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erdulden

Form & Grammatik

Verb
Stichwort
erdulden
Worttrennung
er·dul·den
Präsens
erduldet
Präteritum
erduldete
Partizip II
erduldet
Hilfsverb
haben
Trennbarkeit
nicht trennbar
Ergänzungen
etwas erdulden (Akkusativ)

Erdulden bedeutet, etwas Belastendes oder Unangenehmes über sich ergehen zu lassen und auszuhalten. Das Verb stellt die empfundene Belastung in den Vordergrund. Es kann geduldiges Hinnehmen beschreiben, bedeutet aber nicht, dass die betroffene Person das Geschehen gutheißt.

Bedeutung und Verwendung

Wer eine lange Wartezeit, einen Lärm oder eine ungerechte Behandlung erduldet, ist dem Belastenden ausgesetzt. Im Wort liegt häufig die Vorstellung, dass man wenig Einfluss hat oder vorerst nicht widerspricht. Aus dem Ausbleiben eines Protestes darf jedoch nicht automatisch Zustimmung abgeleitet werden.

Erdulden klingt stärker und häufig gehobener als hinnehmen. Es eignet sich deshalb nicht für jede kleine Unannehmlichkeit. In einer Erzählung kann die Wortwahl die Perspektive einer leidenden Figur sichtbar machen; in einem sachlichen Bericht sollte die Belastung konkret beschrieben werden.

Synonyme im Gebrauch

Ertragen
Die breitere Alternative für das Aushalten einer Belastung. Sie kann auch eine aktive innere Widerstandskraft betonen, während erdulden oft das Ausgesetztsein hervorhebt.
Aushalten
Alltäglich und anschaulich, etwa bei Lärm oder Kälte. Das Wort kann die zeitliche Dauer und die Grenze der Belastbarkeit stärker in den Vordergrund rücken.
Hinnehmen
Betont, dass jemand etwas nicht verhindert oder zurückweist. Es muss keine starke Belastung enthalten und kann deshalb die Aussage von erdulden abschwächen.

Zwei eigene Satzpaare

Ausgangssatz: Die Reisenden mussten stundenlangen Lärm erdulden.
Alternative: Die Reisenden mussten stundenlangen Lärm aushalten.

Die Alternative klingt unmittelbarer und alltäglicher. Erdulden hebt stärker hervor, dass die Reisenden dem Geschehen ausgesetzt waren. Die Dauer erklärt in beiden Sätzen, warum es als belastend erscheint.

Ausgangssatz: Die Figur erduldet die wiederholten Demütigungen schweigend.
Alternative: Die Figur nimmt die wiederholten Demütigungen schweigend hin.

Hinnehmen lenkt den Blick auf den fehlenden Widerspruch. Erdulden betont das Leid. Für eine Deutung ist entscheidend, ob Angst, Abhängigkeit oder eine bewusste Entscheidung das Schweigen erklärt.

Grammatik und Schreibweise

Erdulden ist ein schwaches, untrennbares Verb: erdulden – erduldete – hat erduldet. Das zusätzliche e in erduldete steht zwischen dem Stamm auf d und der Präteritumsendung.

Konjugation von erduldenPräsens, Präteritum und Konjunktiv
erdulden: einfache Aktivformen im Hauptsatz
PersonPräsensPräteritumKonjunktiv IKonjunktiv II
icherduldeerduldeteerduldeerduldete
duerduldesterduldetesterduldesterduldetest
er/sie/eserduldeterduldeteerduldeerduldete
wirerduldenerduldetenerduldenerduldeten
ihrerduldeterduldeteterduldeterduldetet
sie/Sieerduldenerduldetenerduldenerduldeten

Das Belastende steht im Akkusativ: den Lärm, eine Behandlung oder große Mühen erdulden. Eine Ergänzung wie geduldig oder schweigend beschreibt die Art des Umgangs, ist aber grammatisch nicht erforderlich.

Treffend formulieren

Bei Menschen sollte erdulden nicht zum Lob grenzenloser Leidensbereitschaft werden. Beschreibe, was geschieht und welche Handlungsmöglichkeiten bestehen. Eine literarische Figur kann Belastungen ertragen und dennoch innerlich widersprechen; gerade dieser Unterschied eröffnet eine genauere Betrachtung ihrer Situation.

Wer etwas erduldet, ist deshalb nicht automatisch geduldig. Aushalten kann auch aus fehlenden Handlungsmöglichkeiten entstehen.