Fremde
Form & Grammatik
- Stichwort
- Fremde
- Worttrennung
- Frem·de
- Artikel
- die Fremde / eine Fremde (Person); der Fremde / ein Fremder; die Fremde (Ort)
- Geschlecht
- Femininum; männliche Personenbezeichnung Maskulinum
- Genitiv
- der / einer Fremden; des / eines Fremden; der Fremde (Ort)
- Plural
- Fremde / die Fremden (Personen); Ortsbezeichnung ohne üblichen Plural
- Gebrauch
- Die Personenbezeichnungen sind substantivierte Adjektive; die Ortsbezeichnung die Fremde ist ein gewöhnliches feminines Substantiv.
Als Personenbezeichnung substantiviertes Adjektiv: eine Fremde, der Fremden; männlich ein Fremder, der Fremde. Davon zu unterscheiden ist die Ortsbezeichnung die Fremde.
Eine Fremde oder ein Fremder ist eine Person, die jemand nicht kennt oder die an einem betrachteten Ort nicht als einheimisch gilt. Die Bezeichnung hängt damit vom Blickwinkel ab.
Unbekannt für wen?
Eine Frau kann für eine Figur eine Fremde sein und zugleich die vertraute Nachbarin einer anderen Figur. Das Wort behauptet deshalb keine feste Eigenschaft wie Herkunft oder Staatsangehörigkeit. Es kann schlicht bedeuten, dass zwei Menschen einander noch nicht kennen.
In anderen Sätzen hebt die Bezeichnung hervor, dass jemand von anderswo kommt oder nicht zur betrachteten Gruppe gehört. Auch dann sollte genau geprüft werden, wer diese Grenze zieht. Ein Erzähler kann eine Person als fremd erleben, obwohl sie schon lange an diesem Ort lebt.
Unbekannte und auswärtige Personen
| Alternative | Schwerpunkt | Unterschied |
|---|---|---|
| Unbekannte / Unbekannter | man kennt die Person nicht | Behauptet keine fremde Herkunft. |
| Auswärtige / Auswärtiger | die Person kommt von anderswo | Kann jemand sein, den man sehr gut kennt. |
| Besucherin / Besucher | vorübergehender Aufenthalt | Benennt eine Rolle; Besucher müssen nicht unbekannt sein. |
„Eine Fremde fragte Lio nach dem Weg.“
„Eine unbekannte Frau fragte Lio nach dem Weg.“
Die zweite Fassung erklärt Lios Wissensstand. Über die Staatsangehörigkeit oder die Entfernung ihres Wohnorts lässt sich daraus nichts ableiten.
„Im Dorf blieb er für manche ein Fremder.“
„Im Dorf blieb er für manche ein Ausländer.“
Die Alternative behauptet zusätzlich eine andere Staatszugehörigkeit und ist daher ohne weiteren Beleg ungenau. Fremdsein kann auch eine soziale Zuschreibung innerhalb desselben Landes sein.
Die Endung folgt dem Begleiter
Die Personenbezeichnung wird wie ein Adjektiv gebeugt: eine Fremde, ein Fremder, die Fremde, der Fremde; im Plural die Fremden. Im Genitiv heißt es einer Fremden beziehungsweise eines Fremden. Großgeschrieben wird sie, weil sie hier als Substantiv gebraucht wird.
Bei Personen entscheiden Begleiter und Fall über die Endung. Die Ortsbezeichnung die Fremde steht dagegen gewöhnlich im Singular und behält in allen vier Fällen das -e. Die Bedeutung und der Blickwinkel müssen deshalb vor dem Beugen klar sein.
Stark: ohne ArtikelPersonenbezeichnung
| Fall | Maskulinum, Singular | Femininum, Singular | Plural |
|---|---|---|---|
| Nominativ | Fremder | Fremde | Fremde |
| Genitiv | Fremden | Fremder | Fremder |
| Dativ | Fremdem | Fremder | Fremden |
| Akkusativ | Fremden | Fremde | Fremde |
Schwach: mit bestimmtem ArtikelPersonenbezeichnung
| Fall | Maskulinum, Singular | Femininum, Singular | Plural |
|---|---|---|---|
| Nominativ | der Fremde | die Fremde | die Fremden |
| Genitiv | des Fremden | der Fremden | der Fremden |
| Dativ | dem Fremden | der Fremden | den Fremden |
| Akkusativ | den Fremden | die Fremde | die Fremden |
Gemischt: ein oder eine; im Plural keinePersonenbezeichnung
| Fall | Maskulinum, Singular | Femininum, Singular | Plural |
|---|---|---|---|
| Nominativ | ein Fremder | eine Fremde | keine Fremden |
| Genitiv | eines Fremden | einer Fremden | keiner Fremden |
| Dativ | einem Fremden | einer Fremden | keinen Fremden |
| Akkusativ | einen Fremden | eine Fremde | keine Fremden |
Die Fremde als Ort oder ferne Umgebung
| Fall | Singular |
|---|---|
| Nominativ | die Fremde |
| Genitiv | der Fremde |
| Dativ | der Fremde |
| Akkusativ | die Fremde |
Nicht mit dem Ort verwechseln
„In der Fremde leben“ meint ein Leben außerhalb der vertrauten Heimat und ist keine Personenbezeichnung. In einer Textanalyse sollte außerdem sichtbar bleiben, ob eine Figur selbst die Fremdheit empfindet oder ob andere sie als fremd bezeichnen.
