Tante
Form & Grammatik
- Stichwort
- Tante
- Worttrennung
- Tan·te
- Artikel
- die Tante
- Geschlecht
- feminin
- Genitiv
- der Tante
- Plural
- die Tanten
Gebrauch: Schwester oder Schwägerin eines Elternteils; auch kindersprachlich eine erwachsene Frau. Als allgemeine Frauenbezeichnung umgangssprachlich abwertend; besondere Männerbezeichnung salopp, meist abwertend.
Definition · kurz erklärt
Eine Tante ist die Schwester oder Schwägerin der Mutter oder des Vaters. In der Kindersprache kann das Wort auch eine erwachsene Frau außerhalb der Familie nennen. Daneben gibt es abwertende Personenbezeichnungen und die bildliche Verbindung die alte Tante für etwas Altehrwürdiges. Die Mehrzahl lautet Tanten.
Bedeutungen
Eine Verwandte der Elterngeneration
Eine Tante ist die Schwester oder Schwägerin eines Elternteils. Das Wort kann deshalb sowohl eine Abstammungsbeziehung innerhalb der Familie als auch eine angeheiratete Beziehung bezeichnen. In erweiterten Verwandtschaftsbenennungen wird es auch mit Zusätzen für entferntere Beziehungen verwendet.
„Die Schwester meines Vaters ist meine Tante.“
Im Beispiel wird die genaue Beziehung ausdrücklich genannt. Das Wort Tante allein legt nicht fest, ob die Beziehung über die Mutter oder den Vater führt und ob eine Schwester oder Schwägerin gemeint ist.
Eine erwachsene Frau ohne Verwandtschaftsbezug
In der Kindersprache kann Tante eine bekannte oder auch nur in einer Situation angesprochene erwachsene Frau bezeichnen. Erwachsene können diese Benennung gegenüber einem Kind verwenden, das sie dann übernimmt.
„Das Kind erzählt von der Tante, die im Kindergarten eine Geschichte vorgelesen hat.“
Hier ist eine erwachsene Frau im Kindergarten gemeint. Eine verwandtschaftliche Beziehung lässt sich aus dieser kindlichen Benennung nicht ableiten.
Eine Frau abwertend bezeichnen
Umgangssprachlich kann Tante als abwertende Bezeichnung für eine Frau stehen. Zusätze und Tonfall tragen die Bewertung mit, etwa wenn eine Figur von einer blöden Tante spricht.
„Im Streit nennt die Romanfigur die Nachbarin eine alberne Tante.“
Das ist die geringschätzige Wortwahl der Figur. Die Benennung ist keine sachliche Erklärung des Verhaltens der Nachbarin.
Ein salopper, meist abwertender Gebrauch für einen Mann
In einer besonderen saloppen, meist abwertenden Verwendung kann Tante einen homosexuellen Mann mit als feminin beschriebenem Auftreten bezeichnen. Diese Bedeutung unterscheidet sich von der Familien- und Kinderbezeichnung.
„Der Kommentar zum alten Bühnenstück erklärt, dass die Figur mit Tante einen Mann herabsetzt.“
Der Satz ordnet eine Textstelle ein. Diese Verwendung ist kein neutrales Ersatzwort für Mann oder homosexueller Mann. Das grammatische Femininum von Tante bleibt auch hier bestehen.
Synonyme: andere Wörter für Tante
Die genaue Familienbeziehung nennen
Schwester der Mutter · Schwester des Vaters · Schwägerin eines Elternteils
Die Umschreibungen nennen die Beziehung genauer als Tante. Historische Wörter wie Muhme oder Base sind nicht ohne zeitliche und regionale Einordnung mit dem heutigen Familienwort austauschbar.
„Meine Tante kommt zu Besuch.“ → „Die Schwester meiner Mutter kommt zu Besuch.“
Die zweite Fassung ergänzt eine genaue Beziehung. Sie passt nur, wenn die betreffende Tante tatsächlich die Schwester der Mutter ist.
Außerhalb der Familie genauer benennen
Frau · Bekannte · Erzieherin
In kindlicher Rede kann Tante für eine erwachsene Frau stehen. In einer sachlichen Beschreibung sind Frau, Bekannte oder die tatsächliche Berufsbezeichnung häufig genauer.
„Die Tante liest vor.“ → „Die Erzieherin liest vor.“
Der zweite Satz nennt einen Beruf. Diese Präzisierung ist nur richtig, wenn die Frau tatsächlich Erzieherin ist; die Bezeichnung Tante beweist das nicht.
Beispiele und Verwendung
Die Familie genauer beschreiben
„Meine Tante ist mit dem Bruder meiner Mutter verheiratet.“
Das Beispiel beschreibt eine angeheiratete Beziehung. Die Tante muss keine Schwester eines Elternteils sein.
Die Anrede vor einem Namen
„Tante Paula bringt die alten Familienfotos mit.“
Tante steht hier als Familienbezeichnung vor dem Namen. Auch im vertrauten Satz Tante hat angerufen kann das Wort wie ein Eigenname verwendet werden.
Genitiv mit und ohne Artikel
„Der Hund meiner Tante wartet im Garten; Tantes Hund ist ganz ruhig.“
Mit Artikel lautet der Genitiv der Tante, ohne zusätzliche Endung am Nomen. Wird Tante familiär wie ein Eigenname verwendet, ist dagegen Tantes möglich. Das ist vom gewöhnlichen Artikelgebrauch zu unterscheiden.
Grammatik und Beugung
Tante ist ein feminines Substantiv. Die Singularform bleibt in den vier Fällen gleich: die Tante, der Tante, der Tante, die Tante. Die Mehrzahl lautet in allen Fällen Tanten, auch im Dativ den Tanten ohne zusätzliches n. Im familiären Gebrauch wie ein Eigenname kommt der Genitiv Tantes vor. Die männliche Bezeichnung im Familien- und kindersprachlichen Bezug ist Onkel, Genitiv des Onkels, Plural die Onkel, umgangssprachlich auch die Onkels. Das sind Formen eines eigenständigen Substantivs.
| Fall | Singular | Plural |
|---|---|---|
| Nominativ | die Tante | die Tanten |
| Genitiv | der Tante | der Tanten |
| Dativ | der Tante | den Tanten |
| Akkusativ | die Tante | die Tanten |
Familiär wie ein Eigenname: Tante hat angerufen; im Genitiv Tantes Hund. Diese Verwendung steht neben dem gewöhnlichen Genitiv der Tante.
Schreibweise und Worttrennung
Die Worttrennung lautet Tan·te, im Plural Tan·ten. Das Substantiv wird großgeschrieben, auch in Tante Paula. Die männliche Bezeichnung wird On·kel getrennt.
Redewendungen und feste Verbindungen
Die alte Tante
Umgangssprachlich kann die alte Tante mit einem Namen oder einer näheren Bezeichnung auf eine altehrwürdige Institution, Person oder Maschine bezogen werden.
„Der Erzähler nennt die traditionsreiche Lokalzeitung liebevoll die alte Tante des Ortes.“
Der Zusatz liebevoll macht im Beispiel die Haltung deutlich. Die Verbindung kann vertraut oder scherzhaft wirken. Sie ist von einer abwertenden Bezeichnung einer Frau als alte Tante zu unterscheiden; der Zusammenhang entscheidet.
Wortfamilie und verwandte Wörter
Tantchen ist eine Verkleinerungsform. Großtante und Urgroßtante benennen andere Verwandtschaftsbeziehungen. Wörter wie Patentante oder Nenntante müssen aus ihrem jeweiligen Zusammenhang verstanden werden und beweisen nicht allein eine Blutsverwandtschaft. Tanten ist dagegen die gewöhnliche Mehrzahl des Hauptlemmas.
