aneignen
Form & Grammatik
Verb- Stichwort
- aneignen
- Worttrennung
- an·eig·nen
- Präsens
- eignet sich an
- Präteritum
- eignete sich an
- Partizip II
- angeeignet
- Hilfsverb
- haben
- Reflexiver Gebrauch
- sich aneignen
- Gebrauch
- Die Tabelle zeigt die vollständige reflexive Konstruktion.
- Ergänzungen
- Reflexivpronomen im Dativ; angeeignete Sache im Akkusativ
Sich etwas aneignen heißt, etwas in den eigenen Besitz oder in das eigene Können zu übernehmen. Man kann sich Kenntnisse durch Lernen aneignen; bei einer fremden Sache kann das Verb dagegen eine unberechtigte Besitznahme ausdrücken. Der Gegenstand entscheidet über die Lesart.
Wissen erwerben oder etwas an sich nehmen
Wer sich eine Fertigkeit aneignet, lernt sie so, dass er sie selbst anwenden kann. Gemeint ist mehr als das einmalige Hören einer Erklärung. Wie gründlich jemand die Fertigkeit beherrscht, bleibt dennoch offen: „Grundkenntnisse angeeignet“ behauptet keine vollständige Ausbildung.
Bei einer Sache oder einer fremden Leistung geht es um Übernahme. „Er eignete sich das liegen gebliebene Werkzeug an“ legt nahe, dass er es als seines behandelte, obwohl es ihm nicht gehörte. Bei Gedanken oder Erfolgen kann entsprechend die unberechtigte Zuschreibung im Vordergrund stehen. Nicht jede Aneignung ist Lernen, und nicht jedes Lernen ist unrechtmäßiges Übernehmen.
Ein Vorwurf sollte deshalb genau benennen, was geschehen ist. Das sprachliche Wort aneignen entscheidet für sich allein weder über Eigentumsrechte noch über einen Straftatbestand. In einer Erzählung kann es die Sicht einer Figur wiedergeben; in einer sachlichen Darstellung braucht diese Wertung nachvollziehbare Angaben.
Passende Synonyme und ihre Grenzen
| Alternative | Passender Gebrauch | Bedeutungsunterschied |
|---|---|---|
| erlernen | Eine Fertigkeit erwerben | Hebt den Lernprozess hervor, nicht die Übernahme einer fremden Sache. |
| sich erarbeiten | Wissen oder Fähigkeiten durch eigene Anstrengung gewinnen | Betont den Aufwand; aneignen lässt den Weg zunächst offen. |
| an sich nehmen | Einen Gegenstand übernehmen | Beschreibt zunächst die Handlung; die dauerhafte Besitzabsicht und Berechtigung müssen geklärt werden. |
| für sich beanspruchen | Etwas als eigenes Recht oder eigenen Verdienst darstellen | Passt zu Leistungen oder Ansprüchen, nicht einfach zu jeder Lernhandlung. |
Die folgenden Sätze sind eigene Sprachbeispiele.
Beispielpaar 1: Eine Fertigkeit lernen
Ausgangssatz: Mina eignet sich die Grundlagen des Buchbindens an.
Alternative: Mina erlernt die Grundlagen des Buchbindens.
Beide Sätze beschreiben einen Lernprozess. „Mina hört etwas über das Buchbinden“ wäre schwächer, weil daraus noch kein eigenes Können folgt. Die Grundlagen sind zugleich weniger als eine vollständige Berufsausbildung.
Beispielpaar 2: Ein fremder Beitrag
Ausgangssatz: In der erfundenen Geschichte eignet sich der Leiter den Erfolg der Gruppe an.
Alternative: In der erfundenen Geschichte beansprucht der Leiter den Erfolg der Gruppe für sich.
Die Alternative verdeutlicht die Zuschreibung des Erfolgs. „Er lernt aus dem Erfolg“ würde den Vorwurf gerade beseitigen und eine andere Handlung beschreiben.
Sich steht hier im Dativ
Aneignen ist in diesen Verwendungen ein regelmäßiges, trennbares reflexives Verb. Das Reflexivpronomen steht im Dativ, der angeeignete Gegenstand im Akkusativ: Ich eigne mir einen Ablauf an. An mir und dir ist der Dativ sichtbar; sich allein zeigt den Unterschied nicht.
Konjugation von aneignen
| Person | Präsens | Präteritum | Konjunktiv I | Konjunktiv II |
|---|---|---|---|---|
| ich | eigne mir an | eignete mir an | eigne mir an | eignete mir an |
| du | eignest dir an | eignetest dir an | eignest dir an | eignetest dir an |
| er/sie/es | eignet sich an | eignete sich an | eigne sich an | eignete sich an |
| wir | eignen uns an | eigneten uns an | eignen uns an | eigneten uns an |
| ihr | eignet euch an | eignetet euch an | eignet euch an | eignetet euch an |
| sie/Sie | eignen sich an | eigneten sich an | eignen sich an | eigneten sich an |
Das Perfekt lautet hat sich angeeignet. Mit der ersten Person heißt es „Ich habe mir den Ablauf angeeignet“. Der Infinitiv mit zu lautet sich etwas anzueignen. Die zusätzliche Silbe e in eignete gehört zur regulären Form und wird nicht ausgelassen.
Aneignen ist nicht sich eignen
Im Infinitiv schreibt man aneignen zusammen. Im Hauptsatz wird an abgetrennt: „Sie eignet sich die Technik an.“ Dagegen bedeutet „Die Technik eignet sich für Anfänger“, dass sie passend oder geeignet ist. Dort gehört das Verb sich eignen zum Satz; niemand erwirbt eine Fähigkeit. „Ich eigne mich dafür“ hat entsprechend mich, während es beim Lernen „Ich eigne mir etwas an“ heißt.
Den Lernweg sichtbar machen
In einer Bewerbung ist eine konkrete Ergänzung hilfreicher als „Ich eigne mir vieles an“. Nenne etwa die erlernte Fertigkeit, den Weg und eine Anwendung. Eine wissbegierige Haltung kann den Lernprozess anstoßen, beweist aber noch nicht, dass das Wissen schon erworben wurde. In einer Charakterisierung sollten Interesse, Übung und tatsächlich gezeigtes Können deshalb getrennt belegt werden.
Weitere Formen findest du im Wörterbuch der Verben.
