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Charis

Form & Grammatik

Substantiv
Stichwort
Charis
Worttrennung
Cha·ris
Artikel
die
Geschlecht
Femininum
Genitiv
der Charis
Plural
Mythologie: die Chariten (meist Plural); Bedeutung Anmut: kein Plural

Griechische Mythologie: eine der drei Göttinnen der Anmut, meist im Plural Chariten. Bildungssprachlich für Anmut, dann ohne Plural. Die andere Bezeichnung Charitin gehört nur zur Göttinnenbedeutung.

Formen und Verwendung im Detail

Definition · kurz erklärt

Eine Charis ist in der griechischen Mythologie eine der drei Göttinnen der Anmut; meist spricht man von den Chariten. Bildungssprachlich kann Charis außerdem Anmut bedeuten. In dieser zweiten Verwendung hat das Wort keinen Plural.

Bedeutungen

Eine Göttin der Anmut bezeichnen

In einem mythologischen Text benennt Charis eine der drei Göttinnen der Anmut. Der Plural Chariten fasst sie zusammen. Eine Bildbeschreibung sollte unterscheiden, ob sie eine einzelne dargestellte Göttin oder die Gruppe meint.

„Für ihr Ausstellungsmodell gestaltet Lea drei Chariten; einer Charis fehlt noch der aus Papier geformte Arm.“

Die erfundene Werkstattszene unterscheidet Gruppe und Einzelfigur. Der Papierarm gehört zu diesem selbst erdachten Modell; er ist kein behauptetes festes Merkmal mythologischer Darstellungen.

Bildungssprachlich von Anmut sprechen

Charis kann Anmut als ästhetischen Eindruck benennen. In diesem Gebrauch wird keine Göttin bezeichnet. Das Wort wirkt bildungssprachlich; in einer verständlichen Erläuterung ist Anmut oft die naheliegende Alternative.

„Die Rezensentin lobt die Charis des kleinen Schattenspiels: Die Figuren begegnen einander in leichten, ruhigen Bewegungen.“

Ihr Lob gilt dem anmutigen Eindruck der Darstellung. Der Satz behauptet nicht, dass eine Göttin auftritt oder dass die Spielerin bestimmte persönliche Eigenschaften besitzt.

Synonyme: andere Wörter für Charis

Die beiden Bedeutungen nicht vermischen

Mythologie: Göttin der Anmut · bildungssprachlich: Anmut, Grazie

Göttin der Anmut erklärt die mythologische Personenbezeichnung. Anmut und Grazie erläutern dagegen den ästhetischen Eindruck. Diese Alternativen lassen sich nicht quer durch beide Bedeutungen austauschen.

„Der Kommentar beschreibt die Charis der Aufführung“ kann hier „Der Kommentar beschreibt die Anmut der Aufführung“ heißen. „Der Kommentar beschreibt eine der Chariten“ handelt dagegen von einer mythologischen Gestalt.

Artikel, Numerus und Textzusammenhang helfen beim Lesen. Ein Plural in der Göttinnenbezeichnung ist kein Plural von Anmut.

Ein Nomen mit einer Beschreibung vergleichen

Anmut · anmutige Wirkung

Anmutig und graziös beschreiben einen harmonisch reizvollen Eindruck. Charis ist dagegen ein Substantiv. Beim Umformulieren kann deshalb ein anderer Satzbau nötig werden; die Wortart bleibt zu beachten.

„Die kleine Szene besitzt Charis“ lässt sich im ästhetischen Gebrauch mit „Die kleine Szene wirkt anmutig“ erläutern.

Die zweite Fassung verwendet eine Eigenschaftsbeschreibung. Sie ist keine Erklärung einer bestimmten Göttin und kein Urteil über die Moral der Beteiligten.

Beispiele und Verwendung

Den Zusammenhang mitlesen

„Unter der Zeichnung steht Chariten; im Begleittext wird anschließend die Charis ihrer Darstellung gelobt.“

Im ersten Teil benennt die Mehrzahl die Göttinnengruppe. Der zweite Teil bewertet deren Darstellung als anmutig. Eine Erklärung darf das Kunsturteil nicht mit den dargestellten Gestalten gleichsetzen.

Einen bildungssprachlichen Ausdruck erklären

„Die Erläuterung ersetzt Charis durch Anmut, weil es um den Eindruck des Schattenspiels geht.“

Die Umschreibung macht hier einen unbekannten Ausdruck verständlich. Bei einem mythologischen Namen wäre derselbe Austausch zu ungenau: Aus einer bestimmten Göttin würde bloß eine Eigenschaft.

Grammatik und Beugung

Das feminine Substantiv lautet die Charis, im Genitiv der Charis. Die Worttrennung ist Cha·ris. Für die Göttinnen steht der tatsächlich anders gebildete Plural Chariten; er wird nicht durch bloßes Anhängen einer Endung an die sichtbare Singularform erzeugt. Im Dativ Plural heißt es den Chariten.

Im bildungssprachlichen Sinn Anmut bleibt Charis ohne Mehrzahl. Die ersten beiden Tabellen halten diese Gebrauchsgrenze sichtbar auseinander.

Eine einzelne Göttin kann auch Charitin heißen, getrennt Cha·ri·tin; die Mehrzahl lautet Charitinnen. Diese andere Bezeichnung gehört zur Mythologie. Sie wird nicht als weitere Kasusform von Charis und nicht als Ausdruck für die abstrakte Anmut geführt. Ihre Fälle stehen deshalb in einer eigenen Tabelle.

Charis in der Mythologie: meist im Plural
FallSingularPlural
Nominativdie Charisdie Chariten
Genitivder Charisder Chariten
Dativder Charisden Chariten
Akkusativdie Charisdie Chariten
Charis im Sinn von Anmut: nur Singular
FallSingular
Nominativdie Charis
Genitivder Charis
Dativder Charis
Akkusativdie Charis
Charitin: andere Bezeichnung einer der Göttinnen
FallSingularPlural
Nominativdie Charitindie Charitinnen
Genitivder Charitinder Charitinnen
Dativder Charitinden Charitinnen
Akkusativdie Charitindie Charitinnen