Kretschmer
Form & Grammatik
- Stichwort
- Kretschmer
- Worttrennung
- Kretsch·mer
- Artikel
- der
- Geschlecht
- Maskulinum
- Genitiv
- des Kretschmers
- Plural
- die Kretschmer
Gebrauch: Regionale Personenbezeichnung für einen Wirt. Von dem gleich geschriebenen Familiennamen unterscheiden; die Tabelle zeigt die Berufs-/Rollenbezeichnung.
Definition · kurz erklärt
Ein Kretschmer ist regional ein Wirt, besonders der Betreiber einer Dorfschenke beziehungsweise eines Kretschams. Das Wort bezeichnet damit eine Person und nicht das Wirtshaus selbst. Der gleich geschriebene Familienname Kretschmer ist davon zu unterscheiden.
Bedeutungen
In einem älteren oder regional geprägten Text kann der Kretschmer die Person sein, die Gäste bewirtet und das Wirtshaus führt. Das Wort liefert zunächst diese Rolle. Ob die Figur freundlich, geizig oder geschäftstüchtig ist, muss der Text durch ihr Verhalten zeigen.
Die regionale Benennung begegnet unter anderem im schlesischen und lausitzischen Zusammenhang. Eine verständliche Erläuterung kann beim ersten Auftreten der Kretschmer, also der Wirt ergänzen. Dadurch bleibt die sprachliche Färbung der Vorlage sichtbar, ohne die Leserin oder den Leser mit einem unbekannten Ausdruck allein zu lassen.
Steht Kretschmer als Familienname bei einer Person, darf daraus nicht auf deren heutigen Beruf geschlossen werden. Ein Satz mit Vorname und Nachname kann einen Namen enthalten, während der Kretschmer des Dorfes im passenden historischen Zusammenhang eine Rolle bezeichnet. Für die Deutung sind Satzbau und Textumgebung wichtig.
Kretschmer: Synonyme und andere Wörter
Die Rolle verständlich benennen
Wirt · Gastwirt · Betreiber einer Schenke
Wirt und Gastwirt sind die naheliegenden Erklärungen. Gastronom ist weiter und klingt in einem historischen Dialog häufig moderner. Kellner bezeichnet dagegen nicht notwendig die leitende beziehungsweise betreibende Person.
„Der Kretschmer begrüßte die Reisenden.“ → „Der Wirt begrüßte die Reisenden.“
Die grundlegende Rolle bleibt erhalten. Der Wortwechsel nimmt aber die regionale Färbung zurück.
Person und Haus auseinanderhalten
Wirt gegenüber Wirtshaus
Kretschmer benennt die Person, Kretscham den gastwirtschaftlichen Ort. Diese Wörter können einander deshalb nicht im selben Satz einfach ersetzen.
„Sie sprach mit dem Kretschmer“ erklärt, mit wem sie sprach. „Sie ging in den Kretscham“ erklärt, wohin sie ging.
Der Vergleich zeigt den Unterschied zwischen Personenbezeichnung und Ortsbezeichnung. Beide können in derselben Szene vorkommen.
Verwendung und Beispiele
„Der Kretschmer stellte den ankommenden Gästen einen Tisch in der Nähe des Ofens bereit.“
Der Bewirtungszusammenhang macht die regionale Rollenbezeichnung verständlich. Eine bestimmte Charaktereigenschaft wird nicht schon durch das Wort behauptet.
„In der modernen Inhaltsangabe heißt es Wirt, während das Zitat aus der Erzählung die Bezeichnung Kretschmer beibehält.“
Die Erläuterung und der historische Wortlaut werden sauber getrennt. So wird eine Modernisierung nicht unbemerkt in ein Zitat eingebaut.
Grammatik
Es heißt der Kretschmer, im Genitiv des Kretschmers. Der Plural lautet die Kretschmer und im Dativ den Kretschmern. Das zusätzliche n gehört zur Dativ-Pluralform. Die Worttrennung lautet Kretsch·mer. Die feminine Personenbezeichnung Kretschmerin ist ein anderes Wort mit eigenen Formen. Die Tabelle behandelt ausschließlich die regionale Rollenbezeichnung, nicht den Familiennamen.
| Fall | Singular | Plural |
|---|---|---|
| Nominativ | der Kretschmer | die Kretschmer |
| Genitiv | des Kretschmers | der Kretschmer |
| Dativ | dem Kretschmer | den Kretschmern |
| Akkusativ | den Kretschmer | die Kretschmer |
