jucken
Form & Grammatik
Verb- Stichwort
- jucken
- Worttrennung
- ju·cken
- Präsens
- er / sie / es juckt
- Präteritum
- er / sie / es juckte
- Partizip II
- gejuckt
- Perfekt
- hat gejuckt; regional „springen“: ist gejuckt
- Hilfsverb
- haben; schwäbisch „springen“: sein
- Infinitiv
- jucken
- Trennbarkeit
- nicht trennbar
Reflexiver Gebrauch: sich jucken: umgangssprachlich sich kratzen; sonst auch nicht reflexiv
Gebrauch: Schwaches Verb. Hilfsverb und Satzbau nach Bedeutung unterscheiden.
Ergänzungen: mir / mich juckt die Haut; etwas juckt jemanden; es juckt jemanden, etwas zu tun
Definition · kurz erklärt
Jucken bezeichnet einen unangenehmen Hautreiz oder dessen Auslösung. Umgangssprachlich kann es außerdem „sich kratzen“, „reizen“ oder „interessieren“ bedeuten. Die Redewendung „Das juckt mich nicht“ drückt aus, dass etwas jemanden nicht kümmert.
Bedeutungen
Eine Empfindung oder ihre Ursache: In „Die Hand juckt“ ist die betroffene Körperstelle das Subjekt. In „Der Pullover juckt“ wird dagegen das Kleidungsstück als Auslöser beschrieben. Das Wort benennt den empfundenen Reiz; es erklärt noch nicht seine genaue Ursache.
Eine Handlung: Umgangssprachlich heißt „sich jucken“ auch, sich zu kratzen oder zu reiben. Hier tut die Person etwas. „Der Arm juckt“ und „Sie juckt sich am Arm“ beschreiben deshalb nicht denselben Vorgang.
Ein innerer Anreiz: „Es juckt ihn, endlich anzufangen“ bedeutet, dass er stark dazu gedrängt ist. In „Das juckt mich nicht“ wird dagegen Interesse oder Betroffenheit verneint. Beide Verwendungen sind umgangssprachlich.
Regional: Im Schwäbischen kann jucken außerdem „hüpfen, springen“ heißen. Dann wird das Perfekt mit sein gebildet. Diese Bedeutung gehört ausdrücklich vom Hautreiz und dessen Hilfsverb haben getrennt.
jucken: Synonyme und andere Wörter
Hautreiz und Handlung unterscheiden
einen Juckreiz auslösen · sich kratzen
Einen Juckreiz auslösen erklärt eine Ursache, sich kratzen bezeichnet eine Reaktion. Kribbeln und kitzeln stehen für andere Empfindungen und sind nicht automatisch genaue Ersatzwörter.
„Der Ärmel juckt.“ → „Der Ärmel löst einen Juckreiz aus.“ Dagegen beschreibt „Sie kratzt sich“ die Handlung der Person.
Einen Anreiz oder fehlende Betroffenheit ausdrücken
reizen · interessieren · kümmern
Reizen passt zum Wunsch, etwas zu tun. Kümmern passt besonders zur verneinten Wendung „Das juckt mich nicht“. Bei einer höflichen Antwort kann eine sachliche Umschreibung weniger abweisend wirken.
„Es juckt mich, das Rätsel zu lösen.“ → „Es reizt mich, das Rätsel zu lösen.“ Beide Fassungen benennen einen inneren Antrieb.
Die regionale Bewegung meinen
hüpfen · springen
Diese Ersatzwörter passen zum schwäbischen Bewegungsverb. Wer „jucken“ mit „springen“ erklärt, muss deshalb den regionalen Zusammenhang nennen; für eine juckende Hand wäre das falsch.
„Er ist über den Graben gejuckt.“ → „Er ist über den Graben gesprungen.“ Die zweite Fassung macht den regionalen Ausdruck überregional verständlich.
Verwendung und Beispiele
„Der neue Schal hat am Hals gejuckt.“
Das Kleidungsstück wird als Ursache einer Empfindung beschrieben. Das Perfekt mit haben gehört zu dieser Bedeutung; eine Aussage über das Material oder eine Diagnose ist damit noch nicht verbunden.
„Die Bemerkung der anderen juckt sie nicht; sie arbeitet ruhig weiter.“
Der erste Teil behauptet fehlende Betroffenheit. Das anschließende Verhalten stützt diesen Eindruck, beweist aber nicht sicher, wie die Figur innerlich empfindet. Diese Unterscheidung ist für eine Charakterisierung nützlich.
Grammatik
Das schwache Verb hat die Formen juckt, juckte, gejuckt. Bei Hautreiz, Kratzen und übertragenem Reizen steht haben. Nur die hier gesondert behandelte schwäbische Bewegungsbedeutung verlangt sein.
Bei der betroffenen Person können Dativ oder Akkusativ stehen: „Mir juckt die Hand“ und „Mich juckt die Hand“ sind möglich. Beim übertragenen Anreiz ist „Es juckt mich, etwas zu tun“ gebräuchlich. Sich jucken ist die reflexive umgangssprachliche Handlung „sich kratzen“. Die Tabellen zeigen die Formen; welche Person und Ergänzung sinnvoll ist, hängt von der jeweiligen Bedeutung ab.
| Person | Präsens | Präteritum |
|---|---|---|
| ich | ich jucke | ich juckte |
| du | du juckst | du jucktest |
| er / sie / es | er/sie/es juckt | er/sie/es juckte |
| wir | wir jucken | wir juckten |
| ihr | ihr juckt | ihr jucktet |
| sie | sie jucken | sie juckten |
| Person | Konjunktiv I | Konjunktiv II |
|---|---|---|
| ich | ich jucke | ich juckte |
| du | du juckest | du jucktest |
| er / sie / es | er/sie/es jucke | er/sie/es juckte |
| wir | wir jucken | wir juckten |
| ihr | ihr jucket | ihr jucktet |
| sie | sie jucken | sie juckten |
| Person | Juckreiz, Kratzen, Reizen: haben | Schwäbisch springen: sein |
|---|---|---|
| ich | ich habe gejuckt | ich bin gejuckt |
| du | du hast gejuckt | du bist gejuckt |
| er / sie / es | er/sie/es hat gejuckt | er/sie/es ist gejuckt |
| wir | wir haben gejuckt | wir sind gejuckt |
| ihr | ihr habt gejuckt | ihr seid gejuckt |
| sie | sie haben gejuckt | sie sind gejuckt |
| Anrede | Imperativ |
|---|---|
| du | juck! / jucke! |
| ihr | juckt! |
| Sie | jucken Sie! |
Was bedeutet „es juckt in den Fingern“?
Die Wendung bedeutet, dass jemand unbedingt etwas tun möchte. Sie kann zum Beispiel Lust auf eine Tätigkeit oder den Drang zum Eingreifen ausdrücken. Ob tatsächlich ein Hautreiz vorliegt, entscheidet der Zusammenhang.
„Beim Anblick der Farben juckte es Mira in den Fingern, selbst zu malen.“
Farben und Malen zeigen den inneren Antrieb. Die Umschreibung „Mira bekam große Lust, selbst zu malen“ erklärt das Bild, ohne eine körperliche Empfindung zu behaupten.
„Das juckt mich nicht“: Wirkung im Gespräch
Die Formulierung kann Gelassenheit zeigen, aber auch abweisend wirken. „Die Rangliste juckt mich nicht; mir geht es ums Mitmachen“ erklärt eine persönliche Priorität. Als Antwort auf die Sorgen eines anderen Menschen kann derselbe Satz dagegen desinteressiert klingen.
