können
Form & Grammatik
- Stichwort
- können
- Worttrennung
- kön·nen
- Präsens
- er/sie/es kann
- Präteritum
- er/sie/es konnte
- Partizip II
- gekonnt; mit zusätzlichem Infinitiv im Perfekt Ersatzinfinitiv können.
- Perfekt
- Vollverb: hat gekonnt; Modalverb: hat etwas tun können.
- Hilfsverb
- haben
- Infinitiv
- können
- Trennbarkeit
- Nicht trennbar.
Konjunktiv II: könnte. Modalverb mit Infinitiv ohne zu; zusätzlich selbstständig als Vollverb.
Definition · kurz erklärt
Können kann eine Fähigkeit oder eine Möglichkeit ausdrücken: Sie kann schwimmen oder Der Zug kann später ankommen. Auch eine Erlaubnis und eine höfliche Bitte sind möglich. Entscheidend ist der ganze Satz: Eine mögliche Handlung ist noch keine tatsächlich ausgeführte Handlung.
Bedeutungen
1 Eine Fähigkeit oder ein Können ausdrücken
Können kann bedeuten, zu einer Handlung imstande zu sein. Als selbstständiges Verb kann es heißen, etwas zu beherrschen. Das sagt noch nicht, dass die Person ihre Fähigkeit im betreffenden Moment auch einsetzt.
„Lea kann den schwierigen Rhythmus spielen, spielt ihn aber bei diesem Auftritt nicht.“
Fähigkeit und tatsächliche Handlung werden ausdrücklich getrennt. Aus dem Weglassen folgt deshalb keine Unfähigkeit.
2 Eine Möglichkeit unter bestimmten Umständen haben
Eine Handlung kann durch äußere Bedingungen möglich sein. Können beschreibt dann nicht allein eine persönliche Fertigkeit. Auch eine technische Einrichtung kann etwas können, wenn ihre Eigenschaften es zulassen.
„Mit dem Ersatzschlüssel können wir den Raum auch am Abend öffnen.“
Der Schlüssel schafft hier die Möglichkeit. Ob die Gruppe den Raum tatsächlich öffnet oder dafür eine Erlaubnis hat, ist eine weitere Frage.
3 Eine Erlaubnis ausdrücken
In einem passenden Gespräch kann können heißen, dass etwas freisteht oder zugelassen ist. Diese Verwendung ist meist weniger ausdrücklich als dürfen. Eine bloß technische Möglichkeit ist dagegen noch keine Erlaubnis.
„Ihr könnt die Hefte bis morgen hier liegen lassen“, sagt die Lehrerin.
Im Zusammenhang erlaubt sie das Liegenlassen. Derselbe Satz könnte ohne die zuständige Sprecherin auch nur eine praktische Möglichkeit beschreiben.
4 Etwas für möglich halten
Können kann eine Vermutung oder denkbare Erklärung kennzeichnen. Die Aussage bleibt dabei offen: Möglich heißt weder sicher noch notwendig wahrscheinlich.
„Die fehlende Seite kann beim Kopieren übersehen worden sein.“
Genannt wird eine denkbare Ursache. Die Formulierung beweist nicht, dass beim Kopieren tatsächlich ein Fehler passiert ist.
5 Eine Bitte oder Aufforderung formulieren
Eine Frage mit können kann zugleich eine Bitte sein. Der Konjunktiv II kann sie zurückhaltender formulieren. Welche Wirkung entsteht, hängt auch vom Tonfall und von der Gesprächssituation ab.
„Könntest du bitte die letzte Zeile noch einmal vorlesen?“
Gemeint ist gewöhnlich eine Bitte um das Vorlesen, nicht bloß eine Prüfung, ob die Person lesen gelernt hat.
6 Noch Kraft zu etwas haben
Umgangssprachlich kann können bedeuten, dass die Kraft für eine Handlung noch reicht. Die verneinte Aussage nicht mehr können kann Erschöpfung ausdrücken, ohne eine genaue Ursache zu nennen.
„Nach dem langen Aufstieg konnte die Figur nicht mehr und setzte sich auf die Bank.“
Das Ausruhen wird mit Erschöpfung verbunden. Der Satz stellt keine medizinische Diagnose und erklärt nicht ihre gesamte körperliche Verfassung.
können: Synonyme und andere Wörter
Können, beherrschen oder imstande sein?
Beherrschen passt häufig zu erlernten Kenntnissen oder Fertigkeiten. Imstande sein erklärt die Fähigkeit zu einer Handlung. Beide Alternativen decken nicht automatisch eine bloße Möglichkeitseinschätzung ab.
„Sie kann die Sprache.“ – „Sie beherrscht die Sprache.“
Beide können eine Sprachkenntnis behaupten. Wie gut sie in einzelnen Situationen tatsächlich spricht oder schreibt, muss zusätzlich beschrieben werden.
Können oder dürfen?
Dürfen macht eine Erlaubnis häufig deutlicher. Können kann dagegen nur die vorhandenen Möglichkeiten benennen. Bei einer Regel oder Anweisung sollte dieser Unterschied nicht offenbleiben.
„Wir können die Tür öffnen.“ – „Wir dürfen die Tür öffnen.“
Die erste Aussage kann einen passenden Schlüssel voraussetzen. Die zweite betrifft die Berechtigung. Dass man etwas praktisch tun kann, bedeutet nicht automatisch, dass es erlaubt ist.
Möglich sein oder sicher sein?
Bei einer Vermutung passen Formulierungen wie möglicherweise oder es ist denkbar. Gewiss und sicher würden den Grad der Behauptung verändern.
„Der Brief kann verspätet angekommen sein.“ – „Vielleicht ist der Brief verspätet angekommen.“
Beide lassen den tatsächlichen Verlauf offen. Die Aussage Der Brief kam verspätet an würde dagegen eine konkrete Verspätung behaupten.
Beispiele und Verwendung
„Er kann helfen, möchte es heute aber nicht.“
Möglichkeit und Bereitschaft sind zwei verschiedene Dinge. Der Satz begründet nicht, warum er sich gegen die Hilfe entscheidet.
„Sie konnte das Gedicht damals auswendig; heute hat sie einige Zeilen vergessen.“
Die frühere Fähigkeit wird zeitlich eingeordnet. Aus dem damaligen Können folgt nicht, dass dieselbe Leistung unverändert erhalten geblieben ist.
Grammatik und Beugung
Die Grundformen lauten kann – konnte – hat gekonnt. Das Verb wird kön·nen getrennt und ist nicht trennbar. In der Gegenwart wechseln kann und können; im Konjunktiv II steht der Umlaut: könnte. Die sichtbaren Tabellen enthalten tatsächlich belegte Formen.
Als Modalverb verbindet sich können mit einem Infinitiv ohne zu: Sie kann lesen. Im Perfekt mit diesem weiteren Verb steht der Ersatzinfinitiv können: Sie hat den Text lesen können. Dagegen steht beim selbstständigen Vollverb das Partizip gekonnt: Sie hat die Aufgabe früher gut gekonnt.
Die zusammengesetzten Tabellenformen mit gekonnt gelten für diese selbstständige Verwendung. Sie dürfen nicht unverändert an einen zusätzlichen Infinitiv angehängt werden. Ich habe lesen gekonnt ist nicht das hier gemeinte standardsprachliche Modalverbmuster.
Im Nebensatz steht bei einer solchen Perfektverbindung das finite Hilfsverb vor der Infinitivgruppe: weil sie den Text hat lesen können. Beim bloßen Vollverb lautet der Nebensatz dagegen weil sie die Aufgabe gekonnt hat. Die unterschiedliche Konstruktion erklärt die Wortstellung.
Für eine höfliche Aufforderung ist die Frageform gebräuchlich: Können Sie bitte warten? Die Bitte wird durch die Form des ganzen Satzes verständlich. Die folgenden Tabellen werden nicht durch ein mechanisch übertragenes Imperativ- oder Passivschema erweitert.
| Person | Präsens | Präteritum |
|---|---|---|
| ich | ich kann | ich konnte |
| du | du kannst | du konntest |
| er/sie/es | er/sie/es kann | er/sie/es konnte |
| wir | wir können | wir konnten |
| ihr | ihr könnt | ihr konntet |
| sie | sie können | sie konnten |
| Person | Perfekt | Plusquamperfekt |
|---|---|---|
| ich | ich habe gekonnt | ich hatte gekonnt |
| du | du hast gekonnt | du hattest gekonnt |
| er/sie/es | er/sie/es hat gekonnt | er/sie/es hatte gekonnt |
| wir | wir haben gekonnt | wir hatten gekonnt |
| ihr | ihr habt gekonnt | ihr hattet gekonnt |
| sie | sie haben gekonnt | sie hatten gekonnt |
| Person | Futur I | Futur II |
|---|---|---|
| ich | ich werde können | ich werde gekonnt haben |
| du | du wirst können | du wirst gekonnt haben |
| er/sie/es | er/sie/es wird können | er/sie/es wird gekonnt haben |
| wir | wir werden können | wir werden gekonnt haben |
| ihr | ihr werdet können | ihr werdet gekonnt haben |
| sie | sie werden können | sie werden gekonnt haben |
| Person | Konjunktiv I | Konjunktiv II |
|---|---|---|
| ich | ich könne | ich könnte |
| du | du könnest | du könntest |
| er/sie/es | er/sie/es könne | er/sie/es könnte |
| wir | wir können | wir könnten |
| ihr | ihr könnet | ihr könntet |
| sie | sie können | sie könnten |
| Person | Konjunktiv I Perfekt | Konjunktiv II Vergangenheit |
|---|---|---|
| ich | ich habe gekonnt | ich hätte gekonnt |
| du | du habest gekonnt | du hättest gekonnt |
| er/sie/es | er/sie/es habe gekonnt | er/sie/es hätte gekonnt |
| wir | wir haben gekonnt | wir hätten gekonnt |
| ihr | ihr habet gekonnt | ihr hättet gekonnt |
| sie | sie haben gekonnt | sie hätten gekonnt |
| Person | Konjunktiv I Futur I | würde + Infinitiv |
|---|---|---|
| ich | ich werde können | ich würde können |
| du | du werdest können | du würdest können |
| er/sie/es | er/sie/es werde können | er/sie/es würde können |
| wir | wir werden können | wir würden können |
| ihr | ihr werdet können | ihr würdet können |
| sie | sie werden können | sie würden können |
| Person | Konjunktiv I Futur II | würde + Infinitiv Perfekt |
|---|---|---|
| ich | ich werde gekonnt haben | ich würde gekonnt haben |
| du | du werdest gekonnt haben | du würdest gekonnt haben |
| er/sie/es | er/sie/es werde gekonnt haben | er/sie/es würde gekonnt haben |
| wir | wir werden gekonnt haben | wir würden gekonnt haben |
| ihr | ihr werdet gekonnt haben | ihr würdet gekonnt haben |
| sie | sie werden gekonnt haben | sie würden gekonnt haben |
| Formtyp | Form |
|---|---|
| Infinitiv | können |
| Infinitive mit zu (Präsens / Perfekt) | zu können / gekonnt zu haben |
| Infinitiv Perfekt | gekonnt haben |
| Partizip I | könnend |
| Partizip II | gekonnt |
Was bedeutet nichts dafür können?
Nichts dafür können bedeutet umgangssprachlich, für einen Umstand nicht verantwortlich beziehungsweise daran nicht schuld zu sein. Die Wendung verneint nicht allgemein jede Fähigkeit der Person.
„Für den verspäteten Brief kann die Empfängerin nichts.“
Gemeint ist ihre fehlende Verantwortung für die Verspätung. Ob und wie sie jetzt reagieren kann, ist davon unabhängig.
Mit jemandem gut können
Mit jemandem gut können heißt umgangssprachlich, im persönlichen Umgang gut mit der Person zurechtzukommen. Das Wort beschreibt hier keine gemeinsam abgelegte Prüfung.
„Die beiden können gut miteinander, obwohl sie oft verschiedene Meinungen haben.“
Ein gutes Verhältnis schließt sachliche Unterschiede nicht aus. Umgekehrt beweist eine einzelne Meinungsverschiedenheit noch kein schlechtes Verhältnis.
