Meine Wörter

kauen

Form & Grammatik

Verb
Stichwort
kauen
Worttrennung
kau·en
Präsens
er/sie/es kaut
Präteritum
er/sie/es kaute
Partizip II
gekaut
Perfekt
hat gekaut
Hilfsverb
haben
Infinitiv
kauen
Trennbarkeit
nicht trennbar

Reflexiver Gebrauch: nicht obligatorisch reflexiv

Gebrauch: Akkusativobjekt oder an/auf + Dativ möglich; übertragene Wendung getrennt erklären.

Formen und Verwendung im Detail

Definition · kurz erklärt

Kauen bedeutet, Nahrung mit wiederholten Bewegungen im Mund zu zerkleinern. Das Verb kann auch das Beißen oder Nagen an etwas bezeichnen. Übertragen heißt an etwas zu kauen haben, sich mit einem Problem oder einem belastenden Erlebnis länger auseinandersetzen zu müssen.

Bedeutungen

Beim Essen beschreibt kauen einen Vorgang, nicht die gesamte Nahrungsaufnahme. Essen umfasst mehr als Kauen, und Schlucken ist eine andere Handlung. Diese Unterscheidung hilft bei einer genauen Beschreibung.

Auch an einem Gegenstand kann jemand kauen, etwa an einem Stift. Dabei ist der Gegenstand nicht automatisch zum Essen bestimmt. In einer Erzählung kann solches Verhalten eine beobachtbare Einzelheit sein; ohne weitere Hinweise ist es kein sicherer Beweis für eine bestimmte Gefühlslage.

Die übertragene Bedeutung stellt ein schwieriges Verarbeiten als mühsames Kauen dar. Sie kann gedankliche Arbeit oder eine emotionale Belastung meinen. Welcher Aspekt zutrifft, muss aus dem Zusammenhang hervorgehen.

kauen: Synonyme und andere Wörter

Eine Mundbewegung beschreiben

zerkauen · beißen · knabbern

Zerkauen betont das Zerkleinern. Beißen kann ein einzelnes Zufassen der Zähne meinen. Knabbern wirkt kleinteiliger und kann wiederholtes Abbeißen kleiner Stücke beschreiben.

„Sie kaut das Brot“ beschreibt die fortlaufende Bewegung. „Sie beißt vom Brot ab“ nennt einen anderen Schritt.

Eine Schwierigkeit verarbeiten

mit etwas ringen · etwas verarbeiten · über etwas nachdenken

Diese Umschreibungen passen nur zum übertragenen Gebrauch. Nachdenken ist neutraler; mit etwas ringen betont die Schwierigkeit. Begreifen bezeichnet das Verstehen und damit nicht automatisch den ganzen Verarbeitungsprozess.

„An der unerwarteten Kritik hatte er lange zu kauen.“ → „Er brauchte Zeit, um die unerwartete Kritik zu verarbeiten.“

Verwendung und Beispiele

„Während sie den Text liest, kaut die Figur auf dem Ende ihres Stifts.“

Die Handlung ist beobachtbar. Nervosität wäre eine mögliche Deutung, die weitere Textsignale benötigt.

„Das Kind kaut das Brot langsam und legt den nächsten Bissen zunächst zurück.“

Kauen und Nachnehmen werden als getrennte Handlungen dargestellt. Der Satz enthält keine medizinische Empfehlung.

Grammatik

Kauen ist ein schwaches Verb: kaut – kaute – hat gekaut. Die Trennung lautet kau·en. Das Perfekt wird mit haben gebildet.

Mit einem Akkusativobjekt heißt es etwa „das Brot kauen“. Daneben stehen Verbindungen mit an oder auf und Dativ: an einem Stück, auf einem Stift kauen. Ohne Ergänzung ist „Sie kaut noch“ ebenfalls möglich.

Der Imperativ im Singular lautet kau! oder kaue!, im Plural kaut!. Die älter wirkende Form kauet wird nicht als gewöhnlicher heutiger Pluralimperativ geführt; im Konjunktiv I ist ihr kauet dagegen eine reguläre Form.

kauen: Indikativ: Gegenwart und einfache Vergangenheit
PersonPräsensPräteritum
ichich kaueich kaute
dudu kaustdu kautest
er/sie/eser/sie/es kauter/sie/es kaute
wirwir kauenwir kauten
ihrihr kautihr kautet
siesie kauensie kauten
kauen: Indikativ: abgeschlossene Handlungen
PersonPerfektPlusquamperfekt
ichich habe gekautich hatte gekaut
dudu hast gekautdu hattest gekaut
er/sie/eser/sie/es hat gekauter/sie/es hatte gekaut
wirwir haben gekautwir hatten gekaut
ihrihr habt gekautihr hattet gekaut
siesie haben gekautsie hatten gekaut
kauen: Indikativ: Zukunft und Vermutung
PersonFutur IFutur II
ichich werde kauenich werde gekaut haben
dudu wirst kauendu wirst gekaut haben
er/sie/eser/sie/es wird kauener/sie/es wird gekaut haben
wirwir werden kauenwir werden gekaut haben
ihrihr werdet kauenihr werdet gekaut haben
siesie werden kauensie werden gekaut haben
kauen: Konjunktiv I: Gegenwart und Vergangenheit
PersonGegenwartVergangenheit
ichich kaueich habe gekaut
dudu kauestdu habest gekaut
er/sie/eser/sie/es kaueer/sie/es habe gekaut
wirwir kauenwir haben gekaut
ihrihr kauetihr habet gekaut
siesie kauensie haben gekaut
kauen: Konjunktiv II: Gegenwart und Vergangenheit
PersonEinfache FormVergangenheit
ichich kauteich hätte gekaut
dudu kautestdu hättest gekaut
er/sie/eser/sie/es kauteer/sie/es hätte gekaut
wirwir kautenwir hätten gekaut
ihrihr kautetihr hättet gekaut
siesie kautensie hätten gekaut
kauen: Aufforderungsformen
AnredeImperativ
dukau! / kaue!
ihrkaut!
Siekauen Sie!

An etwas zu kauen haben

Die Wendung beschreibt eine länger anhaltende Schwierigkeit. „Nach dem Streit hatte sie an den Vorwürfen noch zu kauen.“ Die Vorwürfe sind keine Nahrung; gemeint ist ihre gedankliche oder emotionale Verarbeitung.

Bei einer kniffligen Aufgabe kann dagegen vor allem das Nachdenken gemeint sein. Eine genaue Ergänzung verhindert, dass beide Verwendungen verwechselt werden.