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Metalepse: Bedeutung, Beispiele und Wirkung

Der Begriff Metalepse hat zwei wichtige Verwendungen. In der Rhetorik bezeichnet er eine Bedeutungsübertragung über einen vermittelnden Zusammenhang. In der Erzähltheorie meint er einen überraschenden Übertritt zwischen Ebenen des Erzählens. Die beiden Bedeutungen hängen begriffsgeschichtlich zusammen, dürfen bei einer Analyse aber nicht gleichgesetzt werden.

Zwei Bedeutungen im Überblick

Welche Metalepse ist gemeint?
BereichKernfrageAnsatz der Analyse
Rhetorische BedeutungsübertragungWelche vermittelnden Schritte verbinden Ausdruck und gemeinten Sinn?Die Bedeutungs- oder Ursachenkette entfalten.
Erzählerische EbenenüberschreitungWelche eigentlich getrennten Erzählebenen geraten miteinander in Kontakt?Die Ebenen benennen und den Übertritt zeigen.

Die traditionelle rhetorische Verwendung ist nicht überall identisch abgegrenzt. Häufig wird die Metalepse als besondere, mittelbare Form der Metonymie behandelt. In der Erzähltheorie geht es dagegen nicht bloß um den Ersatz eines Worts, sondern um die Ordnung einer erzählten Welt.

Rhetorisches Beispiel: eine Kette mitdenken

Eigener Beispielsatz mit einer geläufigen Wendung: „Mit seinem Bleifuß ist Leon auf dieser Strecke viel zu schnell unterwegs.“

Der Fuß besteht natürlich nicht aus Blei. Das Gewicht des Metalls lässt an einen schweren Fuß denken; dieser drückt das Gaspedal stark herunter; das starke Beschleunigen führt zur hohen Geschwindigkeit. Die gemeinte Fahrweise erschließt sich somit über mehrere zusammenhängende Vorstellungen. In dieser Lesart lässt sich der Ausdruck als Metalepse erklären.

Ob eine Figurenlehre den Fall eigens Metalepse oder allgemeiner bildliche beziehungsweise metonymische Übertragung nennt, hängt von ihrer Einteilung ab. Für eine verständliche Analyse ist die offengelegte Verbindung wichtiger als ein möglichst seltenes Etikett. Auch nicht jeder Ausdruck mit „Fuß“ bildet eine solche Kette.

Erzählerisches Beispiel: Ebenen geraten durcheinander

Eigene erfundene Miniatur: „Ich strich den Satz, in dem Paul die Tür öffnete. Auf der nächsten Seite drehte er sich zu mir um. ‚Wenn du die Tür streichst, wie soll ich dann hinauskommen?‘ Ich setzte den Satz wieder ein.“

Die schreibende Erzählinstanz und Paul befinden sich zunächst auf verschiedenen Ebenen: Hier wird eine Geschichte formuliert, dort handelt eine Figur in ihr. Paul bemerkt nun den Eingriff in den Text und spricht die erzählende Instanz an. Diese reagiert. Die sonst getrennten Bereiche wirken unmittelbar aufeinander ein.

Das ist mehr als ein gewöhnliches Gespräch zwischen zwei Figuren. Der Witz entsteht gerade daraus, dass eine Figur auf der Ebene ihrer eigenen Erfindung mitreden kann. Die schreibende Instanz im Beispiel ist selbst Teil des erzählten Arrangements; sie ist nicht ohne Weiteres mit einer realen Autorin oder einem realen Autor gleichzusetzen.

Nicht jeder Wechsel ist eine Metalepse

Ein Wechsel der Erzählperspektive lässt denselben Vorgang aus einem anderen Blickwinkel erscheinen. Dabei muss keine Ebenengrenze verletzt werden. Auch wenn eine Figur am Kamin eine Geschichte erzählt, entstehen zwar verschiedene Erzählebenen; ihr geordnetes Nebeneinander ist aber noch keine Metalepse.

Eine direkte Leseransprache wie „Vielleicht erinnerst du dich an den Garten“ reicht ebenfalls nicht automatisch. Deutlicher wäre, dass die angesprochene Leserin der Figur tatsächlich ein Werkzeug reicht und dadurch die Handlung verändert. Welche Grenzfälle mitgezählt werden, ist in der Erzählforschung umstritten. Bei eindeutigen Beispielen sollte man deshalb die konkrete unmögliche Verbindung benennen.

Was eine Ebenenüberschreitung bewirken kann

Eine narrative Metalepse kann komisch wirken, die Gemachtheit einer Geschichte zeigen oder Unsicherheit darüber auslösen, welche Wirklichkeit gerade gilt. Pauls Beschwerde macht das Schreiben selbst zum Gegenstand der Erzählung. In einem anderen Zusammenhang könnte derselbe Grenzübertritt bedrohlich erscheinen. Humor ist keine notwendige Wirkung.

Muster für einen Analyseabsatz

Pauls Einwand gegen den gestrichenen Satz überschreitet die Grenze zwischen der erzählten Handlung und ihrer schriftlichen Herstellung. Die Metalepse lässt eine Figur über die Bedingungen ihrer eigenen Geschichte verhandeln. Dass die Erzählinstanz den Satz anschließend wieder einfügt, verstärkt den komischen Eindruck eines Gesprächs zwischen Figur und ihrem schreibenden Gegenüber.

Dieser Absatz nennt beide Ebenen und den Übertritt. Er behauptet nicht, reale Personen könnten mit erfundenen Figuren sprechen. Beschrieben wird ein Verfahren innerhalb der Fiktion.

Übung: Ebenen unterscheiden

A: Eine Großmutter erzählt ihrer Enkelin ein Märchen. B: Die Märchenfigur steigt aus der Erzählung und nimmt der Großmutter die Brille ab. Welche Variante enthält den deutlichen Ebenenübertritt?

Lösung

Variante B: Die Figur aus der eingebetteten Geschichte handelt plötzlich auf der Ebene, auf der diese Geschichte erzählt wird. A zeigt lediglich eine gewöhnliche Erzählsituation mit einer Geschichte innerhalb einer Geschichte.

Verwandte Verfahren der Bedeutungsübertragung findest du in der Stilmittel-Übersicht.