Übung
Form & Grammatik
- Stichwort
- Übung
- Worttrennung
- Übung
- Artikel
- die
- Geschlecht
- Femininum
- Genitiv
- der Übung
- Plural
- die Übungen
Allgemeines Üben und erworbene Geübtheit: ohne Plural. Zählbare Aufgaben oder Veranstaltungen: Übungen.
Definition · kurz erklärt
Übung kann das wiederholte Lernen selbst, die dadurch erworbene Fertigkeit oder eine konkrete Aufgabe bezeichnen. Auch eine Bewegungsfolge, eine Probe für den Ernstfall und eine Hochschulveranstaltung können so heißen. Manche Bedeutungen werden nur im Singular verwendet.
Bedeutungen
Bedeutung 1: Das wiederholte Lernen selbst
Übung bezeichnet zunächst die Tätigkeit des Übens. Dabei wird etwas wiederholt, damit eine Fertigkeit entsteht oder sicherer wird. In diesem allgemeinen Sinn steht das Wort ohne Plural.
Die genaue Aussprache erfordert Zeit und regelmäßige Übung.
Gemeint ist der Lernvorgang, nicht eine zählbare einzelne Aufgabe.
Bedeutung 2: Erworbene Fertigkeit und Erfahrung
Wer Übung in etwas hat, besitzt darin durch Wiederholung gewonnene Sicherheit. Auch dieser allgemeine Gebrauch steht ohne Plural. Eine lange Pause kann dazu führen, dass die Sicherheit nachlässt.
Nach vielen Auftritten hatte sie große Übung im freien Sprechen.
Die Übung ist hier eine erworbene Fähigkeit. Der Satz zählt keine Kursveranstaltungen auf.
Bedeutung 3: Eine Aufgabe oder ein Übungsstück
Eine konkrete Übung ist Material oder eine Aufgabe zum Einüben. In der Musik kann ein dafür bestimmtes Stück gemeint sein. Solche Einheiten sind zählbar und können Übungen heißen.
Das Heft enthält drei Übungen zum Unterschied zwischen Haupt- und Nebensatz.
Drei bezieht sich auf abgegrenzte Aufgaben, nicht auf drei allgemeine Fähigkeiten.
Bedeutung 4: Eine Folge von Bewegungen
Besonders im Sport kann eine Übung eine bestimmte Bewegungsfolge bezeichnen. Sie kann zum Training dienen oder als zusammenhängende Ausführung gezeigt werden.
Die Turnerin beendete ihre Übung und verließ die Matte.
Die Übung ist die gezeigte Bewegungsfolge. Eine genaue sportliche Bewertung wird noch nicht genannt.
Bedeutung 5: Eine Probe für einen möglichen Ernstfall
Eine Übung kann eine organisierte Unternehmung sein, mit der Abläufe für einen möglichen späteren Einsatz erprobt werden. Ein wirklicher Notfall wird dadurch nicht vorausgesetzt.
Die Feuerwehr führte am leer stehenden Gebäude eine Übung durch.
Der Satz beschreibt eine Probe. Es darf beim Zusammenfassen kein tatsächlicher Brand daraus werden.
Bedeutung 6: Eine Hochschulveranstaltung
An einer Hochschule bezeichnet Übung eine Lehrveranstaltung, in der Studierende vor allem die Anwendung von Kenntnissen üben. Der genaue Aufbau hängt vom Fach und der Veranstaltung ab.
Zur Vorlesung besucht sie eine Übung, in der Textstellen gemeinsam übersetzt werden.
Übung nennt hier das Veranstaltungsformat und nicht nur eine einzelne Aufgabe darin.
Bedeutung 7: Geistliche Betrachtung oder Meditation
In der katholischen Religion können geistliche Übungen Betrachtungen oder Meditationen als Teil von Exerzitien bezeichnen. Der religiöse Rahmen grenzt diese Verwendung von einer Sportübung ab.
Der Bericht über das Kloster erwähnt die täglichen geistlichen Übungen.
Der Zusatz geistlich macht den religiösen Bezug deutlich. Eine bestimmte Bewegungsfolge ist nicht gemeint.
Bedeutung 8: Ein Brauch oder eine regelmäßige Handhabung
Landschaftlich, besonders im süddeutschen, österreichischen und schweizerischen Gebrauch, kann Übung eine Gewohnheit oder einen Brauch meinen. Besonders rechtssprachlich bezeichnet es auch eine übliche Handhabung.
Nach alter Übung wird das erste Exemplar im Gemeindearchiv aufbewahrt.
Gemeint ist eine eingeführte Vorgehensweise. Aus ihrer Gewohnheitsmäßigkeit folgt noch keine ausdrücklich genannte Vorschrift.
Bedeutung 9: Besonders schweizerisch: ein Unterfangen
Besonders in der Schweiz kann Übung auch ein Unternehmen oder Unterfangen bezeichnen. Dann geht es um die gesamte geplante Angelegenheit, nicht notwendig um ein Training.
Im schweizerischen Bericht war die ganze Übung kostspieliger geworden als geplant.
Kosten und Planung beziehen sich hier auf das Unterfangen. Der genaue Gegenstand muss aus dem Bericht hervorgehen.
Synonyme: andere Wörter für Übung
Beim Können und Lernen
Geübtheit · Erfahrung · Training
Geübtheit passt zum erworbenen Können, Training zum Vorgang. Erfahrung ist weiter und kann auch aus anderen Erlebnissen stammen. Eine Übung als einzelne Aufgabe ist davon zu unterscheiden.
„Ihr fehlt Übung“ bedeutet etwas anderes als „In ihrem Heft fehlt eine Übung“.
Bei einer Aufgabe oder Gewohnheit
Übungsaufgabe · Probe · Praxis
Übungsaufgabe passt zur einzelnen Lerneinheit, Probe zum simulierten Einsatz. Praxis passt im Zusammenhang mit einer gewohnten Handhabung, bezeichnet aber auch ganz andere Dinge.
„Das ist hier übliche Praxis“ kann eine regelmäßige Handhabung erklären, keine Turnbewegung.
Beispiele und Verwendung
Die Zahl beachten
Die zwei Übungen gelingen ihr nun besser, weil sie mehr Übung hat.
Zwei Übungen sind zählbare Aufgaben. Mehr Übung bezeichnet dagegen die allgemeine Geübtheit.
Eine Aufgabe genauer benennen
Die Übung verlangt, drei unklare Pronomenbezüge zu verbessern.
Die konkrete Lernhandlung ist klarer als das allgemeine Wort Übung allein.
Grammatik und Beugung
Es heißt die Übung, Genitiv der Übung, Plural die Übungen. Das Wort wird nicht getrennt: Ein einzelner Anfangsvokal wird nicht abgeteilt.
Die Mehrzahl Übungen passt zu einzelnen Aufgaben, Stücken, Bewegungsfolgen oder Veranstaltungen. Für das allgemeine Üben und die allgemeine Geübtheit steht kein Plural.
Im Dativ Plural lautet die vollständige Form den Übungen. Die Wortform Übungen erhält dabei kein weiteres n, weil sie bereits auf n endet.
| Fall | Singular | Plural |
|---|---|---|
| Nominativ | die Übung | die Übungen |
| Genitiv | der Übung | der Übungen |
| Dativ | der Übung | den Übungen |
| Akkusativ | die Übung | die Übungen |
Redewendungen und feste Verbindungen
Aus der Übung kommen
Die Verbindung bedeutet, dass eine zuvor geübte Fertigkeit durch fehlende Praxis unsicherer wird. Sie sagt nicht, dass man eine Kursveranstaltung verlässt.
Nach der langen Pause war er beim Klavierspielen etwas aus der Übung gekommen.
Etwas begrenzt die Aussage. Die Wendung legt nicht fest, wie lange die Pause dauern muss.
Übung macht den Meister
Das Sprichwort betont den Wert des wiederholten Übens für gutes Können. Es ist eine zugespitzte Ermunterung.
Als der erste Versuch misslang, sagte die Trainerin freundlich: Übung macht den Meister.
Das Sprichwort ersetzt keine Rückmeldung dazu, was beim nächsten Versuch verbessert werden kann.
