Gemüt
Form & Grammatik
- Stichwort
- Gemüt
- Worttrennung
- Ge·müt
- Artikel
- das
- Geschlecht
- neutrum
- Genitiv
- des Gemüts / des Gemütes
- Plural
- die Gemüter
Die zusätzliche Dativform auf -e ist heute seltener; sie begegnet besonders in festen Wendungen und je nach Textstil.
Gemüt: Gemüt bezeichnet die seelische Verfassung, die Gefühlswelt oder die für jemanden typische Art, Eindrücke zu erleben. Das Wort wird häufig verwendet, wenn eine ruhige, heitere oder empfindsame Wesensart beschrieben wird. Es ist weiter gefasst als ein einzelnes Gefühl.
Bedeutung und Gebrauch
„Ein sonniges Gemüt“ meint nicht bloß einen glücklichen Augenblick, sondern eine als heiter wahrgenommene Grundhaltung. „Die Nachricht belastete ihr Gemüt“ richtet den Blick dagegen auf den gegenwärtigen seelischen Zustand. Im Plural kann „die Gemüter“ auch die beteiligten Menschen hinsichtlich ihrer Gefühle meinen, etwa wenn sich die Gemüter beruhigen. Diese bildliche Ausdrucksweise sollte beim Erklären aufgelöst werden: Es werden nicht einzelne abgetrennte Gefühle als Personen behandelt.
Synonyme im Gebrauch
| Alternative | Wann sie passt – und was sich ändert |
|---|---|
| Gefühlswelt | Betont das innere Erleben einer Person. Es passt besonders, wenn mehrere Regungen oder eine typische Empfindungsweise gemeint sind. |
| Wesensart | Richtet den Blick stärker auf eine charakteristische Art. Sie kann über die Gefühlsseite hinaus auch Verhalten und Auftreten umfassen. |
| Stimmung | Bezeichnet eher einen zeitlich begrenzten Zustand. Eine veränderte Stimmung bedeutet noch keine veränderte Wesensart. |
Beispiele im Vergleich
Dauer und Moment unterscheiden
„Sie hat ein heiteres Gemüt.“ – „Sie ist heute in heiterer Stimmung.“
Die zweite Fassung begrenzt die Aussage auf den Tag. Sie ist kein genauer Ersatz, wenn eine über längere Zeit beobachtete Grundhaltung beschrieben werden soll. Der Zeitraum gehört hier zur Bedeutung.
Eine bildliche Mehrzahl erklären
„Nach der Aussprache beruhigten sich die Gemüter.“ – „Nach der Aussprache wurden die Beteiligten ruhiger.“
Die Umschreibung macht deutlich, dass Menschen und ihre Erregung gemeint sind. Sie sagt nicht, dass sämtliche Streitpunkte gelöst wären; eine Beruhigung kann auch bei fortbestehenden Meinungsunterschieden eintreten.
Grammatik und Verwendung
Das Wort ist sächlich: „das Gemüt“, „des Gemüts“ oder „des Gemütes“. Der Plural lautet „Gemüter“. Feste Verbindungen wie „jemandem aufs Gemüt schlagen“ beschreiben eine seelisch belastende Wirkung. „Die lange Trennung schlug ihr aufs Gemüt“ bedeutet nicht, dass jemand körperlich geschlagen wurde; die Wendung bleibt eine bildhafte Beschreibung der Belastung.
Die zusätzliche Dativform auf -e ist heute seltener; sie begegnet besonders in festen Wendungen und je nach Textstil.
Deklination von GemütDie vier Fälle
Die zusätzliche Dativform auf -e ist heute seltener. In festen Wendungen und je nach Textstil kann sie weiterhin passen.
| Fall | Singular | Plural |
|---|---|---|
| Nominativ | das Gemüt | die Gemüter |
| Genitiv | des Gemüts / des Gemütes | der Gemüter |
| Dativ | dem Gemüt / dem Gemüte | den Gemütern |
| Akkusativ | das Gemüt | die Gemüter |
