Kieberer
Form & Grammatik
- Stichwort
- Kieberer
- Worttrennung
- Kie·be·rer
- Artikel
- der
- Geschlecht
- Maskulinum
- Genitiv
- des Kieberers
- Plural
- die Kieberer
Gebrauch: Österreichisch umgangssprachlich abwertend, besonders wienerisch; Schreibvariante Kiberer.
Definition · kurz erklärt
Kieberer ist eine österreichische umgangssprachliche und abwertende Bezeichnung für einen Polizisten. Besonders im Wiener Sprachgebrauch kann das Wort begegnen. Für eine neutrale Mitteilung ist Polizist die passendere Bezeichnung.
Bedeutungen
Das Wort bezeichnet keine eigene Polizeifunktion oder besondere Dienststelle. Es sagt vor allem etwas über die Sprechweise und häufig über die Distanz der sprechenden Person zur Polizei aus.
In einem Roman kann Kieberer eine regionale Figurenstimme kennzeichnen. Wer die Bedeutung erklärt, sollte die Wortwahl der Figur nicht unbemerkt als eigene sachliche Bezeichnung übernehmen. Zwischen „Die Figur spricht von einem Kieberer“ und „Ein Polizist betritt den Raum“ besteht ein Unterschied in der Perspektive.
Die Schreibung Kiberer ist ebenfalls belegt. Der zusätzliche Buchstabe e in Kieberer macht also nicht aus einem anderen Beruf einen neuen Begriff. Die feminine Bezeichnung lautet Kieberin; sie ist ein eigenes Wort und keine Kasusform des Hauptlemmas.
Kieberer: Synonyme und andere Wörter
Sachlich über die Person sprechen
Polizist · Polizeibeamter
Polizist ist der klare neutrale Ersatz. Polizeibeamter passt, wenn der betreffende Status gemeint ist. Kriminalbeamter wäre enger und darf nicht ohne entsprechenden Sachbezug eingesetzt werden.
„Vor der Tür steht ein Kieberer“, sagt eine Romanfigur. Eine neutrale Erzählinformation könnte lauten: „Vor der Tür steht ein Polizist.“
Die Sprachwirkung erhalten
abwertende Polizeibezeichnung · regionaler Ausdruck
Bei einer Textanalyse kann die Funktion wichtiger sein als ein zweites Schimpfwort. Die Umschreibung benennt das Register, ohne dessen abwertende Haltung selbst fortzuführen.
„Die Wortwahl Kieberer gibt dem Dialog eine regionale und distanzierte Färbung“ erläutert die sprachliche Wirkung, statt eine zusätzliche Personenbewertung einzuführen.
Verwendung und Beispiele
„Im Wiener Kriminalroman nennt der Zeuge den Ermittler einen Kieberer.“
Die abwertende Bezeichnung gehört zur Rede des Zeugen. Welche Tätigkeit der Ermittler ausübt, muss unabhängig davon aus der Handlung hervorgehen.
„Für den sachlichen Bericht ersetzt die Schülerin Kieberer durch Polizist.“
Sie ändert das Register, nicht zwingend die bezeichnete Person. In einem wörtlichen Zitat wäre die ursprüngliche Wortwahl dagegen zu erhalten.
Grammatik
Es heißt der Kieberer, des Kieberers, die Kieberer. Im Dativ Plural lautet die Form den Kieberern. Die Trennung des Hauptlemmas ist Kie·be·rer, die der Schreibvariante Ki·be·rer.
Die Tabelle zeigt die vollständige Beugung von Kieberer. Das Wort bleibt in Nominativ und Akkusativ Singular sowie im gewöhnlichen Plural äußerlich gleich; Artikel und Satzbau zeigen den Fall. Genitiv Singular und Dativ Plural haben eigene Endungen.
Wegen des regionalen und abwertenden Registers ist Kieberer kein beliebiger Ersatz in einem Bewerbungsschreiben, amtlichen Bericht oder neutralen Schultext.
| Fall | Singular | Plural |
|---|---|---|
| Nominativ | der Kieberer | die Kieberer |
| Genitiv | des Kieberers | der Kieberer |
| Dativ | dem Kieberer | den Kieberern |
| Akkusativ | den Kieberer | die Kieberer |
