ausnutzen
Form & Grammatik
Verb- Stichwort
- ausnutzen
- Worttrennung
- aus·nut·zen
- Präsens
- nutzt aus
- Präteritum
- nutzte aus
- Partizip II
- ausgenutzt
- Hilfsverb
- haben
Ausnutzen ist ein regelmäßiges, trennbares Verb. Das Perfekt wird mit haben gebildet. Die genutzte Sache oder betroffene Person steht im Akkusativ.
Ausnutzen bedeutet, eine Möglichkeit möglichst vollständig zu nutzen. Auf Menschen oder ihre Lage bezogen kann es dagegen heißen, sich rücksichtslos einen Vorteil auf ihre Kosten zu verschaffen. Der Gegenstand und der Zusammenhang bestimmen die Wertung.
Sinnvoll nutzen oder unfair behandeln?
„Den vorhandenen Platz gut ausnutzen“ kann eine sinnvolle Raumnutzung loben. Gemeint ist, dass die Möglichkeiten des Raumes nicht ungenutzt bleiben. Auch Zeit, ein günstiger Moment oder vorhandene Mittel können in dieser weitgehend neutralen Bedeutung ausgenutzt werden.
Anders klingt „die Hilfsbereitschaft eines Menschen ausnutzen“. Hier wird die Bereitschaft einer anderen Person zum eigenen Vorteil verwendet, ohne angemessene Rücksicht auf sie zu nehmen. Das Verb beschreibt dann ein ungleiches Verhältnis. Es bedeutet mehr als lediglich Hilfe anzunehmen.
Zwischen den Lesarten entscheidet nicht nur das Objekt. Auch „eine Situation ausnutzen“ kann kritisch gemeint sein, wenn jemand eine Notlage oder die Unwissenheit anderer für sich verwendet. Zusätze wie geschickt, vollständig, schamlos lenken die Bewertung, ersetzen aber keine Beschreibung dessen, was tatsächlich geschieht.
Die Form ausnutzbar bezeichnet hingegen eine Möglichkeit. Eine ausnutzbare Gelegenheit wurde noch nicht zwingend genutzt. Bei Menschen sollte das Adjektiv nicht dazu dienen, ihnen die Verantwortung für das rücksichtslose Verhalten anderer zuzuschieben.
Synonyme: Welches Wort passt?
| Alternative | Geeigneter Zusammenhang | Unterschied |
|---|---|---|
| nutzen | eine günstige Gelegenheit ausnutzen | Neutraler; der Gedanke des möglichst vollen Gebrauchs kann schwächer werden. |
| ausschöpfen | verfügbare Möglichkeiten ausnutzen | Betont das möglichst vollständige Nutzen eines Spielraums. |
| Gebrauch machen von | eine vorhandene Möglichkeit ausnutzen | Sachliche Umschreibung; verlangt einen anderen Satzanschluss. |
| ausbeuten | eine andere Person rücksichtslos ausnutzen | Stärker und oft auf dauerhafte oder besonders schwere Benachteiligung bezogen. |
Eigene Beispiele: eine begrenzte Zeit
Ausgangssatz: Die Gruppe nutzte die freie halbe Stunde für eine gemeinsame Probe aus.
Alternative: Die Gruppe nutzte die freie halbe Stunde für eine gemeinsame Probe.
Beide eigenen Sätze beschreiben eine zweckmäßige Verwendung der Zeit. Ausnutzen kann stärker betonen, dass die ganze Gelegenheit genutzt wurde. Die negative Menschenlesart ist hier nicht gemeint.
Eigene Beispiele: eine Grenze überschreiten
Ausgangssatz: Mara nutzte Leas Hilfsbereitschaft aus und überließ ihr wiederholt die eigene Arbeit.
Alternative: Mara verschaffte sich auf Kosten von Leas Hilfsbereitschaft einen Vorteil und überließ ihr wiederholt die eigene Arbeit.
Die zweite Fassung entfaltet die kritische Bedeutung. Entscheidend ist nicht, dass Lea überhaupt hilft, sondern die einseitige Verlagerung von Aufgaben. Die Beschreibung nennt Maras Handeln und macht Leas Hilfsbereitschaft nicht zum Fehler.
Nutzt aus, nutzte aus, hat ausgenutzt
Ausnutzen ist ein regelmäßiges, trennbares Verb. Das Perfekt wird mit haben gebildet. Die genutzte Sache oder betroffene Person steht im Akkusativ.
Konjugation von ausnutzen
Ausnutzen ist ein regelmäßiges, trennbares Verb. Das Perfekt wird mit haben gebildet. Die genutzte Sache oder betroffene Person steht im Akkusativ.
| Person | Präsens | Präteritum | Konjunktiv I | Konjunktiv II |
|---|---|---|---|---|
| ich | nutze aus | nutzte aus | nutze aus | nutzte aus |
| du | nutzt aus | nutztest aus | nutzest aus | nutztest aus |
| er/sie/es | nutzt aus | nutzte aus | nutze aus | nutzte aus |
| wir | nutzen aus | nutzten aus | nutzen aus | nutzten aus |
| ihr | nutzt aus | nutztet aus | nutzet aus | nutztet aus |
| sie/Sie | nutzen aus | nutzten aus | nutzen aus | nutzten aus |
Die zweite Person heißt du nutzt aus, nicht „du nutzst aus“. Im Nebensatz steht das Verb zusammen: weil sie die Gelegenheit ausnutzt. Mit zu lautet es auszunutzen. Das Partizip ist ausgenutzt.
Ausnutzen und ausnützen
Neben ausnutzen gibt es die Variante ausnützen. Beide Schreibungen sind möglich. Bei der Variante mit Umlaut lauten die Formen entsprechend nützt aus, nützte aus, hat ausgenützt. Innerhalb eines Textes wirkt eine einheitliche Wahl ruhiger.
Das Verhalten konkret beschreiben
In einer Charakterisierung ist „Die Figur nutzt andere aus“ eine starke Wertung. Erkläre deshalb, wer einen Vorteil erhält und wessen Wünsche oder Grenzen übergangen werden. Eine freiwillig und gegenseitig vereinbarte Hilfe ist nicht schon Ausnutzung. Mehrere passende Beobachtungen stützen eine allgemeine Charakterdeutung besser als ein einzelner Gefallen.
Weitere Verben zum Beschreiben von Handlungen stehen im Verbenwörterbuch.
