Paraphrase: Bedeutung, Beispiele und Wirkung
Eine Paraphrase gibt einen Gedanken in anderen Worten wieder. Der wesentliche Sinn bleibt erhalten, während sich Wortwahl und Satzbau verändern. Als rhetorisches Verfahren kann sie eine Aussage unmittelbar erläutern: „Der Eintritt ist unentgeltlich – das heißt, du musst dafür nichts bezahlen.“ Beim Schreiben bezeichnet Paraphrasieren außerdem die sinngemäße Wiedergabe einer fremden Aussage.
Ein Gedanke, zwei Formulierungen
Eigene Beispiele
Ausgangssatz: „Die Teilnahme setzt keine Vorkenntnisse voraus.“
Paraphrase: „Du kannst mitmachen, auch wenn du dich mit dem Thema noch nicht auskennst.“
Beide Sätze beschreiben dieselbe Zugangsvoraussetzung: Fachwissen wird nicht erwartet. Die zweite Fassung spricht die lesende Person direkt an und ersetzt die abstrakte Wendung „setzt voraus“ durch eine Alltagssituation. Sie fügt aber nicht die Behauptung hinzu, dass die Veranstaltung leicht sei oder allen gefallen werde.
Auch eine Erklärung direkt im Text kann eine Paraphrase sein: „Wir brauchen einen verlässlichen Ablauf, also eine Reihenfolge, an die sich alle halten können.“ Die Neufassung soll hier verdeutlichen, was der Sprecher unter „verlässlich“ versteht. Beim Analysieren lohnt die Rückfrage, ob die Erläuterung den ersten Ausdruck nur verständlicher macht oder bereits auf eine bestimmte Lesart verengt.
Wie bleibt eine Paraphrase inhaltlich richtig?
- Aussage verstehen: Halte fest, wer was unter welchen Bedingungen behauptet. Achte auf Einschränkungen und Verneinungen.
- Neu formulieren: Schreibe den Gedanken mit eigenem Satzbau. Einzelne Wörter auszutauschen genügt nicht für eine selbstständige Wiedergabe.
- Zurückvergleichen: Sind Umfang, Sicherheit und Bewertung der Aussage erhalten geblieben?
Paraphrase oder Periphrase?
| Verfahren | Was geschieht? | Eigenes Beispiel |
|---|---|---|
| Paraphrase | Eine Aussage wird sinngemäß neu formuliert oder erklärt. | „Die Plätze sind begrenzt“ → „Es können nur so viele Personen teilnehmen, wie Plätze vorhanden sind.“ |
| Periphrase | Eine Person oder Sache wird durch eine umschreibende Bezeichnung ersetzt. | „die Stadt an der Seine“ statt „Paris“ |
| Zusammenfassung | Ein längerer Inhalt wird auf wesentliche Aussagen verkürzt. | Mehrere Absätze werden zu einem kurzen Überblick. |
Eine Paraphrase kann kürzer, gleich lang oder länger als die Ausgangsformulierung sein. Eine Zusammenfassung kann aus Paraphrasen bestehen, aber die beiden Aufgaben sind nicht identisch. Ebenso ist eine Paraphrase keine bloße Auslegung: „Er schweigt“ lässt sich nicht ohne weiteren Beleg mit „Er ist schuldig“ wiedergeben. Das wäre eine Deutung, die zusätzliche Voraussetzungen benötigt.
Verständlichkeit und mögliche Lenkung
Die Neufassung kann Fachsprache zugänglich machen, einen unklaren Gedanken entfalten oder eine zentrale Aussage nochmals hervorheben. Sie kann aber auch unbemerkt verschieben, worüber gesprochen wird. Wer „umstritten“ mit „falsch“ erklärt, hat keine bedeutungsgleiche Wiedergabe geliefert, sondern eine Bewertung ergänzt.
In eigenen Aufsätzen bleibt ein übernommener Gedanke auch nach einer Umformulierung ein übernommener Gedanke. Eine Paraphrase ersetzt deshalb nicht die erforderliche Kennzeichnung ihrer Herkunft. Für die Darstellung einer fremden Position können Formulierungen wie „Die Autorin vertritt die Ansicht, dass …“ hilfreich sein.
Eine erklärende Paraphrase untersuchen
Erfundene Beispielszene
Eine Kursleiterin erklärt: „Unsere Werkstatt arbeitet ressourcenschonend. Wir reparieren vorhandene Gegenstände und verwenden brauchbare Teile weiter, statt alles neu zu kaufen.“
Möglicher Analyseabsatz: Auf den abstrakten Ausdruck „ressourcenschonend“ folgt eine erläuternde Paraphrase. Die Leiterin übersetzt den Begriff in zwei konkrete Tätigkeiten, das Reparieren und Wiederverwenden. Damit präzisiert sie seine Bedeutung für diese Werkstatt. Die Passage erklärt den Anspruch der Einrichtung; ob sie ihn tatsächlich erfüllt, lässt sich aus der Formulierung allein nicht feststellen.
Übung: Welche Neufassung passt?
Ausgangssatz: „Einige Gäste blieben bis zum Ende.“ A) „Alle Gäste gingen erst nach dem Schluss.“ B) „Ein Teil der Gäste war bis zum Schluss da.“
Lösung anzeigen
B bewahrt den Sinn. A ersetzt „einige“ durch „alle“ und behauptet damit mehr, als der Ausgangssatz hergibt. Die genaue Uhrzeit oder der Grund für das Bleiben gehören ebenfalls nicht ohne Weiteres in eine Paraphrase.
Schreibung und Wortart
Das Substantiv lautet die Paraphrase, das zugehörige Verb paraphrasieren. Achte auf die mittlere Silbe: Paraphrase und Periphrase bezeichnen unterschiedliche Verfahren. Den größeren Zusammenhang zeigt unsere Übersicht der Stilmittel.
