Normativität
Form & Grammatik
- Stichwort
- Normativität
- Worttrennung
- Nor·ma·ti·vi·tät
- Artikel
- die
- Geschlecht
- Femininum
- Genitiv
- der Normativität
- Plural
- die Normativitäten (bei einzelnen normativen Wirkungen)
Gebrauch: Eigenschaft, als Regel oder Maßstab zu dienen, ohne Plural; bei unterscheidbaren normativen Wirkungen ist ein Plural möglich.
Definition · kurz erklärt
Normativität bedeutet, dass etwas als Regel, Maßstab oder Richtschnur wirkt. Das Wort kann die entsprechende Eigenschaft oder eine solche Wirkung bezeichnen. Es betrifft ein Sollen und nicht bloß die Beschreibung dessen, was tatsächlich geschieht.
Bedeutungen
Bedeutung 1: Als Maßstab oder Regel gelten
Normativität bezeichnet die Eigenschaft, eine Richtschnur für Verhalten oder Urteile abzugeben. Eine normative Aussage beschreibt daher nicht einfach nur einen beobachteten Zustand. Sie formuliert oder setzt einen Maßstab voraus.
„Die Aussage Alle sollen ausreden dürfen besitzt Normativität.“
Der Satz verlangt ein bestimmtes Verhalten. Er behauptet nicht, dass in der Gruppe bereits alle ausreden dürfen.
Bedeutung 2: Eine normative Wirkung entfalten
Das Nomen kann außerdem die Wirkung meinen, mit der etwas Orientierung oder Geltung als Maßstab erhält. Unterschiedliche solche Wirkungen lassen sich im fachlichen Zusammenhang auch im Plural unterscheiden.
„Die Untersuchung vergleicht die Normativitäten verschiedener Leitbilder.“
Gemeint sind ihre jeweiligen maßgebenden Wirkungen, nicht bloß die Anzahl gedruckter Regeln.
Normativität: Synonyme und andere Wörter
Den Regelcharakter erläutern
Maßstabscharakter · regelgebender Charakter
Diese Umschreibungen machen den abstrakten Begriff verständlicher. Verbindlichkeit kann passen, behauptet aber je nach Kontext eine stärkere Bindung, als eine bloße Orientierung ausdrückt.
„Der Text untersucht die Normativität des Leitbilds.“ → „Der Text untersucht seinen Charakter als Maßstab.“ Der Bezug wird unmittelbarer.
Die Wirkung beschreiben
normative Wirkung · richtunggebende Kraft
Bindende Kraft passt nur bei entsprechender Verbindlichkeit. Häufigkeit ist keine Alternative: Etwas kann häufig vorkommen, ohne deshalb als Regel gelten zu sollen.
„Die Normativität der Aussage ist umstritten.“ → „Ihre Geltung als Richtschnur ist umstritten.“ Beide Fassungen fragen nach dem Maßstab.
Beispiele und Verwendung
Beschreiben und vorschreiben trennen
„Viele sprechen gleichzeitig“ beschreibt eine Beobachtung. „Alle sollen nacheinander sprechen“ setzt eine Regel.
Der Vergleich verdeutlicht den Unterschied zwischen tatsächlichem Verhalten und normativem Anspruch.
Eine Begründung prüfen
„Die Diskussion fragt nicht nur, ob die Regel gilt, sondern auch, wodurch ihre Normativität begründet wird.“
Ein Maßstab kann hinterfragt werden. Das Wort enthält selbst noch keine Rechtfertigung für ihn.
Grammatik und Beugung
Es heißt die Normativität, Genitiv der Normativität. Als Eigenschaft steht das Wort ohne Plural. Die Mehrzahl Normativitäten bezieht sich auf unterscheidbare normative Wirkungen.
Die Worttrennung lautet Nor·ma·ti·vi·tät. Die Tabelle zeigt die Formen einschließlich des bedeutungsabhängig verwendeten Plurals.
Das Nomen wird großgeschrieben; das Adjektiv normativ ist eine andere Wortart. In nach der Normativität fragen steht nach mit Dativ.
| Fall | Singular | Plural |
|---|---|---|
| Nominativ | die Normativität | die Normativitäten |
| Genitiv | der Normativität | der Normativitäten |
| Dativ | der Normativität | den Normativitäten |
| Akkusativ | die Normativität | die Normativitäten |
