erkennen
Form & Grammatik
Verb- Stichwort
- erkennen
- Worttrennung
- er·ken·nen
- Präsens
- erkennt
- Präteritum
- erkannte
- Partizip II
- erkannt
- Hilfsverb
- haben
- Trennbarkeit
- nicht trennbar
- Ergänzungen
- etwas oder jemanden erkennen (Akkusativ); an etwas erkennen (an + Dativ)
Präteritum erkannte, Konjunktiv II erkennte; häufiger auch würde erkennen. Perfekt hat erkannt.
Erkennen bedeutet, jemanden oder etwas wahrzunehmen und einzuordnen oder einen Zusammenhang geistig zu verstehen. Man kann eine Person erkennen, einen Fehler erkennen oder erkennen, warum eine Entscheidung falsch war. Sichtbarkeit und Einsicht sind dabei unterschiedliche Lesarten.
Bedeutung und Verwendung
Beim Wahrnehmen reicht ein Eindruck aus, um etwas zu bestimmen: eine Stimme, ein Gesicht oder eine Form. Das Erkennen kann auf früherer Bekanntschaft beruhen, aber auch auf Merkmalen, die eine Zuordnung ermöglichen. Wiedererkennen betont die frühere Begegnung ausdrücklich.
Bei einer Einsicht geht es nicht nur um die Sinne. Eine Figur erkennt, dass sie jemanden falsch eingeschätzt hat. Dafür muss ein Zusammenhang verstanden werden. In einer Analyse sollte benannt werden, welcher Hinweis diesen Wandel auslöst; die bloße Behauptung einer Erkenntnis bleibt sonst unbegründet.
Synonyme im Gebrauch
- Wiedererkennen
- Passt, wenn etwas aus früherer Erfahrung bekannt ist. Erkennen ist weiter und kann auch die erstmalige Bestimmung eines Gegenstands anhand von Merkmalen bezeichnen.
- Feststellen
- Betont ein gewonnenes Ergebnis einer Beobachtung oder Prüfung. Es klingt sachlicher und kann die gedankliche Einsicht weniger stark hervorheben.
- Begreifen
- Passt zum Verständnis eines Zusammenhangs. Es ist kein allgemeiner Ersatz für das optische Erkennen eines Menschen in der Ferne.
Zwei eigene Satzpaare
Ausgangssatz: Am Gang erkannte Mila ihren Bruder schon von weitem.
Alternative: Am Gang erkannte Mila ihren Bruder schon von weitem wieder.
Wieder betont die Vertrautheit mit seinem Gang. Im Ausgangssatz ist diese durch die Verwandtschaft ohnehin naheliegend. Die konkrete Beobachtung erklärt, worauf die Zuordnung beruht.
Ausgangssatz: Die Figur erkennt, dass ihr Schweigen missverstanden wurde.
Alternative: Die Figur begreift, dass ihr Schweigen missverstanden wurde.
Begreift hebt das innere Verständnis stärker hervor. Erkennt kann etwas sachlicher klingen. Für eine Interpretation ist wichtig, ob sich diese Einsicht anschließend auch im Handeln der Figur zeigt.
Grammatik und Schreibweise
Die Stammformen lauten erkennen – erkannte – hat erkannt. Der Konjunktiv II heißt erkennte, wird aber häufig durch würde erkennen ersetzt. Das Verb ist untrennbar.
Präteritum erkannte, Konjunktiv II erkennte; häufiger auch würde erkennen. Perfekt hat erkannt.
Konjugation von erkennenPräsens, Präteritum und Konjunktiv
| Person | Präsens | Präteritum | Konjunktiv I | Konjunktiv II |
|---|---|---|---|---|
| ich | erkenne | erkannte | erkenne | erkennte |
| du | erkennst | erkanntest | erkennest | erkenntest |
| er/sie/es | erkennt | erkannte | erkenne | erkennte |
| wir | erkennen | erkannten | erkennen | erkennten |
| ihr | erkennt | erkanntet | erkennet | erkenntet |
| sie/Sie | erkennen | erkannten | erkennen | erkennten |
Ein Akkusativobjekt ist möglich: eine Stimme erkennen. Ein dass-Satz kann den erkannten Inhalt ausdrücken. An mit Dativ nennt das Merkmal: jemanden an der Stimme erkennen.
Treffend formulieren
Unterscheide zwischen Eindruck und gesicherter Zuordnung. Ich glaube, ihn zu erkennen ist vorsichtiger als Ich erkenne ihn. Gerade bei unklaren Beobachtungen sollte diese Unsicherheit erhalten bleiben. Im literarischen Text kann der Unterschied zwischen vermeintlichem Erkennen und späterer Einsicht Spannung erzeugen.
