erniedrigen
Form & Grammatik
Verb- Stichwort
- erniedrigen
- Worttrennung
- er·nied·ri·gen
- Präsens
- erniedrigt
- Präteritum
- erniedrigte
- Partizip II
- erniedrigt
- Hilfsverb
- haben
- Reflexiver Gebrauch
- auch reflexiv: sich zu etwas erniedrigen (zu + Dativ)
- Trennbarkeit
- nicht trennbar
- Ergänzungen
- jemanden oder etwas erniedrigen (Akkusativ)
Die Formen lauten erniedrigen – erniedrigte – hat erniedrigt. Das Verb ist schwach und untrennbar. Die betroffene Person oder Sache steht im Akkusativ.
Erniedrigen bedeutet im zwischenmenschlichen Gebrauch, jemanden herabzusetzen und in seiner Würde zu verletzen. Wörtlich oder fachlich kann es außerdem heißen, etwas niedriger zu machen, etwa einen Ton. Die soziale und die sachliche Lesart müssen klar getrennt werden.
Bedeutung und Verwendung
Eine erniedrigende Behandlung stellt eine Person als minderwertig dar oder zwingt sie in eine beschämende Unterordnung. Nicht jede sachliche Kritik ist deshalb eine Erniedrigung. Entscheidend sind Inhalt, Form und Situation, etwa öffentliche Herabsetzung statt begründeter Rückmeldung zu einer Aufgabe.
Reflexiv kann sich erniedrigen bedeuten, sich selbst unter den eigenen Anspruch zu stellen oder eine als unwürdig bewertete Handlung zu übernehmen. Diese Formulierung enthält eine Bewertung. Wer sie verwendet, sollte erklären, wessen Maßstab zugrunde liegt und weshalb die Handlung so eingeordnet wird.
Synonyme im Gebrauch
- Demütigen
- Eine nahe Alternative für die Verletzung von Würde und Selbstachtung. Sie betont besonders das Beschämende der Behandlung.
- Herabsetzen
- Kann eine abwertende Darstellung oder Äußerung bezeichnen. Es ist weiter und kann auch Werte oder Preise betreffen; der Gegenstand entscheidet über die Lesart.
- Absenken
- Passt zur sachlichen Verringerung einer Höhe oder eines Werts. Bei Menschen wäre es kein gleichwertiger Ersatz für die soziale Bedeutung von erniedrigen.
Zwei eigene Satzpaare
Ausgangssatz: Die Figur versucht, ihren Mitschüler vor der ganzen Gruppe zu erniedrigen.
Alternative: Die Figur versucht, ihren Mitschüler vor der ganzen Gruppe zu demütigen.
Beide Sätze beschreiben eine verletzende Absicht. Versucht lässt offen, wie der Mitschüler reagiert. Die konkrete Äußerung oder Handlung sollte genannt werden, damit die Deutung nachvollziehbar ist.
Ausgangssatz: Die Bemerkung erniedrigt die angesprochene Person.
Alternative: Die Bemerkung kritisiert die Arbeit der angesprochenen Person.
Die Alternative ist gerade nicht bedeutungsgleich. Sie kann sachliche Kritik meinen. Der Unterschied zwischen einer Bewertung der Leistung und einer Herabsetzung des Menschen ist für einen fairen Umgang wesentlich.
Grammatik und Schreibweise
Die Formen lauten erniedrigen – erniedrigte – hat erniedrigt. Das Verb ist schwach und untrennbar. Die betroffene Person oder Sache steht im Akkusativ.
Die Formen lauten erniedrigen – erniedrigte – hat erniedrigt. Das Verb ist schwach und untrennbar. Die betroffene Person oder Sache steht im Akkusativ.
Konjugation von erniedrigenPräsens, Präteritum und Konjunktiv
| Person | Präsens | Präteritum | Konjunktiv I | Konjunktiv II |
|---|---|---|---|---|
| ich | erniedrige | erniedrigte | erniedrige | erniedrigte |
| du | erniedrigst | erniedrigtest | erniedrigest | erniedrigtest |
| er/sie/es | erniedrigt | erniedrigte | erniedrige | erniedrigte |
| wir | erniedrigen | erniedrigten | erniedrigen | erniedrigten |
| ihr | erniedrigt | erniedrigtet | erniedriget | erniedrigtet |
| sie/Sie | erniedrigen | erniedrigten | erniedrigen | erniedrigten |
Reflexiv heißt es sich erniedrigen. Zu mit Dativ oder eine Infinitivgruppe kann die als unwürdig bewertete Handlung anschließen: sich zu einer bestimmten Handlung erniedrigen.
Treffend formulieren
In einer Charakterisierung sollte die verletzende Wirkung nicht bloß behauptet werden. Beschreibe Wortwahl, Öffentlichkeit und Machtverhältnis der Szene. So lässt sich begründen, warum ein Verhalten erniedrigend wirkt, ohne jede unangenehme Rückmeldung mit einer Verletzung der Menschenwürde gleichzusetzen.
