erraten
Form & Grammatik
Verb- Stichwort
- erraten
- Worttrennung
- er·ra·ten
- Präsens
- errät
- Präteritum
- erriet
- Partizip II
- erraten
- Hilfsverb
- haben
Erraten bedeutet, durch Überlegen oder Vermuten die richtige Antwort zu finden, obwohl man sie vorher nicht sicher wusste. Anders als raten enthält erraten gewöhnlich bereits den Erfolg: Die gesuchte Lösung wurde getroffen.
Bedeutung und Verwendung
Beim Rätsel können Hinweise eine Vermutung stützen. Wer die Lösung errät, muss deshalb nicht völlig zufällig handeln. Das Verb beschreibt aber keinen zwingenden Nachweis des gesamten Lösungswegs. Ob die Antwort aus einem einzelnen Hinweis oder sorgfältigem Abwägen stammt, bleibt offen.
Man kann auch Wünsche, Absichten oder Gefühle erraten. Dabei wird etwas zutreffend erschlossen, ohne dass die andere Person es ausdrücklich mitgeteilt hat. In einer Erzählung sollte erkennbar sein, wer diese Zutreffendheit bestätigt. Eine bloße Vermutung einer Figur genügt dafür nicht immer.
Synonyme im Gebrauch
- Raten
- Bezeichnet den Versuch mit einer unsicheren Antwort. Man kann falsch raten, aber nicht im üblichen Sinn eine Lösung falsch erraten.
- Herausfinden
- Ist weiter und umfasst auch Nachfragen, Nachschlagen oder systematische Untersuchung. Erraten grenzt den Weg stärker auf Vermuten und Überlegen ein.
- Erschließen
- Betont nachvollziehbare Hinweise oder Schlussfolgerungen. Erraten kann stärker intuitiv sein und lässt den gedanklichen Weg oft unbestimmt.
Zwei eigene Satzpaare
Ausgangssatz: Lina erriet das gesuchte Tier nach dem zweiten Hinweis.
Alternative: Lina fand das gesuchte Tier nach dem zweiten Hinweis heraus.
Die Alternative nennt den Erfolg allgemeiner. Erriet macht deutlicher, dass die Antwort zunächst unsicher war. Beide Sätze sagen noch nicht, welcher Teil des Hinweises entscheidend war.
Ausgangssatz: Der Bruder versuchte, ihren Wunsch zu erraten.
Alternative: Der Bruder vermutete, was sie sich wünschte.
Im ersten Satz ist der Erfolg durch versuchte offen. Die Alternative beschreibt ebenfalls keine bestätigte Erkenntnis. Ohne versuchte würde erriet bereits die richtige Vermutung nahelegen und damit mehr behaupten.
Grammatik und Schreibweise
Die starken Formen lauten erraten – erriet – hat erraten. Im Präsens heißt es du errätst und sie errät. Die Vorsilbe er- wird nicht abgetrennt.
Konjugation von erratenPräsens, Präteritum und Konjunktiv
| Person | Präsens | Präteritum | Konjunktiv I | Konjunktiv II |
|---|---|---|---|---|
| ich | errate | erriet | errate | erriete |
| du | errätst | errietest / errietst | erratest | errietest |
| er/sie/es | errät | erriet | errate | erriete |
| wir | erraten | errieten | erraten | errieten |
| ihr | erratet | errietet | erratet | errietet |
| sie/Sie | erraten | errieten | erraten | errieten |
Die Lösung steht im Akkusativ: ein Wort erraten. Möglich sind auch Nebensätze: erraten, was gemeint ist. Der Infinitiv mit zu lautet zu erraten.
Treffend formulieren
Bei Rätseln ist die Unterscheidung zwischen Versuch und Treffer besonders nützlich. Schreibe raten, wenn eine Antwort nur ausprobiert wird, und erraten, wenn sie stimmt. In einer Figurenanalyse sollten Hinweise und tatsächliches Wissen getrennt werden, damit eine Vermutung nicht unbemerkt zur sicheren Erkenntnis wird.
Beim Erschließen wird der Schlussweg aus Hinweisen stärker betont. Erraten benennt vor allem den richtigen Treffer trotz anfänglicher Unsicherheit.
