herleiten
Form & Grammatik
Verb- Stichwort
- herleiten
- Worttrennung
- her·lei·ten
- Präsens
- leitet her
- Präteritum
- leitete her
- Partizip II
- hergeleitet
- Hilfsverb
- haben
- Reflexiver Gebrauch
- auch reflexiv: sich von etwas herleiten
- Trennbarkeit
- trennbar
- Ergänzungen
- etwas aus etwas herleiten (Akkusativ; aus + Dativ)
Herleiten bedeutet, etwas aus einer Grundlage zu entwickeln oder zu folgern. Man kann etwa eine Formel oder eine Begründung herleiten. Außerdem lässt sich mit dem Verb eine Herkunft auf einen früheren Ursprung zurückführen; reflexiv heißt sich herleiten entsprechend aus etwas stammen.
Ein gedanklicher Weg zur Grundlage
Wer eine Formel herleitet, zeigt, wie sie aus bekannten Beziehungen entsteht. Das ist mehr als das bloße Nennen des Ergebnisses. Die Zwischenschritte sollten nachvollziehbar sein und zur Ausgangsannahme passen. Eine lange Rechnung ist nicht schon deshalb eine richtige Herleitung.
Bei Wörtern, Namen oder Überlieferungen betrifft das Herleiten eine Herkunftsbeziehung. Ähnlich aussehende Wörter müssen nicht denselben Ursprung haben. Eine sachliche Erklärung benötigt deshalb mehr als einen Gleichklang. Auch in „Der Anspruch wird aus seiner Stellung hergeleitet“ steht eine behauptete Begründung im Vordergrund. Ob dieser Anspruch tatsächlich berechtigt ist, entscheidet die Wortwahl allein nicht.
Ableiten, folgern und zurückführen
| Ausdruck | Bedeutung und Grenze |
|---|---|
| ableiten | Bei einer Folgerung oder Herkunft sehr ähnlich; hat zusätzlich eigene technische und mathematische Bedeutungen. |
| folgern | Passt zu einem gedanklichen Schluss aus Voraussetzungen, nicht unverändert zur familiären Abstammung. |
| zurückführen | Passt zu einer angenommenen Ursache oder Herkunft und benötigt einen passenden Anschluss. |
| stammen | Erklärt die reflexive Herkunftsbedeutung. Der Nachweisweg tritt dabei zurück. |
| behaupten | Gibt eine Aussage wieder, zeigt aber noch keine nachvollziehbare Herleitung. |
„Aus den beiden Angaben leitet Noor eine weitere Bedingung her.“ – „Aus den beiden Angaben folgert Noor eine weitere Bedingung.“
Die zweite Fassung erhält den Gedankenschritt. Beide berichten zunächst Noors Schluss. Ob die beiden Angaben ausreichen, muss anhand des tatsächlichen Zusammenhangs geprüft werden.
„Die Gruppe leitet die Schreibweise aus einer älteren Form her.“ – „Die Schreibweise erinnert die Gruppe an eine ältere Form.“
Der erste Satz behauptet eine Herkunftsbeziehung. Der zweite beschreibt nur eine Ähnlichkeit oder Assoziation. Er ist deshalb schwächer und kann passen, wenn ein geschichtlicher Nachweis fehlt.
Etwas aus etwas herleiten
Die Formen lauten leitet her, leitete her und hat hergeleitet. Das Verb ist trennbar. Die Grundlage folgt häufig mit aus oder von: eine Regel aus Beispielen herleiten, einen Namen von einer älteren Form herleiten.
Konjugation von herleitenPräsens, Präteritum und Konjunktiv
| Person | Präsens | Präteritum | Konjunktiv I | Konjunktiv II |
|---|---|---|---|---|
| ich | leite her | leitete her | leite her | leitete her |
| du | leitest her | leitetest her | leitest her | leitetest her |
| er/sie/es | leitet her | leitete her | leite her | leitete her |
| wir | leiten her | leiteten her | leiten her | leiteten her |
| ihr | leitet her | leitetet her | leitet her | leitetet her |
| sie/Sie | leiten her | leiteten her | leiten her | leiteten her |
Das verwandte ableiten bedeutet in der Differentialrechnung bei einer Funktion gewöhnlich ein bestimmtes mathematisches Verfahren. Herleiten einer Formel ist nicht automatisch dasselbe. Für eine verständliche Erklärung lohnt sich die Reihenfolge Grundlage, Zwischenschritte, Ergebnis. So zeigt der Text, wie die Folgerung zustande kommt, statt das Verb als Ersatz für eine Begründung zu verwenden.
