Meine Wörter

herablassen

Form & Grammatik

Verb
Stichwort
herablassen
Worttrennung
he·rab·las·sen
Präsens
lässt (sich) herab
Präteritum
ließ (sich) herab
Partizip II
herabgelassen
Perfekt
hat (sich) herabgelassen
Hilfsverb
haben
Infinitiv
herablassen; mit zu: herabzulassen
Trennbarkeit
trennbar: lässt herab; herabgelassen; herabzulassen

Reflexiver Gebrauch: räumlich etwas oder sich herablassen; übertragene Verwendungen mit sich

Gebrauch: Räumlich gehoben; widerwillige Bereitschaft ironisch; soziale Zuwendung veraltet, noch ironisch; geistige Zuwendung selten. Reflexivität und Gebrauch je Lesart unterscheiden.

Ergänzungen: etwas herablassen (Akkusativ); sich zu etwas herablassen (Dativ); sich herablassen, etwas zu tun

Formen und Verwendung im Detail

Definition · kurz erklärt

Herablassen heißt, etwas nach unten zu lassen; diese räumliche Verwendung ist gehoben und kann auch reflexiv sein. Sich zu etwas herablassen bezeichnet ironisch eine Bereitschaft zu etwas, das als unter der eigenen Würde betrachtet wird. Weitere übertragene Verwendungen sind veraltet beziehungsweise selten.

Bedeutungen

Bedeutung 1: Gehoben: nach unten lassen

Jemand lässt einen Gegenstand nach unten gelangen oder senkt ihn ab. Reflexiv kann die handelnde Person selbst nach unten gelangen. Das Verb bezeichnet nicht automatisch ein freies Herabfallen.

„Für die erfundene Bühnenszene ließ das Team eine leichte Kulisse langsam herab.“

Die Kulisse wird nach unten gelassen. Langsam ist ein zusätzlicher Hinweis; eine bestimmte Bühnentechnik oder ein unkontrollierter Sturz ist nicht behauptet.

Bedeutung 2: Ironisch: sich zu etwas bereitfinden

Eine Person findet sich zu einer Handlung bereit, die sie eigentlich als unter ihrer Würde ansieht oder nach Darstellung des Sprechers so behandelt. Der Ausdruck ist ironisch und kann einen Vorwurf enthalten.

„In der erfundenen Dialogszene fragt die Kollegin: Lässt du dich noch herab, meine Rückfrage zu beantworten?“

Die Frage kritisiert eine als überheblich dargestellte Zurückhaltung. Sie beweist nicht unabhängig vom Dialog, wie die angesprochene Person tatsächlich denkt.

Bedeutung 3: Veraltet, noch ironisch: sich sozial Niedrigerstehenden zuwenden

Die Verwendung stellt eine Person innerhalb einer sozialen Ordnung als höher stehend dar und bezeichnet ihre Zuwendung zu als niedriger angesehenen Personen. Diese Darstellung ist veraltet und begegnet noch ironisch; die behauptete Rangordnung ist nicht als natürliche Eigenschaft zu übernehmen.

„Die erfundene historische Szene erzählt, der Würdenträger habe sich zu den Wartenden herabgelassen.“

Der Satz gibt die hierarchische Perspektive der Erzählung wieder. Er besagt nicht, dass die Wartenden als Menschen weniger wert seien.

Bedeutung 4: Selten: sich geistig auf jemanden einstellen

In einer seltenen Verwendung wendet sich jemand von einer als höher angesehenen geistigen Stufe einem anderen zu. Der Ausdruck enthält eine wertende Vorstellung von Überlegenheit; eine sachliche Erklärung muss diese Perspektive kenntlich machen.

„In der bewusst überheblich formulierten erfundenen Figurenrede heißt es: Ich lasse mich nun zu euren einfachen Überlegungen herab.“

Die Formulierung inszeniert die Selbsteinschätzung der Figur. Die angebliche geistige Überlegenheit wird dadurch nicht bestätigt.

herablassen: Synonyme und andere Wörter

Bei einer Senkbewegung

herunterlassen · absenken

Diese Wörter können die räumliche Verwendung erklären. Absenken nennt eine Bewegung nach unten; herabfallen würde das Geschehen anders darstellen und nennt keine steuernde Handlung des Herablassens.

„Das Team ließ die Kulisse herab.“ → „Das Team senkte die Kulisse ab.“

Die kontrolliert dargestellte Bewegung bleibt erhalten. Ein bestimmter Mechanismus ist in keiner Fassung genannt.

Bei einer ironischen Bereitschaft

sich zu etwas bequemen · sich bereitfinden

Sich bereitfinden nennt die Bereitschaft neutraler und lässt die Vorstellung einer unter der eigenen Würde liegenden Handlung weg. Herablassend ist dagegen ein Adjektiv für eine Haltung im Umgang mit anderen; es erklärt nicht jede räumliche Verbverwendung.

„Er ließ sich herab, die Rückfrage zu beantworten.“ → „Er fand sich bereit, die Rückfrage zu beantworten.“

Die zweite Fassung nimmt die ironische Abwertung zurück. Sie ist deshalb keine vollständig gleiche Tonwirkung.

Beispiele und Verwendung

Räumlich und übertragen

„Sie lässt die Kulisse herab; sie lässt sich zu einer Antwort herab.“

Zuerst ist die Kulisse Akkusativobjekt einer räumlichen Handlung. Danach gehört sich zur übertragenen, ironischen Konstruktion.

Die Wertung zuordnen

„Die Figur bezeichnet ihren eigenen Auftritt als ein Herablassen zu den anderen.“

Die Wortwahl behauptet ein Gefälle. Eine Analyse sollte diese Selbstdarstellung benennen, statt sie ungeprüft als sachliche Rangordnung zu übernehmen.

Grammatik und Beugung

Herablassen wird stark gebeugt: lässt herab, ließ herab, hat herabgelassen. Der Konjunktiv II lautet ließe herab.

Das Verb ist trennbar. Ge- und zu- stehen innerhalb des verbundenen Wortes: herabgelassen und herabzulassen. Das Perfekt verwendet auch bei räumlicher reflexiver Bewegung haben.

In der räumlichen Verwendung können ein Akkusativobjekt oder eine reflexive Konstruktion stehen. Die übertragenen Verwendungen werden mit sich erklärt. Eine zu-Gruppe kann den Bezug nennen, ein zu-Infinitiv die beurteilte Handlung.

Indikativ – Präsens
Person Form
ich lasse (mich) herab
du lässt (dich) herab
er/sie/es lässt (sich) herab
wir lassen (uns) herab
ihr lasst (euch) herab
sie lassen (sich) herab
Indikativ – Präteritum
Person Form
ich ließ (mich) herab
du ließest (dich) herab
er/sie/es ließ (sich) herab
wir ließen (uns) herab
ihr ließt (euch) herab
sie ließen (sich) herab
Indikativ – Perfekt
Person Form
ich habe (mich) herabgelassen
du hast (dich) herabgelassen
er/sie/es hat (sich) herabgelassen
wir haben (uns) herabgelassen
ihr habt (euch) herabgelassen
sie haben (sich) herabgelassen
Indikativ – Plusquamperfekt
Person Form
ich hatte (mich) herabgelassen
du hattest (dich) herabgelassen
er/sie/es hatte (sich) herabgelassen
wir hatten (uns) herabgelassen
ihr hattet (euch) herabgelassen
sie hatten (sich) herabgelassen
Indikativ – Futur I
Person Form
ich werde (mich) herablassen
du wirst (dich) herablassen
er/sie/es wird (sich) herablassen
wir werden (uns) herablassen
ihr werdet (euch) herablassen
sie werden (sich) herablassen
Indikativ – Futur II
Person Form
ich werde (mich) herabgelassen haben
du wirst (dich) herabgelassen haben
er/sie/es wird (sich) herabgelassen haben
wir werden (uns) herabgelassen haben
ihr werdet (euch) herabgelassen haben
sie werden (sich) herabgelassen haben
Konjunktiv I – Präsens
Person Form
ich lasse (mich) herab
du lassest (dich) herab
er/sie/es lasse (sich) herab
wir lassen (uns) herab
ihr lasset (euch) herab
sie lassen (sich) herab
Konjunktiv I – Perfekt
Person Form
ich habe (mich) herabgelassen
du habest (dich) herabgelassen
er/sie/es habe (sich) herabgelassen
wir haben (uns) herabgelassen
ihr habet (euch) herabgelassen
sie haben (sich) herabgelassen
Konjunktiv I – Futur I
Person Form
ich werde (mich) herablassen
du werdest (dich) herablassen
er/sie/es werde (sich) herablassen
wir werden (uns) herablassen
ihr werdet (euch) herablassen
sie werden (sich) herablassen
Konjunktiv I – Futur II
Person Form
ich werde (mich) herabgelassen haben
du werdest (dich) herabgelassen haben
er/sie/es werde (sich) herabgelassen haben
wir werden (uns) herabgelassen haben
ihr werdet (euch) herabgelassen haben
sie werden (sich) herabgelassen haben
Konjunktiv II – Präteritum
Person Form
ich ließe (mich) herab
du ließest (dich) herab
er/sie/es ließe (sich) herab
wir ließen (uns) herab
ihr ließet (euch) herab
sie ließen (sich) herab
Konjunktiv II – Plusquamperfekt
Person Form
ich hätte (mich) herabgelassen
du hättest (dich) herabgelassen
er/sie/es hätte (sich) herabgelassen
wir hätten (uns) herabgelassen
ihr hättet (euch) herabgelassen
sie hätten (sich) herabgelassen
Konjunktiv II – Futur I
Person Form
ich würde (mich) herablassen
du würdest (dich) herablassen
er/sie/es würde (sich) herablassen
wir würden (uns) herablassen
ihr würdet (euch) herablassen
sie würden (sich) herablassen
Konjunktiv II – Futur II
Person Form
ich würde (mich) herabgelassen haben
du würdest (dich) herabgelassen haben
er/sie/es würde (sich) herabgelassen haben
wir würden (uns) herabgelassen haben
ihr würdet (euch) herabgelassen haben
sie würden (sich) herabgelassen haben
Imperativ
Person Form
2. Person Singular [du] lass (dich) herab, lasse (dich) herab!
2. Person Plural [ihr] lasst (euch) herab!
Infinite Formen
Form Schreibung
Infinitiv mit zu herabzulassen
Partizip I herablassend
Partizip II herabgelassen