Mädchen
Form & Grammatik
- Stichwort
- Mädchen
- Worttrennung
- Mäd·chen
- Artikel
- das Mädchen
- Geschlecht
- neutrum
- Genitiv
- des Mädchens
- Plural
- die Mädchen; veraltet oder umgangssprachlich auch die Mädchens
Gebrauch: Heutige Bezeichnung für ein weibliches Kind. Andere Bedeutungen für erwachsene Frauen sind veraltet oder veraltend und können diskriminierend wirken. Neutrales Genus trotz weiblichen Personenbezugs.
Definition · kurz erklärt
Ein Mädchen ist ein Kind weiblichen Geschlechts. Das Wort ist grammatisch neutral: das Mädchen. In älteren Texten bezeichnet es auch junge Frauen, eine Freundin oder eine Hausangestellte; diese Verwendungen sind heute veraltet oder veraltend und können diskriminierend wirken. Die gewöhnliche Mehrzahl lautet ebenfalls Mädchen.
Bedeutungen
Ein weibliches Kind
Mädchen bezeichnet im heutigen Gebrauch ein Kind weiblichen Geschlechts. Es nennt keine bestimmte Fähigkeit, Vorliebe oder Charaktereigenschaft. Bei der Geburt kann die Mitteilung, jemand habe ein Mädchen bekommen, eine Tochter meinen.
„Das Mädchen baut aus Karton ein Modell des Bahnhofs.“
Der Satz beschreibt eine konkrete Tätigkeit. Aus der Personenbezeichnung folgt weder, dass alle Mädchen gern basteln, noch dass eine bestimmte Beschäftigung zu einem Geschlecht gehört.
In älteren Texten: eine junge Frau
In veraltetem Gebrauch kann Mädchen eine junge oder jüngere weibliche Person auch außerhalb des Kindesalters nennen. Historische Verbindungen wie ein altes Mädchen meinen dagegen eine nicht mehr junge unverheiratete Frau. Solche Benennungen sind aus dem jeweiligen Text und seinem Sprachgebrauch zu verstehen.
„Der Kommentar erklärt, dass die alte Erzählung mit dem Mädchen eine erwachsene junge Frau meint.“
Für eine heutige Beschreibung ist junge Frau genauer. Die alte Wortwahl ist kein Grund, einer erwachsenen Person die Selbstständigkeit oder Ernsthaftigkeit eines Erwachsenen abzusprechen.
Veraltend: eine Freundin
In älterem beziehungsweise veraltendem Sprachgebrauch kann Mädchen die Freundin eines jungen Mannes bezeichnen. Die Beziehungsbedeutung ergibt sich aus dem jeweiligen Zusammenhang.
„In dem alten Film stellt die männliche Figur eine junge Frau als ihr Mädchen vor.“
Hier ist eine Partnerin gemeint, kein eigenes Kind. Die Erklärung beschreibt einen älteren Sprachgebrauch; in einer heutigen Darstellung ist Freundin oder Partnerin in passendem Zusammenhang eindeutiger.
Veraltend: eine Hausangestellte
In veraltendem Gebrauch bezeichnet Mädchen eine weibliche Hausangestellte oder Hausgehilfin. Diese Bedeutung kann auch bei einer erwachsenen Frau vorkommen.
„Im historischen Roman schickt die Hausherrin das Mädchen mit einer Nachricht zur Nachbarin.“
Der Arbeitszusammenhang erklärt die ältere Rollenbezeichnung. Daraus folgt weder ein Kindesalter noch eine familiäre Beziehung. In heutiger sachlicher Sprache ist die tatsächliche Tätigkeit oder Berufsrolle genauer.
Synonyme: andere Wörter für Mädchen
Ein Kind allgemein oder vertraut nennen
Kind · Mädel · Mäderl
Kind nennt das Geschlecht nicht. Mädel ist umgangssprachlich, Mäderl österreichisch umgangssprachlich. Der Austausch verändert deshalb entweder die Genauigkeit oder den sprachlichen Ton.
„Das Mädchen entdeckt den Wegweiser.“ → „Das Kind entdeckt den Wegweiser.“
Die zweite Fassung lässt eine Information über die Person offen. Das beobachtete Entdecken bleibt dieselbe Handlung.
Ältere Bedeutungen heute klar ausdrücken
junge Frau · Freundin · Hausangestellte
Diese Wörter passen zu unterschiedlichen älteren Mädchen-Verwendungen. Sie sind keine gemeinsamen Synonyme für das weibliche Kind, sondern lösen jeweils eine bestimmte Lesart auf.
„Das Mädchen arbeitet im Haushalt der Familie.“ → im passenden historischen Kontext: „Die Hausangestellte arbeitet im Haushalt der Familie.“
Die Ersetzung ist nur dann richtig, wenn tatsächlich die Arbeitsrolle gemeint ist. Bei einem Kind, das zu Hause mithilft, würde sie eine neue und unbelegte Information hinzufügen.
Beispiele und Verwendung
Genus und Geschlecht unterscheiden
„Das Mädchen, das die Anleitung geschrieben hat, stellt sein Modell vor.“
Das Relativpronomen das und das Possessivwort sein richten sich hier nach dem neutralen Substantiv. Das grammatische Neutrum ändert nichts am weiblichen Personenbezug. Andere Pronomenbezüge nach dem Sinn sind eine eigene Frage des Satzzusammenhangs.
Zwei Kinderbezeichnungen vergleichen
„Ein Mädchen und ein Junge tauschen ihre Sammelkarten.“
Junge ist im Kinderbezug die männliche Bezeichnung. Beide Wörter haben ein eigenes Genus und eine eigene Beugung; Junge ist keine maskuline Kasusform von Mädchen.
Singular und Plural am Artikel erkennen
„Das Mädchen notiert die Messwerte; die Mädchen vergleichen anschließend ihre Ergebnisse.“
Die Wortform Mädchen bleibt unverändert. Artikel und Verb unterscheiden im Beispiel das einzelne Kind von der Gruppe. Der Dativ Plural lautet ebenfalls den Mädchen, ohne zusätzliches n.
Grammatik und Beugung
Mädchen ist ein neutrales Substantiv mit weiblichem Personenbezug. Der Genitiv Singular lautet des Mädchens. Der gewöhnliche Plural bleibt Mädchen, auch im Dativ den Mädchen. Daneben ist Mädchens als veralteter oder umgangssprachlicher Plural belegt. Diese eingeschränkte Mehrzahl ist vom normalen Genitiv Singular des Mädchens zu unterscheiden. Die männliche Kinderbezeichnung Junge hat eigene Formen: der Junge, des Jungen, die Jungen, daneben eingeschränkt Jungs und Jungens.
| Fall | Singular | Plural | Plural, veraltet oder umgangssprachlich |
|---|---|---|---|
| Nominativ | das Mädchen | die Mädchen | die Mädchens |
| Genitiv | des Mädchens | der Mädchen | der Mädchens |
| Dativ | dem Mädchen | den Mädchen | den Mädchens |
| Akkusativ | das Mädchen | die Mädchen | die Mädchens |
Schreibweise und Worttrennung
Die Worttrennung lautet Mäd·chen. Die gewöhnliche Mehrzahl wird ebenfalls Mäd·chen getrennt, der eingeschränkte s-Plural Mäd·chens. Das Wort geht auf die ältere Verkleinerungsform Mägdchen zu Magd zurück. Die heutige Schreibung enthält kein g.
Redewendungen und feste Verbindungen
Für kleine Mädchen müssen
Scherzhaft und verhüllend bedeutet die Wendung, die Toilette aufsuchen zu müssen.
„Die Figur unterbricht das Kartenspiel mit der scherzhaften Bemerkung, sie müsse für kleine Mädchen.“
Die Erklärung betrifft eine feste verhüllende Formulierung. Gemeint ist keine tatsächliche Gruppe kleiner Kinder; in sachlichem Zusammenhang ist zur Toilette müssen eindeutiger.
Mädchen für alles
Diese umgangssprachliche, veraltete Verbindung bezeichnet eine Person, die alle anfallenden Arbeiten und Aufgaben übernehmen soll.
„Im alten Bericht heißt es, der erwachsene Hausdiener sei das Mädchen für alles gewesen.“
Die Wendung kann unabhängig vom Geschlecht der Person vorkommen. Sie gehört zum älteren Sprachgebrauch und ist für heutige berufliche Rollen eine ungenaue, unter Umständen abwertende Benennung. Die konkrete Aufgabenbeschreibung ist aussagekräftiger.
Wortfamilie und verwandte Wörter
Schulmädchen, Nachbarsmädchen und Zwillingsmädchen präzisieren unterschiedliche Beziehungen oder Zusammenhänge. Mädchenchor und Mädchenzimmer sind eigene Zusammensetzungen. Nicht jede ältere Zusammensetzung lässt sich durch eine wörtliche Deutung des heutigen Kinderwortes erklären.
