob Ben generell gern mit Fremdwörtern Eindruck macht oder bloß nervös ist, bleibt offen. Die Beschreibung sollte diese Lücke nicht durch ein erfundenes Persönlichkeitsurteil schließen.
Übung: Reicht Ähnlichkeit allein?
Jemand sagt: „Der Preis ist heiß.“ Liegt schon ein Malapropismus vor?
Lösung anzeigen
Nein. Die Wörter klingen ähnlich, aber es ist keine Verwechslung erkennbar. Als Werbespruch kann die Formulierung ein bewusstes Klangspiel sein. Für einen Malapropismus müsste ein unpassendes Wort ein bestimmtes gemeintes Wort ersetzen.
Woher stammt die Bezeichnung?
Der Name geht auf Mrs. Malaprop zurück, eine Figur in Richard Brinsley Sheridans Komödie The Rivals von 1775. Die Figur ist für ihre Wortverwechslungen bekannt. Unsere Beispiele oben sind selbst erfunden und keine Zitate aus diesem Stück. Weitere Verfahren der Komik und Wortgestaltung findest du unter Stilmittel.
