Archetyp
Form & Grammatik
- Stichwort
- Archetyp
- Worttrennung
- Ar·che·typ
- Artikel
- der
- Geschlecht
- Maskulinum
- Genitiv
- des Archetyps
- Plural
- die Archetypen
Gebrauch: Archetyp und Archetypus sind Varianten derselben Nomenidentität. Der Fachzusammenhang bestimmt die Bedeutung. Beide haben den Plural Archetypen.
Definition · kurz erklärt
Ein Archetyp ist eine Urform oder ein grundlegendes Musterbild. Die Variante Archetypus bezeichnet dasselbe Wort; in Psychologie, Philosophie, Textforschung und Biologie hat es besondere fachliche Bedeutungen.
Bedeutungen
1. Eine Urform oder ein Musterbild
Bildungssprachlich bezeichnet Archetyp eine Urform oder ein grundlegendes Muster. Ein einzelnes Beispiel kann als besonders deutliche Verkörperung dieses Musters gelten.
„Der wandernde Ratgeber erscheint in der Geschichte als Archetyp des weisen Helfers.“
Die Figur verkörpert das Grundmuster eines Helfers, der anderen mit seinem Rat den Weg weist.
2. In der Psychologie C. G. Jungs
In Jungs Theorie bezeichnet Archetyp ein Urbild beziehungsweise eine grundlegende psychische Struktur im angenommenen kollektiven Unbewussten. Diese Verwendung ist an die betreffende Theorie gebunden.
„Die Deutung erklärt das Bild im Rahmen von Jungs Theorie als Ausdruck eines Archetyps.“
Die Deutung versteht das Bild als Ausdruck einer grundlegenden psychischen Struktur im Sinne Jungs.
3. In der Philosophie: ein Urbild
Im philosophischen Gebrauch bezeichnet Archetyp ein Urbild des Seienden. Konkrete Erscheinungen werden auf eine grundlegende Form bezogen.
„Der Philosoph beschreibt die vollkommene Form als Archetyp ihrer unvollkommenen Abbilder.“
Mit Archetyp ist hier das gedachte Urbild gemeint, an dem die Abbilder bemessen werden.
4. In der Text- und Werküberlieferung
In der Textforschung kann Archetyp die älteste überlieferte oder erschließbare Fassung eines Textes bezeichnen, von der andere Fassungen abhängen. In entsprechenden fachlichen Zusammenhängen kann auch das Original eines Kunst- oder Schriftwerks gegenüber Nachbildungen oder Abschriften gemeint sein.
„Die Untersuchung versucht, aus mehreren Abschriften den Archetyp des Textes zu erschließen.“
Die Untersuchung rekonstruiert eine frühere Fassung aus den vorhandenen Abschriften. Diese Ausgangsfassung muss nicht selbst als Schriftstück erhalten sein.
5. In der Biologie: eine rekonstruierte Ausgangsform
Biologisch kann Archetyp eine rekonstruierte Ausgangsform bezeichnen, auf die die stammesgeschichtliche Verwandtschaft von Lebewesen zurückgeführt wird.
„Die Darstellung führt die verglichenen Baupläne auf einen gemeinsamen Archetyp zurück.“
Gemeint ist eine erschlossene stammesgeschichtliche Ausgangsform der betrachteten Lebewesen.
Archetyp: Synonyme und Unterschiede
Urform und Musterbild
Urform und Musterbild erklären den allgemeinen Gebrauch. Vorbild kann dagegen etwas meinen, das nachgeahmt werden soll: „Ihr Verhalten ist ein Vorbild.“ Ein Archetyp muss nicht moralisch vorbildlich sein; auch eine bedrohliche Figurenrolle kann ein Muster verkörpern.
Typus und Original
Typus bezeichnet einen allgemeinen Typ, ohne notwendig dessen grundlegenden oder ursprünglichen Charakter zu betonen. Original passt nur in bestimmten fachlichen Zusammenhängen. Es ersetzt nicht jede psychologische, philosophische oder biologische Verwendung des Wortes.
Beispiele und Verwendung
„Die Figur gilt in dieser Analyse als Archetyp eines unbestechlichen Richters.“
Die Figur verkörpert in der Analyse das Grundmuster eines Richters, der sich nicht bestechen lässt.
„Die beiden Entwürfe greifen unterschiedliche Archetypen auf.“
Die beiden Entwürfe verwenden unterschiedliche Grundmuster.
Archetyp, Archetypus und archetypisch
Archetypus ist eine Variante von Archetyp, keine zweite Bedeutung und kein eigenständiger Gegenbegriff. Das Adjektiv archetypisch heißt einem Archetyp entsprechend oder auf ihn bezogen: „eine archetypische Helferfigur“. Die Endung gehört zum Adjektiv; beide Nomenvarianten haben eigene Singularformen.
Grammatik und Beugung
Beide Varianten sind maskulin: der Archetyp oder der Archetypus. Die Worttrennung lautet Ar·che·typ beziehungsweise Ar·che·ty·pus. Wichtig ist der unterschiedliche Genitiv: des Archetyps, aber des Archetypus. Der Plural lautet bei beiden die Archetypen.
Im Akkusativ Singular heißt es den Archetyp beziehungsweise den Archetypus. Die Tabellen zeigen die beiden Varianten mit ihren unterschiedlichen Singularformen und ihrem gemeinsamen Plural.
| Fall | Singular | Plural |
|---|---|---|
| Nominativ | der Archetyp | die Archetypen |
| Genitiv | des Archetyps | der Archetypen |
| Dativ | dem Archetyp | den Archetypen |
| Akkusativ | den Archetyp | die Archetypen |
| Fall | Singular | Plural |
|---|---|---|
| Nominativ | der Archetypus | die Archetypen |
| Genitiv | des Archetypus | der Archetypen |
| Dativ | dem Archetypus | den Archetypen |
| Akkusativ | den Archetypus | die Archetypen |
Herkunft
Das Wort geht über lateinisch archetypum auf griechisch archétypon zurück. Die Bedeutung ist ein Urbild oder Muster.
Weitere Begriffe findest du im Fremdwörterbuch.
