leihen
Form & Grammatik
- Stichwort
- leihen
- Worttrennung
- lei·hen
- Präsens
- er / sie leiht
- Präteritum
- er / sie lieh
- Partizip II
- geliehen
- Perfekt
- hat geliehen
- Hilfsverb
- haben
- Infinitiv
- leihen
- Trennbarkeit
- nicht trennbar
Reflexiver Gebrauch: beim Beschaffen auch reflexiv mit Dativ: sich etwas leihen; sich kann fehlen
Gebrauch: Starkes Verb. Gebende und empfangende Bedeutung nach Ergänzungen unterscheiden. Konjunktiv II: liehe. Aufforderung: leih! oder leihe!
Ergänzungen: jemandem etwas leihen (Dativ + Akkusativ); sich etwas von/bei jemandem leihen (Dativ + Akkusativ; von/bei + Dativ)
Definition · kurz erklärt
Leihen kann zwei Richtungen beschreiben: jemandem etwas vorübergehend geben oder etwas von jemandem für eine begrenzte Zeit bekommen. In beiden Fällen ist eine Rückgabe vorgesehen. In gehobener Sprache kann das Verb auch unterstützen oder zur Verfügung stellen bedeuten.
Bedeutungen
Bedeutung 1: Etwas vorübergehend weitergeben
„Lina leiht Tom ihren Bohrer.“ Lina gibt den Gegenstand vorübergehend weiter. Die Person, die ihn benutzen darf, steht hier im Dativ: Tom beziehungsweise ihm.
„Aylin leiht ihrem Nachbarn die Leiter.“
Aylin ist die gebende Person; der Nachbar darf die Leiter vorübergehend nutzen.
Bedeutung 2: Etwas vorübergehend bekommen
„Tom leiht sich einen Bohrer von Lina.“ Tom beschafft sich den Gegenstand zur vorübergehenden Nutzung. Das reflexive sich verdeutlicht diese Richtung, ist aber nicht immer nötig: „Ich habe den Bohrer geliehen“ kann ebenfalls bedeuten, dass ich ihn mir beschafft habe.
„Der Nachbar leiht sich die Leiter von Aylin.“
Der Nachbar ist jetzt das Subjekt und die empfangende Person. Sich verdeutlicht die Richtung.
Bedeutung 3: Unterstützung geben
In einem gehobenen Zusammenhang kann jemand einer anderen Person Hilfe, Beistand oder seine Stimme leihen. Gemeint ist eine Unterstützung; etwas muss dabei nicht wie ein Gegenstand zurückgegeben werden.
„Die Sprecherin lieh dem Anliegen ihre Stimme.“
Die gehobene Formulierung beschreibt Unterstützung. Eine Stimme wird dabei nicht wie ein Gegenstand zurückgegeben.
Synonyme: andere Wörter für leihen
Ausleihen kann ebenfalls mehrdeutig sein. Die Satzergänzungen zeigen, wer etwas gibt oder bekommt.
Wenn etwas vorübergehend abgegeben wird
verleihen · ausleihen · borgen
Verleihen macht die gebende Seite häufig klarer. Ausleihen und borgen können ebenso wie leihen beide Richtungen bezeichnen. Verleihen hat außerdem andere Bedeutungen, etwa bei der Vergabe einer Auszeichnung.
„Nora leiht ihrem Nachbarn die Luftpumpe.“ → „Nora verleiht die Luftpumpe an ihren Nachbarn.“ Die zweite Fassung nennt ausdrücklich die Weitergabe.
Wenn etwas zur Nutzung beschafft wird
sich ausleihen · sich borgen · entleihen
Sich ausleihen und sich borgen sind im Alltag geläufig. Entleihen ist eine sachlichere, formellere Möglichkeit. Kaufen ist kein Synonym: Dabei soll der Gegenstand gewöhnlich dauerhaft bei der kaufenden Person bleiben.
„Ich leihe mir für das Fest einen Beamer.“ → „Ich borge mir für das Fest einen Beamer.“ Beide Sätze sagen noch nicht, von wem das Gerät kommt.
Bei Unterstützung
geben · zur Verfügung stellen · beistehen
Die passende Umschreibung hängt von der Ergänzung ab. Jemandem Hilfe leihen lässt sich als jemandem beistehen ausdrücken. Der gehobene Klang geht dabei verloren.
„Die Rednerin lieh den Betroffenen ihre Stimme.“ → „Die Rednerin trat öffentlich für die Betroffenen ein.“ Die zweite Fassung erläutert die bildliche Aussage.
Beispiele und Verwendung
Die Rückgabe ausdrücklich nennen
„Kannst du mir bis Montag deine Notizen leihen? Ich gebe sie dir danach zurück.“
Mir bezeichnet die Person, die die Notizen erhalten möchte. Der zweite Satz macht die erwartete Rückgabe ausdrücklich.
Die empfangende Person kennzeichnen
„Mara hat sich ein Fahrrad geliehen; ihr eigenes wird repariert.“
Sich zeigt die empfangende Seite. Der Grund erklärt, weshalb die vorübergehende Nutzung genügt.
Die Satzrollen erkennen
„Ich habe Paul das Geld geliehen.“
Ohne weitere Erklärung ist hier die gebende Person ich. Das Akkusativobjekt das Geld wird Paul, dem Dativobjekt, vorübergehend zur Verfügung gestellt.
Grammatik und Beugung
Die Stammformen heißen leiht, lieh, hat geliehen. Im Präteritum wechselt ei zu ie; das Partizip endet auf -en. Die Form „leihte“ ist hier nicht die standardsprachliche Vergangenheitsform.
Der Konjunktiv II lautet ich liehe, du liehest, er liehe. Im Alltag ist auch „Ich würde dir das Rad leihen“ gut verständlich. Als Aufforderung sind leih! und leihe! möglich.
In „Ich leihe mir ein Buch“ steht mir im Dativ und ein Buch im Akkusativ. Zum Vergleich: „Ich leihe dir ein Buch“ nennt dir als empfangende Person. Der Wechsel von mir zu dir verändert deshalb die Perspektive des Satzes. Mehr zum Unterschied erklärt die Übersicht zu den Fällen.
| Person | Präsens | Präteritum |
|---|---|---|
| ich | ich leihe | ich lieh |
| du | du leihst | du liehst |
| er / sie / es | er/sie/es leiht | er/sie/es lieh |
| wir | wir leihen | wir liehen |
| ihr | ihr leiht | ihr lieht |
| sie | sie leihen | sie liehen |
| Person | Konjunktiv I | Konjunktiv II |
|---|---|---|
| ich | ich leihe | ich liehe |
| du | du leihest | du liehest |
| er / sie / es | er/sie/es leihe | er/sie/es liehe |
| wir | wir leihen | wir liehen |
| ihr | ihr leihet | ihr liehet |
| sie | sie leihen | sie liehen |
| Person | Perfekt |
|---|---|
| ich | ich habe geliehen |
| du | du hast geliehen |
| er / sie / es | er/sie/es hat geliehen |
| wir | wir haben geliehen |
| ihr | ihr habt geliehen |
| sie | sie haben geliehen |
| Anrede | Imperativ |
|---|---|
| du | leihe! |
| ihr | leiht! |
| Sie | leihen Sie! |
Jemandem seine Stimme leihen
Wer jemandem im übertragenen Sinn seine Stimme leiht, tritt für diese Person oder Gruppe ein. „Im Gemeinderat lieh sie den Jugendlichen ihre Stimme und trug deren Anliegen vor.“ Das Beispiel erklärt die konkrete Unterstützung; es bedeutet nicht, dass die Jugendlichen selbst keine Meinung hätten.
Wer gibt, wer bekommt?
Bei kurzen Nachrichten lohnt sich eine eindeutige Ergänzung. „Ich habe das Buch geliehen“ lässt die Richtung offen. Klarer sind „Ich habe das Buch an Emil verliehen“ und „Ich habe mir das Buch von Emil geliehen“. Beide Sätze beschreiben unterschiedliche Rollen in derselben Art von Vorgang.
