Meine Wörter

brechen

Form & Grammatik

Verb
Stichwort
brechen
Worttrennung
bre·chen
Präsens
bricht
Präteritum
brach
Partizip II
gebrochen
Hilfsverb
haben beim Zerbrechen eines Gegenstands und beim Brechen eines Versprechens; sein beim selbsttätigen Zerbrechen

Formen und Verwendung im Detail

Brechen kann bedeuten, dass etwas durch einen Bruch getrennt wird oder jemand diese Trennung verursacht. Das Verb besitzt außerdem mehrere übertragene Bedeutungen: Man kann ein Versprechen brechen, mit einer Gewohnheit brechen oder sein Schweigen brechen. Je nach Konstruktion lautet das Perfekt hat gebrochen oder ist gebrochen.

Die Konstruktion entscheidet mit

Bei Der Ast bricht verändert sich der Gegenstand. Bei Sie bricht den Ast verursacht eine Person die Veränderung. Im zweiten Satz ist der Ast das Akkusativobjekt, im ersten das Subjekt.

Übertragen heißt ein Versprechen brechen, es nicht einzuhalten. Mit einer Gewohnheit brechen bedeutet, sich von ihr zu lösen. Das Schweigen brechen heißt, zu sprechen zu beginnen. Diese Wendungen lassen sich nicht mit einer einzigen mechanischen Ersatzform erklären.

Daneben kann brechen auch sich übergeben bedeuten. Bei Licht und Wellen begegnet ein weiterer Fachgebrauch. Der Satz „Das Licht bricht sich im Wasser“ beschreibt daher keinen beschädigten Gegenstand.

Bedeutungen getrennt vergleichen

GebrauchAlternativeUnterschied
Ein Gegenstand geht durch einen Bruch auseinander.zerbrechenBetont oft das Auseinandergehen oder die Beschädigung.
Eine Zusage wird nicht erfüllt.nicht einhaltenSachliche Umschreibung ohne das Bruchbild.
Eine bisherige Verbindung wird aufgegeben.sich lösen, sich abwendenDie genaue Stärke des Abbruchs muss erhalten bleiben.
Jemand beginnt nach Schweigen zu reden.das Schweigen beendenErklärt die Wendung wörtlicher.

Erstes Satzpaar: Vorgang oder Verursachung?

Ausgangssatz: „Beim Anheben brach der dünne Holzgriff.“
Vergleichssatz: „Beim Anheben brach Lea den dünnen Holzgriff.“

Der erste Satz berichtet den Bruch, ohne eine Person ausdrücklich als Verursacherin zu nennen. Der zweite ordnet die Handlung Lea zu. Er sagt allerdings noch nicht, dass sie absichtlich handelte. Verursachung und Absicht bleiben verschiedene Aussagen.

Zweites Satzpaar: eine Zusage nicht erfüllen

Ausgangssatz: „Er brach sein Versprechen, den Fund zurückzugeben.“
Alternative: „Er hielt sein Versprechen, den Fund zurückzugeben, nicht ein.“

Die Umschreibung bewahrt den Inhalt. Brach wirkt knapper und kann den Vertrauensbruch stärker hervorheben. Ob ein Hindernis oder eine bewusste Entscheidung dahinterstand, muss der weitere Text erklären.

Formen und Hilfsverben

Brechen ist ein starkes Verb: brechen – brach – gebrochen. In der zweiten und dritten Person Singular wechselt e zu i.

Konjugation von brechen
Sechs Personen: Präsens, Präteritum, Konjunktiv I und Konjunktiv II. Die finiten Formen gelten für die im Text unterschiedenen Verwendungen; das Perfekthilfsverb richtet sich nach der Bedeutung.
PersonPräsensPräteritumKonjunktiv IKonjunktiv II
ichbrechebrachbrechebräche
dubrichstbrachstbrechestbrächest / brächst
er/sie/esbrichtbrachbrechebräche
wirbrechenbrachenbrechenbrächen
ihrbrechtbrachtbrechetbrächet / brächt
sie/Siebrechenbrachenbrechenbrächen

Der Griff ist gestern beim Anheben gebrochen bezeichnet den Bruch als vergangenes Ereignis. Ohne Zeit- und Vorgangsangabe kann Der Griff ist gebrochen auch den jetzigen Zustand beschreiben. Sie hat den Griff gebrochen nennt eine Verursacherin. Auch Er hat sein Versprechen gebrochen und Er hat mehrmals gebrochen stehen mit haben. Die passende Form lässt sich deshalb nicht allein aus dem Grundverb bestimmen.

Bei sprachlichen Bildern genau bleiben

Das Partizip gebrochen kann einen Zustand oder eine übertragene Wirkung beschreiben. „Die Figur wirkt gebrochen“ ist ein weitreichender Eindruck; „Sie schweigt nach der Absage und gibt ihren Plan auf“ nennt konkrete Beobachtungen.

Erfundene Situation: Eine Figur bricht nach langer Zurückhaltung ihr Schweigen, um einen Irrtum richtigzustellen. Eine Analyse sollte benennen, was sie sagt und warum gerade dieser Zeitpunkt wichtig ist. Das Verb allein erklärt weder ihre früheren Motive noch die Wahrheit ihrer Aussage.