befinden
Befinden bedeutet reflexiv meist, an einem Ort oder in einer bestimmten Lage zu sein. Ohne sich kann befinden heißen, etwas zu beurteilen oder darüber zu entscheiden. Die Formen lauten befindet, befand und hat befunden.
An einem Ort sein oder ein Urteil bilden
Befinden begegnet häufig reflexiv: sich befinden bedeutet, an einem Ort oder in einer bestimmten Lage zu sein. „Der Schlüssel befindet sich in der Schublade“ beschreibt einen Ort. „Das Vorhaben befindet sich in Vorbereitung“ nennt dagegen einen Zustand.
Ohne sich kann befinden eine Bewertung ausdrücken. Wer einen Entwurf für gelungen befindet, hält ihn für gelungen. Die Aussage gibt dann ein Urteil wieder und nicht den Aufenthaltsort des Entwurfs.
Über etwas befinden heißt, darüber zu entscheiden oder zu urteilen. Diese Formulierung klingt häufig amtlich. Sie muss nicht bedeuten, dass die Entscheidung bereits getroffen wurde: „Der Ausschuss wird darüber befinden“ nennt zunächst eine künftige Zuständigkeit.
Gehoben kann sich befinden auch das persönliche Befinden meinen, etwa wie sich jemand fühlt. Im heutigen Alltag ist „Wie geht es dir?“ meist natürlicher als eine Formulierung mit befinden. Der jeweilige Sprachstil gehört daher zur passenden Wortwahl.
Synonyme: Welches Wort passt?
| Alternative | Geeigneter Zusammenhang | Unterschied |
|---|---|---|
| sein | sich an einem Ort befinden | Meist einfacher und ohne Bedeutungsverlust. |
| sich aufhalten | eine Person befindet sich an einem Ort | Passt zu Personen, aber nicht gleich gut zu einem Schlüssel in einer Schublade. |
| für etwas halten | etwas für gut befinden | Bewertungslesart; der Inhalt des Urteils bleibt bestehen. |
| entscheiden über | über einen Antrag befinden | Betont die Entscheidung und ihren Gegenstand. |
Eigene Beispiele: eine Ortsangabe vereinfachen
Ausgangssatz: Der Besprechungsraum befindet sich im zweiten Stock.
Alternative: Der Besprechungsraum ist im zweiten Stock.
Die eigenen Sätze nennen denselben Ort. Die kürzere Fassung ist oft leichter lesbar. „Der Raum hält sich dort auf“ wäre dagegen unpassend, weil ein Raum keine Person mit einem Aufenthalt ist.
Eigene Beispiele: ein Urteil zuordnen
Ausgangssatz: Die Gruppe befand den Vorschlag für praktikabel.
Alternative: Die Gruppe hielt den Vorschlag für praktikabel.
Beide Fassungen ordnen die Einschätzung der Gruppe zu. „Der Vorschlag ist praktikabel“ würde diese Zuordnung weglassen und die Bewertung unmittelbar als eigene Aussage formulieren.
Befindet, befand, hat befunden
Befinden ist ein starkes, nicht trennbares Verb. Auch die reflexive Ortsverwendung bildet das Perfekt mit haben: Der Schlüssel hat sich dort befunden.
| Person | Präsens | Präteritum |
|---|---|---|
| ich | befinde | befand |
| du | befindest | befandest |
| er / sie / es | befindet | befand |
| wir | befinden | befanden |
| ihr | befindet | befandet |
| sie / Sie | befinden | befanden |
Reflexiv lauten die Formen mich, dich, sich, uns, euch, sich. Die Bewertung steht etwa im Muster etwas für geeignet befinden. Bei über einen Vorschlag befinden verlangt über den Akkusativ. Der Infinitiv mit zu heißt sich zu befinden.
Befunden ohne ge-
Das Partizip lautet befunden. Die Vorsilbe be bleibt fest verbunden, ein ge wird nicht eingefügt. Das Nomen Befinden wird großgeschrieben und bezeichnet etwa den persönlichen Zustand. Es ist nicht in jedem Zusammenhang gleichbedeutend mit einer Entscheidung.
Zustand, Urteil und Entscheidung auseinanderhalten
„Die Sache befindet sich in Prüfung“ beschreibt einen Arbeitsstand. „Die Stelle befindet über die Sache“ nennt dagegen ihre Entscheidungsaufgabe. Wer die Formulierungen austauscht, verändert die Information.
Ein eigener Berichtssatz lautet: „Die Unterlagen befinden sich noch bei der Gruppe; über den Vorschlag wird erst nach der Rückmeldung entschieden.“ Er trennt Ort und Entscheidungszeit. Für einen verständlichen Text lässt sich die erste Hälfte auch schlicht mit „Die Unterlagen sind noch bei der Gruppe“ ausdrücken. Weitere Verben stehen im Verbenwörterbuch.
