kennen
Form & Grammatik
- Stichwort
- kennen
- Worttrennung
- ken·nen
- Präsens
- er/sie/es kennt
- Präteritum
- er/sie/es kannte
- Partizip II
- gekannt
- Perfekt
- hat gekannt
- Hilfsverb
- haben
- Infinitiv
- kennen
- Trennbarkeit
- nicht trennbar
Reflexiver Gebrauch: nicht obligatorisch reflexiv
Gebrauch: Gemischte/unregelmäßige Flexion; Konjunktiv II kennte selten, häufig würde kennen. Akkusativobjekt; gegenseitiger Gebrauch möglich.
Definition · kurz erklärt
Kennen bedeutet, mit einer Person, Sache oder einem Sachverhalt vertraut zu sein oder darüber Bescheid zu wissen. Es kann persönliche Bekanntschaft, Wissen aus Erfahrung und das Beherrschen einer Sache ausdrücken. Wie gut jemand etwas kennt, muss der Zusammenhang zeigen.
Bedeutungen
Mit jemandem bekannt sein
„Ich kenne Lea“ kann eine flüchtige Bekanntschaft oder langjährigen Kontakt meinen. Zusätze wie vom Sehen, persönlich oder seit der Grundschule machen den Umfang deutlich. Kennen bedeutet nicht automatisch befreundet sein.
Wissen und Erfahrung
Man kann einen Namen, eine Regel, einen Ort oder ein Gefühl kennen. Dabei kann Wissen aus eigener Erfahrung, Lernen oder Erzählungen stammen. Wer eine Regel kennt, hält sie nicht zwingend ein; Wissen und Handeln sind verschiedene Aussagen.
In „sein Handwerk kennen“ geht es um Vertrautheit und Beherrschung. Bei „Ich kenne sie an ihrer Stimme“ steht das Wiedererkennen im Vordergrund. „Keine Grenzen kennen“ beschreibt dagegen häufig ein Verhalten, das sich durch Grenzen nicht aufhalten lässt.
Für eine Analyse lohnt es sich, die Reichweite zu prüfen: Behauptet die Figur genaues Wissen, oder kennt sie nur einzelne Seiten einer Person?
kennen: Synonyme und andere Wörter
Mit Menschen vertraut sein
bekannt sein mit · vertraut sein mit
Bekannt sein mit ist relativ weit gefasst. Vertraut sein mit deutet häufig eine engere oder gründlichere Kenntnis an. Befreundet sein fügt eine persönliche Beziehung hinzu, die kennen allein offenlässt.
„Ich kenne die Autorin von einer Lesung“ ist vorsichtiger als „Ich bin mit der Autorin befreundet“.
Über eine Sache Bescheid wissen
wissen · verstehen · beherrschen
Wissen passt oft zu einem Inhaltssatz: wissen, wie etwas geht. Kennen nimmt gewöhnlich ein Akkusativobjekt: die Regel kennen. Begreifen betont das Verstehen; beherrschen die sichere Anwendung.
„Er kennt die Formel“ sagt nicht zwingend, dass er sie anwenden kann. „Er versteht die Formel und löst damit Aufgaben“ ist eine stärkere Aussage.
Verwendung und Beispiele
„Mara kennt den Weg zur Bibliothek, war aber noch nie im Lesesaal.“
Die Kenntnis eines Weges wird von der Erfahrung innerhalb des Gebäudes unterschieden.
„Die beiden kennen sich seit dem Sprachkurs.“
Sich bezeichnet hier die gegenseitige Bekanntschaft. Der Satz nennt keine besondere Freundschaft oder Nähe.
Grammatik
Kennen hat einen Stammwechsel und schwache Vergangenheitsendungen: kennt – kannte – hat gekannt. Die Trennung ist ken·nen. Das Partizip II lautet gekannt.
Kannte ist die gewöhnliche Vergangenheitsform. Kennte ist eine seltenere Konjunktiv-II-Form: „Wenn ich ihn besser kennte …“ Im heutigen Alltag ist „wenn ich ihn besser kennen würde“ oft geläufiger. Die beiden Formen erfüllen unterschiedliche Aufgaben und sind keine beliebigen Schreibvarianten.
Kennen verlangt gewöhnlich ein Akkusativobjekt. Bei gegenseitiger Bekanntschaft steht ein entsprechendes Pronomen: Wir kennen uns. Die Tabellen zeigen die einfachen Verbformen; solche Ergänzungen werden im Satz hinzugefügt.
| Person | Präsens | Präteritum |
|---|---|---|
| ich | ich kenne | ich kannte |
| du | du kennst | du kanntest |
| er/sie/es | er/sie/es kennt | er/sie/es kannte |
| wir | wir kennen | wir kannten |
| ihr | ihr kennt | ihr kanntet |
| sie | sie kennen | sie kannten |
| Person | Perfekt | Plusquamperfekt |
|---|---|---|
| ich | ich habe gekannt | ich hatte gekannt |
| du | du hast gekannt | du hattest gekannt |
| er/sie/es | er/sie/es hat gekannt | er/sie/es hatte gekannt |
| wir | wir haben gekannt | wir hatten gekannt |
| ihr | ihr habt gekannt | ihr hattet gekannt |
| sie | sie haben gekannt | sie hatten gekannt |
| Person | Futur I | Futur II |
|---|---|---|
| ich | ich werde kennen | ich werde gekannt haben |
| du | du wirst kennen | du wirst gekannt haben |
| er/sie/es | er/sie/es wird kennen | er/sie/es wird gekannt haben |
| wir | wir werden kennen | wir werden gekannt haben |
| ihr | ihr werdet kennen | ihr werdet gekannt haben |
| sie | sie werden kennen | sie werden gekannt haben |
| Person | Gegenwart | Vergangenheit |
|---|---|---|
| ich | ich kenne | ich habe gekannt |
| du | du kennest | du habest gekannt |
| er/sie/es | er/sie/es kenne | er/sie/es habe gekannt |
| wir | wir kennen | wir haben gekannt |
| ihr | ihr kennet | ihr habet gekannt |
| sie | sie kennen | sie haben gekannt |
| Person | Einfache Form | Vergangenheit |
|---|---|---|
| ich | ich kennte | ich hätte gekannt |
| du | du kenntest | du hättest gekannt |
| er/sie/es | er/sie/es kennte | er/sie/es hätte gekannt |
| wir | wir kennten | wir hätten gekannt |
| ihr | ihr kenntet | ihr hättet gekannt |
| sie | sie kennten | sie hätten gekannt |
| Anrede | Imperativ |
|---|---|
| du | kenn! / kenne! |
| ihr | kennt! |
| Sie | kennen Sie! |
Keine Grenzen kennen
Die Verbindung kann große Stärke oder fehlende Begrenzung ausdrücken: „Die Begeisterung kannte keine Grenzen.“ Das ist meist eine bildhafte Verstärkung, keine messbare Unendlichkeit.
Bei einer Person kann „Er kennt keine Grenzen“ auch Kritik an rücksichtslosen Handlungen sein. Deshalb muss der Satzkontext zeigen, ob Freude, Entschlossenheit oder ein problematisches Verhalten gemeint ist.
