fabulieren
Form & Grammatik
Verb- Stichwort
- fabulieren
- Worttrennung
- fa·bu·lie·ren
- Präsens
- fabuliert
- Präteritum
- fabulierte
- Partizip II
- fabuliert
- Hilfsverb
- haben
- Trennbarkeit
- nicht trennbar
Fabulieren heißt fantasievoll erzählen und dabei Geschichten oder Einzelheiten erfinden und ausgestalten. Das Wort kann erzählerische Freude loben, aber auch fehlenden Wirklichkeitsbezug kritisieren.
Wenn beim Erzählen Neues entsteht
Beim Fabulieren wird eine Geschichte nicht bloß knapp wiedergegeben. Vorstellungen, überraschende Wendungen und ausgeschmückte Einzelheiten treten hinzu. Das kann beim Schreiben ebenso geschehen wie im Gespräch. Ob diese Erfindung willkommen ist, hängt von der Situation ab: Im Erzählspiel gehört sie dazu, in einem sachlichen Bericht wäre sie problematisch.
Fabulieren ist deshalb nicht grundsätzlich dasselbe wie lügen. Eine erfundene Geschichte kann ausdrücklich als erfunden erkennbar sein. Lügen setzt dagegen voraus, dass eine falsche Aussage als wahr ausgegeben werden soll. Erst der Zusammenhang zeigt, ob mit fabulieren schöpferische Fantasie oder eine zweifelhafte Behauptung gemeint ist.
Synonyme im Gebrauch
Fantasievoll erzählen ist eine gut verständliche Umschreibung. Ausschmücken betont zusätzliche Einzelheiten zu einem vorhandenen Stoff. Ausspinnen stellt das Weiterentwickeln einer Vorstellung heraus. Erfinden bezeichnet zunächst das Hervorbringen von etwas Neuem, nicht zwingend das Erzählen. Berichten erwartet demgegenüber gewöhnlich einen Bezug zu tatsächlichen Vorgängen und ist kein bedeutungsgleicher Ersatz.
„Aus dem Fund eines alten Schlüssels fabuliert Mira eine ganze Abenteuergeschichte.“
„Aus dem Fund eines alten Schlüssels entwickelt Mira eine ganze Abenteuergeschichte.“
Der erste Satz betont Miras erzählerische Fantasie. Entwickeln beschreibt allgemeiner, dass ein Ausgangspunkt zu einer Geschichte ausgebaut wird; das kann auch planvoll und schrittweise geschehen.
„Beim Abendessen fabuliert Leon über eine Stadt unter dem Meer.“
„Beim Abendessen berichtet Leon über eine Stadt unter dem Meer.“
Fabulieren signalisiert eine fantasievolle Erzählung. Berichten lässt eher erwarten, dass Leon Informationen wiedergibt. Der Austausch verändert also den Anspruch der Aussage, nicht nur ihren Klang.
Schreibweise und Formen
Die Grundformen lauten fabulieren – fabulierte – hat fabuliert. Das Partizip heißt fabuliert, ohne ge-. Man kann von etwas oder über etwas fabulieren, aber auch ohne Ergänzung schreiben: Sie fabuliert gern. Die Substantivierung wird großgeschrieben: ins Fabulieren geraten. Verwandt ist das Nomen Fabel; Fabulieren verlangt jedoch keine bestimmte literarische Gattung.
Konjugation von fabulierenPräsens, Präteritum und Konjunktiv
| Person | Präsens | Präteritum | Konjunktiv I | Konjunktiv II |
|---|---|---|---|---|
| ich | fabuliere | fabulierte | fabuliere | fabulierte |
| du | fabulierst | fabuliertest | fabulierest | fabuliertest |
| er/sie/es | fabuliert | fabulierte | fabuliere | fabulierte |
| wir | fabulieren | fabulierten | fabulieren | fabulierten |
| ihr | fabuliert | fabuliertet | fabulieret | fabuliertet |
| sie/Sie | fabulieren | fabulierten | fabulieren | fabulierten |
Eine Erzählweise genauer beschreiben
In einer Textanalyse sollte auf das Wertungswort eine Beobachtung folgen. Erzählt die Figur immer unwahrscheinlichere Begegnungen? Verbindet sie alltägliche Gegenstände mit erfundenen Abenteuern? Solche Einzelheiten zeigen, was mit Fabulieren gemeint ist. Ohne sie bleibt unklar, ob die Analyse Fantasie bewundert oder den Wahrheitsgehalt der Erzählung anzweifelt.
