legen
Form & Grammatik
- Stichwort
- legen
- Worttrennung
- le·gen
- Präsens
- legt
- Präteritum
- legte
- Partizip II
- gelegt
- Perfekt
- hat gelegt
- Hilfsverb
- haben
- Infinitiv
- legen
- Trennbarkeit
- nicht trennbar
Reflexiver Gebrauch: je nach Bedeutung nicht reflexiv oder sich legen
Gebrauch: Schwaches Verb. Lageveränderung mit legen von bestehender Lage mit liegen unterscheiden.
Ergänzungen: etwas legen: Akkusativ; sich auf etwas legen: auf + Akkusativ
Definition · kurz erklärt
Legen heißt häufig, etwas an einen Platz oder in eine bestimmte Lage zu bringen. Sich legen kann eine Lageveränderung, aber auch ein Nachlassen bezeichnen. Weitere gebräuchliche Verwendungen sind etwa Kabel legen und Eier legen.
Bedeutungen
Bedeutung 1: Etwas an einen Platz oder in eine Lage bringen
Wer ein Heft auf den Tisch legt, verändert seinen Platz. Die liegende Ausrichtung ist dabei häufig wichtig: Eine Flasche kann man auf die Seite legen oder aufrecht stellen. Legen ist aber nicht in jeder Verbindung auf eine völlig waagerechte Lage beschränkt; auch eine Leiter lässt sich schräg an eine Wand legen.
Der Unterschied zu liegen hilft beim Formulieren: „Ich lege das Heft auf den Tisch“ nennt die Handlung. „Das Heft liegt auf dem Tisch“ beschreibt den Zustand danach.
„Nora legte die Zeichnung vorsichtig auf den freien Tisch.“
Die Zeichnung wird an den genannten Platz gebracht. Vorsichtig ergänzt die Art der Bewegung; das Verb allein verspricht noch keinen behutsamen Umgang.
Bedeutung 2: Sich in eine Lage bringen oder sich ausbreiten
Bei sich legen gehört das Reflexivpronomen zum Satz: ich lege mich, du legst dich. Ein Mensch kann sich auf eine Decke legen. Auch ein Schiff kann sich auf die Seite legen; hier ist eine veränderte Lage gemeint.
Bei Nebel, Schnee oder Staub kann die Verbindung beschreiben, dass sich etwas über einer Fläche ausbreitet beziehungsweise darauf absetzt. Dem Nebel wird damit keine menschliche Absicht zugeschrieben.
„Nach dem Spaziergang legte sie sich auf die Decke und las weiter.“
Sie nimmt eine liegende Haltung ein. Der zweite Satzteil zeigt ausdrücklich, dass sie nicht einfach einschläft.
Bedeutung 3: Etwas verlegen oder in Form bringen
Kabel, Gleise oder einen Boden zu legen meint deren Anordnung und Einbau. Dabei ist verlegen häufig eine genauere Entsprechung. Die Aussage benennt noch nicht jede einzelne technische Arbeit.
Auch eine Form lässt sich durch Legen herstellen: Stoff wird beispielsweise in Falten gelegt. Hier ist formen oder eine genaue Beschreibung der Anordnung oft verständlicher als ablegen.
„Die Handwerker legten neue Kabel zwischen den beiden Räumen.“
Es geht um das Verlegen von Leitungen. Ob sämtliche Anschlüsse bereits geprüft sind, sagt dieser Satz nicht.
Bedeutung 4: Nachlassen oder abklingen
Wenn sich die Aufregung legt, nimmt sie ab. Das reflexive Verb beschreibt in dieser Verwendung keine räumliche Bewegung. Es kann sich auch auf Wind, Streit oder ein anderes vorübergehendes Geschehen beziehen.
Ob die Erscheinung ganz verschwindet oder nur schwächer wird, hängt von der weiteren Aussage ab. „Die Sorge legte sich etwas“ behauptet gerade keine vollständige Beruhigung.
„Nach der klärenden Antwort legte sich ihre Aufregung allmählich.“
Die Aufregung nimmt mit der Zeit ab. Eine sofortige oder endgültige Veränderung ist damit nicht behauptet.
Bedeutung 5: Eier hervorbringen
Beim Ei bedeutet legen, dass ein Tier ein Ei hervorbringt. In einem bereits klaren Zusammenhang kann das Objekt fehlen: „Die Henne legt wieder.“ Diese Verwendung sollte nicht mit dem Ablegen eines bereits vorhandenen Gegenstandes verwechselt werden.
„Die Henne hatte am Morgen ein Ei gelegt.“
Beschrieben wird die Eiablage. Ob das Ei befruchtet ist oder später ausgebrütet wird, bleibt offen.
Bedeutung 6: Samen oder Knollen in die Erde einsetzen
Landschaftlich wird legen beim Einsetzen von Pflanzgut gebraucht, beispielsweise bei Kartoffeln oder Bohnen. Die Formulierung beschreibt dabei das Einbringen in die Erde und nicht ein beliebiges Ablegen auf einem Tisch.
„In der regionalen Anleitung heißt es, die Kartoffeln werden in vorbereitete Furchen gelegt.“
Gemeint ist hier das Pflanzen. Die ausdrückliche Einordnung verhindert, dass der Satz nur als Lagern von Kartoffeln verstanden wird.
Synonyme: andere Wörter für legen
Ein Gegenstand, ein Kabel, eine Aufregung oder ein Ei verlangt jeweils andere Ersatzwörter. Auch das Reflexivpronomen kann die Bedeutung entscheidend verändern.
Eine Lage herstellen
hinlegen · platzieren · ablegen
Hinlegen betont die entstehende Lage. Platzieren ist allgemeiner und verlangt keine liegende Ausrichtung. Ablegen kann außerdem bedeuten, etwas aus der Hand oder vom Körper zu nehmen; diese zusätzliche Handlung muss zum Zusammenhang passen.
„Sie legte das Heft auf den Tisch.“ → „Sie platzierte das Heft auf dem Tisch.“ Die zweite Fassung benennt den Platz, macht die Lage aber weniger ausdrücklich.
Eine Erscheinung wird schwächer
nachlassen · abklingen · sich beruhigen
Abklingen passt etwa zu Aufregung oder Beschwerden. Sich beruhigen kann sich auf einen Menschen beziehen; ein Mensch und seine Aufregung sind jedoch nicht dasselbe Satzsubjekt. Die Umschreibung muss den Bezug erhalten.
„Ihre Aufregung legte sich langsam.“ → „Ihre Aufregung klang langsam ab.“ Die fortschreitende Abschwächung bleibt erhalten.
Eine Einrichtung herstellen
verlegen · einbauen · anordnen
Verlegen passt zu Kabeln und Bodenbelägen. Einbauen ist weiter gefasst. Das bloße Bereitlegen von Material ist noch kein Einbau; ebenso bestätigt legen allein keine erfolgreiche Funktionsprüfung.
„Die Firma legt einen neuen Boden.“ → „Die Firma verlegt einen neuen Boden.“ Gemeint bleibt das Herstellen des Bodenbelags.
Beispiele und Verwendung
Handlung und Zustand unterscheiden
„Ich lege das Buch auf den Stuhl; danach liegt es auf dem Stuhl.“
Beim Ziel der Handlung steht hier auf den Stuhl, beim Ort des Zustands auf dem Stuhl. Der Bedeutungsunterschied hilft, Akkusativ und Dativ auseinanderzuhalten.
Den Kasus am Bezug erkennen
„Auf dem Bett sitzend legte sie das Buch auf den Nachttisch.“
Auf dem Bett nennt den Ort der Person; auf den Nachttisch das Ziel des Buches. Nicht jede Ortsangabe in einem Satz mit legen muss daher im Akkusativ stehen.
Reflexives legen verstehen
„Der Nebel legte sich über die Wiese, während sich die Aufregung der Kinder langsam legte.“
Die erste Verbindung beschreibt eine räumliche Ausbreitung, die zweite ein Nachlassen. Derselbe reflexive Aufbau erlaubt verschiedene Bedeutungen.
Grammatik und Beugung
Die Stammformen lauten legt – legte – hat gelegt. Legen wird schwach gebildet und verwendet haben. Das Partizip I lautet legend, das Partizip II gelegt; der Infinitiv mit zu ist zu legen. Die Worttrennung lautet le·gen.
Ein direktes Objekt steht im Akkusativ: das Buch legen. Bei einer Wechselpräposition bezeichnet eine Zielangabe häufig den Akkusativ: auf den Tisch legen. Ein unabhängiger Schauplatz im selben Satz kann dagegen im Dativ stehen: Im Zimmer legt sie das Buch auf den Tisch. Entscheidend ist die jeweilige Funktion der Ergänzung, nicht allein das Verb.
Die Tabellen zeigen die nicht reflexiven Aktivformen. Beim reflexiven Gebrauch kommen die passenden Pronomen hinzu: ich lege mich, du legst dich, er legt sich, wir legen uns, ihr legt euch, sie legen sich. Das Perfekt lautet dann beispielsweise sie hat sich gelegt.
Die einfache Vergangenheit lautet legte, nicht lag. Lag gehört zu liegen. In den Aufforderungen sind leg! und lege! möglich.
| Person | Präsens | Präteritum |
|---|---|---|
| ich | lege | legte |
| du | legst | legtest |
| er/sie/es | legt | legte |
| wir | legen | legten |
| ihr | legt | legtet |
| sie | legen | legten |
| Person | Perfekt |
|---|---|
| ich | habe gelegt |
| du | hast gelegt |
| er/sie/es | hat gelegt |
| wir | haben gelegt |
| ihr | habt gelegt |
| sie | haben gelegt |
| Person | Konjunktiv I | Konjunktiv II |
|---|---|---|
| ich | lege | legte |
| du | legest | legtest |
| er/sie/es | lege | legte |
| wir | legen | legten |
| ihr | leget | legtet |
| sie | legen | legten |
| Anrede | Imperativ |
|---|---|
| du | leg! / lege! |
| ihr | legt! |
| Sie | legen Sie! |
Sich aufs Ohr legen
Diese umgangssprachliche Verbindung bedeutet, sich zum Schlafen hinzulegen. „Nach der Nachtschicht legte er sich für eine Stunde aufs Ohr“ beschreibt eine Ruhe- beziehungsweise Schlafpause. Ein tatsächlicher Druck auf ein bestimmtes Ohr ist nicht gemeint.
Geld auf die hohe Kante legen
Die feste Wendung bedeutet Geld sparen. „Für die Reparatur legte sie jeden Monat etwas auf die hohe Kante.“ Der Satz sagt, dass sie Geld zurücklegt; er nennt keine bestimmte Anlageform und verspricht keinen Ertrag.
Weniger gebräuchliche Fachverwendungen
Beim Skat kann legen das Ablegen der dafür bestimmten Karten bezeichnen. In der Pferdezucht ist legen ein Fachwort für das Kastrieren. Diese Bedeutungen sind nicht ohne den jeweiligen Zusammenhang einzusetzen.
Veraltend kann sich auf etwas legen ausdrücken, dass jemand seine Tätigkeit auf ein Gebiet ausrichtet. In einem heutigen allgemeinen Text ist sich einem Gebiet widmen meist verständlicher. Auch hier geht es nicht um eine Körperhaltung.
