Wolle
Form & Grammatik
- Stichwort
- Wolle
- Worttrennung
- Wol·le
- Artikel
- die
- Geschlecht
- Femininum
- Genitiv
- der Wolle
- Plural
- die Wollen (Fachsprache); Gewebe und Unterfell ohne Plural
Gebrauch: Gewöhnlich als Materialwort im Singular. Wollen ist ein fachsprachlicher Plural; diese Angabe gilt nicht pauschal für jede Bedeutung.
Definition · kurz erklärt
Wolle ist ein Material aus Tierhaaren, besonders aus Schafhaaren. Auch das daraus gesponnene Garn und ein daraus hergestellter Stoff können so heißen. In der Jägersprache hat das Wort weitere Bedeutungen. Es heißt die Wolle und der Wolle; Wollen ist ein fachsprachlicher Plural.
Bedeutungen
Tierische Fasern als Material
Wolle wird aus dem Haar von Tieren gewonnen, besonders von Schafen. Sie kann zu Garn verarbeitet werden. Das Wort benennt hier das Ausgangsmaterial und noch keinen fertigen Faden oder Stoff.
„Nach der Schur wird die Wolle für die weitere Verarbeitung gesammelt.“
Die Wolle ist hier das gewonnene Material. Aus dem Satz folgt weder eine bestimmte Qualität noch eine fertige textile Verwendung.
Das gesponnene Garn
Ein aus diesen Fasern gesponnenes Garn heißt ebenfalls Wolle. In diesem Sinn spricht man etwa von einem Knäuel Wolle zum Stricken.
„Für den Schal sucht Mira blaue Wolle aus.“
Im Handarbeitszusammenhang ist das Garn gemeint. Die Farbangabe sagt noch nichts über seine Stärke oder genaue Zusammensetzung aus.
Stoff aus Wollgarn
Wolle kann auch den daraus hergestellten Stoff bezeichnen. In dieser Gewebebedeutung hat das Wort keinen Plural.
„Der Mantel besteht aus reiner Wolle.“
Hier wird das Material des fertigen Kleidungsstücks beschrieben. Der Satz nennt keinen losen Wollvorrat und keine Zahl von Garnknäueln.
Haarkleid und Unterfell
In der Jägersprache heißt das Haarkleid etwa von Hasen, Kaninchen sowie Schwarz- und Haarraubwild Wolle. Daneben kann Wolle die feine, dichte innere Fellschicht eines Tieres bezeichnen; in dieser Bedeutung steht das Wort ohne Plural.
„Die Fellbeschreibung unterscheidet die feine Wolle von den darüberliegenden Haaren.“
Das Beispiel meint die innere Fellschicht. Es behauptet nicht, dass jedes Tier ein solches Unterfell hat oder dass sein gesamtes Fell so bezeichnet werden muss.
Der Flaum junger Wasservögel
In der Jägersprache kann Wolle außerdem den Flaum junger Wasservögel meinen. Dieser Gebrauch gehört zur Beschreibung der Tiere.
„Im jagdsprachlichen Text wird der Flaum der jungen Wasservögel Wolle genannt.“
Hier ist weder Schafwolle noch Strickgarn gemeint. Der ausdrücklich genannte Sprachgebrauch hilft, die besondere Bezeichnung einzuordnen.
Synonyme: andere Wörter für Wolle
Beim Handarbeiten: Wollgarn oder Faden
Wollgarn · Faden
Wollgarn macht die Garnbedeutung ausdrücklich. Faden ist allgemeiner und legt das Fasermaterial nicht fest.
„Sie zieht die Wolle durch die Schlinge.“ → „Sie zieht den Faden durch die Schlinge.“
Im konkreten Handarbeitsvorgang kann derselbe Faden gemeint sein. Die zweite Fassung lässt die Materialangabe weg.
Beim fertigen Stoff: Wollstoff oder Wollgewebe
Wollstoff · Wollgewebe
Diese Wörter verdeutlichen, dass ein fertiger Stoff gemeint ist. Sie passen nicht ohne Weiteres zum rohen Material nach der Schur.
„Die Beschreibung nennt Wolle als Stoff.“ → „Die Beschreibung nennt ein Wollgewebe.“
Die zweite Fassung grenzt die Bedeutung ein. Sie nennt weiterhin keine bestimmte Farbe oder Oberflächenbeschaffenheit.
Beim Tier: Unterwolle, Haarkleid oder Flaum
Unterwolle · Haarkleid · Flaum
Die Wörter passen zu verschiedenen tierkundlichen Zusammenhängen. Unterwolle meint die innere Fellschicht, Haarkleid die Behaarung; Flaum passt zur genannten Vogelbedeutung.
„Der Text beschreibt die Wolle unter den längeren Haaren.“ → „Der Text beschreibt die Unterwolle.“
Diese Umschreibung passt zur inneren Fellschicht. Sie wäre als Ersatz für Strickgarn irreführend.
Beispiele und Verwendung
Material und Menge
„Im Korb liegen drei Knäuel Wolle.“
Drei zählt die Knäuel. Das Materialwort bleibt im Singular; mehrere Knäuel verlangen nicht automatisch den Plural Wollen.
Der fachsprachliche Plural
„Die Fachbeschreibung vergleicht die Eigenschaften verschiedener Wollen.“
Wollen ist hier der fachsprachliche Plural. Im Genitiv steht verschiedener Wollen; im Dativ etwa mit verschiedenen Wollen.
Nomen und ähnlich geschriebene Wörter
„Auf dem Zettel steht: Sie wolle noch Wolle kaufen.“
Das erste wolle ist eine Form des Verbs wollen. Das großgeschriebene Wolle bezeichnet das Material. Auch das Materialadjektiv in ein wollener Schal ist von dem Nomen zu unterscheiden.
Grammatik und Beugung
Wolle ist ein weibliches Substantiv. Alle vier Singularformen behalten die Schreibung Wolle; nur die Artikel ändern sich. Der fachsprachliche Plural lautet Wollen. In der Bedeutung Gewebe und bei der feinen inneren Fellschicht wird kein Plural verwendet. Die Tabelle trennt deshalb die allgemein verwendbaren Singularformen vom fachsprachlichen Plural.
| Fall | Singular | Plural: Fachsprache |
|---|---|---|
| Nominativ | die Wolle | die Wollen |
| Genitiv | der Wolle | der Wollen |
| Dativ | der Wolle | den Wollen |
| Akkusativ | die Wolle | die Wollen |
Schreibweise und Worttrennung
Die Worttrennung lautet Wol·le, im fachsprachlichen Plural Wol·len. Das Nomen wird großgeschrieben. Beim Dativ Plural den Wollen kommt kein weiteres n hinzu.
Redewendungen und feste Verbindungen
Sich in die Wolle kriegen
Miteinander Streit anfangen.
„Beim Verteilen der Aufgaben kriegen sich die beiden in die Wolle.“
Die Verbindung ist umgangssprachlich. Sie beschreibt den Beginn des Streits, keine wirkliche Arbeit mit Wollfasern.
Sich in der Wolle haben oder liegen
Sich heftig miteinander streiten.
„Die Nachbarn liegen sich wegen des Lärms in der Wolle.“
Die umgangssprachliche Wendung bezeichnet den Streit selbst. Aus ihr folgt nicht, wie lange der Konflikt schon besteht.
In der Wolle gefärbt sein
Etwas besonders ausgeprägt verkörpern oder ein überzeugter Vertreter davon sein.
„Der Roman stellt ihn als einen in der Wolle gefärbten Traditionalisten vor.“
Die Wendung ist umgangssprachlich. Sie charakterisiert die Haltung der Figur, nicht die Farbe ihrer Kleidung.
Warm in der Wolle sitzen
In wirtschaftlich gesicherten Verhältnissen leben.
„Nach der Erbschaft sitzt die Romanfigur warm in der Wolle.“
Die Wendung ist umgangssprachlich und veraltend. Der Satz beschreibt die erfundene Figur; die Wendung nennt selbst keine bestimmte Geldsumme.
In die Wolle kommen oder geraten
Wütend werden.
„Über die erneute Täuschung gerät die Figur in die Wolle.“
Diese umgangssprachliche Verbindung bezeichnet das Wütendwerden. Sie muss keinen gegenseitigen Streit beschreiben.
Jemanden in die Wolle bringen
Jemanden ärgern oder so reizen, dass die Person wütend wird.
„Die absichtlichen Sticheleien bringen ihn in die Wolle.“
Die umgangssprachliche Wendung nennt die Wirkung auf eine Person. Sie ist keine Aufforderung, jemanden zu provozieren.
Wortfamilie und verwandte Wörter
Wörter wie Wollgarn, Wollstoff und Wollknäuel benennen verschiedene Verarbeitungsstufen oder Gegenstände. Das Adjektiv schurwollen verweist auf eine speziellere Materialangabe. Die Zusammensetzungen sind keine Kasusformen des Nomens Wolle.
