abschießen
Form & Grammatik
Verb- Stichwort
- abschießen
- Worttrennung
- ab·schie·ßen
- Präsens
- ich schieße ab · du schießt ab · sie schießt ab
- Präteritum
- sie schoss ab
- Partizip II
- abgeschossen
- Hilfsverb
- haben / sein – je nach Verwendung
Abschießen ist stark und trennbar. In den beschriebenen transitiven Verwendungen bildet es das Perfekt mit haben. Regional, besonders süddeutsch, kann das Wort auch das Verblassen von Farbe bezeichnen. Bei dieser anderen Lesart steht sein: Der Stoff ist abgeschossen.
Abschießen bedeutet, ein Geschoss in Bewegung zu setzen oder ein Ziel durch einen Schuss zu treffen und auszuschalten. Übertragen kann es heißen, jemanden aus einer Stellung zu verdrängen. Daneben gibt es regionale und fachliche Sonderverwendungen.
Abschießen: Was bezeichnet das Objekt?
In einen Pfeil abschießen ist der Pfeil der Gegenstand, der losgeschickt wird. Bei ein Fluggerät abschießen ist das Objekt dagegen das Ziel des Schusses. Diese Rollen darf man nicht verwechseln: Einmal wird etwas in Bewegung gesetzt, einmal wird etwas getroffen und außer Gefecht gesetzt oder zum Absturz gebracht.
Auch bei einer Rakete entscheidet der Zusammenhang. Sie kann gestartet werden, aber als fliegendes Ziel ebenfalls abgeschossen werden. Ein genauer Satz nennt deshalb die Handlung oder den Ablauf näher. Die Wortform allein verrät nicht, welche der beiden Rollen die Rakete hat.
Bei Tieren kann abschießen das Töten durch einen Schuss bezeichnen. Bei anderen Zielen geht es um Beschädigung, Zerstörung oder Ausschaltung. Das Verb sollte in einem Bericht nicht pauschal durch erschießen ersetzt werden: Dieses Wort bezeichnet bei Lebewesen eine Tötung und passt beispielsweise nicht als bloße Beschreibung eines Raketenstarts.
Umgangssprachlich kann jemand einen Amtsinhaber oder eine Führungsperson abschießen. Gemeint ist dann, ihren Sturz oder ihre Entfernung aus der Position herbeizuführen. Die Formulierung ist kämpferisch und wertend. Sie berichtet nicht von körperlicher Gewalt, solange der Zusammenhang eindeutig auf das Amt oder die Stellung bezogen ist.
In der Wendung den Vogel abschießen steht jemand besonders auffällig über den anderen. Das kann bewundernd einen herausragenden Erfolg meinen, aber auch ironisch einen besonders peinlichen Auftritt. Die Wertung hängt vom Anlass ab. Aus dem Wortlaut lässt sich hier keine tatsächliche Jagdszene ableiten.
Synonyme und ihre Grenzen
| Alternative | Passender Zusammenhang | Unterschied |
|---|---|---|
| abfeuern | Ein Geschoss wird losgeschickt. | Betont die Schussabgabe; sagt noch nichts über einen Treffer. |
| starten | Eine Rakete beginnt ihren Flug. | Ist neutraler und vermeidet die Verwechslung mit dem Beschuss eines fliegenden Ziels. |
| herunterschießen | Ein fliegendes Ziel wird getroffen. | Hebt die Bewegung nach unten beziehungsweise den Absturz hervor. |
| aus dem Amt drängen | Eine Person verliert durch das Handeln anderer ihre Stellung. | Erklärt die übertragene Bedeutung ohne das Schussbild. |
Zwei eigene Satzpaare mit Erklärung
Ein Geschoss in Bewegung setzen
Ausgangssatz: „In der erfundenen Filmszene wird ein Signalgeschoss abgeschossen.“
Alternative: „In der erfundenen Filmszene wird ein Signalgeschoss abgefeuert.“
Das Geschoss ist in beiden Fassungen das bewegte Objekt, nicht das getroffene Ziel. Die Sätze beschreiben einen Vorgang, enthalten aber keine Anleitung zu dessen Durchführung. Ein späterer Treffer wird ebenfalls nicht behauptet.
Eine Person politisch ausschalten
Ausgangssatz: „Der Kommentator behauptet, die Gruppe wolle ihren Vorsitzenden abschießen.“
Alternative: „Der Kommentator behauptet, die Gruppe wolle ihren Vorsitzenden aus dem Amt drängen.“
Die zweite Fassung erklärt die im Beispiel gemeinte Absicht und vermeidet eine gewaltbetonte Metapher. Die Einleitung behauptet bleibt erhalten: Es handelt sich um die Darstellung des Kommentators, nicht um eine unabhängig bewiesene Absicht.
Konjugation und regionale Besonderheit
Abschießen ist stark und trennbar. In den beschriebenen transitiven Verwendungen bildet es das Perfekt mit haben. Regional, besonders süddeutsch, kann das Wort auch das Verblassen von Farbe bezeichnen. Bei dieser anderen Lesart steht sein: Der Stoff ist abgeschossen.
Abschießen ist stark und trennbar. In den beschriebenen transitiven Verwendungen bildet es das Perfekt mit haben. Regional, besonders süddeutsch, kann das Wort auch das Verblassen von Farbe bezeichnen. Bei dieser anderen Lesart steht sein: Der Stoff ist abgeschossen.
Konjugation von abschießenPräsens, Präteritum und Konjunktiv
| Person | Präsens | Präteritum | Konjunktiv I | Konjunktiv II |
|---|---|---|---|---|
| ich | schieße ab | schoss ab | schieße ab | schösse ab |
| du | schießt ab | schossest ab / schosst ab | schießest ab | schössest ab |
| er/sie/es | schießt ab | schoss ab | schieße ab | schösse ab |
| wir | schießen ab | schossen ab | schießen ab | schössen ab |
| ihr | schießt ab | schosst ab | schießet ab | schösset ab |
| sie/Sie | schießen ab | schossen ab | schießen ab | schössen ab |
| Form oder Verwendung | Beispiel |
|---|---|
| Präsens | ich schieße ab · du schießt ab · sie schießt ab |
| Präteritum | sie schoss ab |
| Perfekt mit Objekt | sie hat etwas abgeschossen |
| Regional: verblassen | der Stoff ist abgeschossen |
| Infinitiv mit zu | abzuschießen |
Abschießen und abgeschossen
Nach dem langen i-Laut steht im Infinitiv ß: abschießen. Im Präteritum und Partizip folgt auf das kurze o ein ss: schoss ab, abgeschossen. In der Schweiz ist abschiessen die übliche Schreibung. Ein Personenbezug braucht besonders klaren Kontext, damit bildhafte und wörtliche Bedeutung unterscheidbar bleiben.
