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loslassen

Form & Grammatik

Verb
Stichwort
loslassen
Worttrennung
los·las·sen
Präsens
er/sie/es lässt los
Präteritum
er/sie/es ließ los
Partizip II
losgelassen
Perfekt
hat losgelassen
Hilfsverb
haben
Infinitiv
loslassen
Trennbarkeit
trennbar: los-

Reflexiver Gebrauch: nicht obligatorisch reflexiv

Gebrauch: Starkes Verb; körperliches Festhalten, übertragene Bindung und umgangssprachliche Äußerung unterscheiden.

Formen und Verwendung im Detail

Definition · kurz erklärt

Loslassen bedeutet, jemanden oder etwas nicht mehr festzuhalten oder zurückzuhalten. Übertragen kann es heißen, eine Bindung zu lockern oder sich von etwas innerlich zu lösen. Umgangssprachlich kann man außerdem eine Bemerkung loslassen, also äußern.

Bedeutungen

Bedeutung 1: Den Griff oder eine Einschränkung lösen

Wer ein Seil loslässt, hält es nicht länger fest. Das Verb beschreibt zunächst diese Handlung; ob das Seil herunterfällt oder von jemand anderem gehalten wird, ergibt sich erst aus der Situation. Ein Tier oder eine Person kann auch aus einer Einschränkung freigelassen werden.

„Sie ließ den Griff des Koffers los, als er sicher auf dem Boden stand.“

Das Ende des Festhaltens ist die Handlung. Dass der Koffer nicht fällt, ergibt sich aus seiner ausdrücklich genannten Position.

Bedeutung 2: Eine Bindung oder Kontrolle aufgeben

Im übertragenen Gebrauch geht es häufig um das Aufgeben von Kontrolle oder einer engen Bindung. Eltern können etwa lernen, ein erwachsenes Kind eigene Entscheidungen treffen zu lassen. Das bedeutet nicht automatisch Gleichgültigkeit oder Kontaktabbruch.

In „Dieser Gedanke lässt mich nicht los“ ist die Richtung umgekehrt: Der Gedanke wird bildlich zum Festhaltenden. Gemeint ist, dass er die Person wiederholt beschäftigt. Der Satz ist eine sprachliche Beschreibung, keine Diagnose.

„Die Mutter musste lernen, loszulassen und ihrem erwachsenen Sohn eigene Entscheidungen zuzutrauen.“

Im Beispiel geht es um Selbstständigkeit. Ein Ende der Beziehung wird nicht verlangt.

Bedeutung 3: Eine Äußerung von sich geben oder jemanden wirken lassen

Eine Bemerkung oder einen Fluch loslassen heißt umgangssprachlich, ihn von sich zu geben. Die Formulierung kann beiläufig oder kritisch klingen. In „jemanden auf andere loslassen“ steckt häufig ein abwertender Vorwurf: Die Person dürfe ohne ausreichende Vorbereitung oder Kontrolle wirken.

„Nach der Panne ließ er einen kurzen Fluch los.“

Loslassen bezeichnet hier das Aussprechen. Es gibt keinen Gegenstand, den die Person aus der Hand gibt.

loslassen: Synonyme und andere Wörter

Nicht mehr festhalten

freigeben · freilassen · den Griff lösen

Den Griff lösen beschreibt die körperliche Handlung besonders genau. Freilassen kann eine bisherige Gefangenschaft oder Einschränkung beenden. Freigeben ist weiter und kann auch eine Erlaubnis betreffen.

„Sie ließ seine Hand los.“ → „Sie löste ihren Griff um seine Hand.“ Die zweite Fassung betont die Bewegung.

Eine Bindung lockern

sich lösen · Abstand gewinnen · Raum geben

Abstand gewinnen kann zeitweilig sein. Raum geben betont die Freiheit einer anderen Person. Loslassen allein sagt nicht, dass jede Verbindung beendet wird.

„Die Mutter lässt ihre erwachsene Tochter los.“ wird verständlicher durch „Sie überlässt ihr die Entscheidung und unterstützt sie weiterhin.“

Eine Äußerung machen

äußern · sagen · von sich geben

Äußern ist sachlicher. Von sich geben kann ebenfalls abwertend klingen. Keines dieser Wörter sagt für sich, ob die Äußerung wahr oder berechtigt ist.

„Er ließ eine spitze Bemerkung los.“ → „Er äußerte eine spitze Bemerkung.“ Der Inhalt bleibt kritisch; der Ton des Berichts wird neutraler.

Beispiele und Verwendung

„Maja ließ das Seil erst los, als die Kiste sicher auf dem Boden stand.“

Die zeitliche Ergänzung erklärt die konkrete Situation und verhindert die Vorstellung eines fallenden Gegenstands.

„Der offene Schluss der Erzählung ließ ihn auch auf dem Heimweg nicht los.“

Die Geschichte beschäftigt ihn weiter. Das bildhafte Festhalten muss keine belastende Wirkung haben.

Grammatik und Beugung

Die starken Formen lauten lässt los – ließ los – hat losgelassen. Die Worttrennung ist los·las·sen. In der Vergangenheit steht ließ mit ie und ß, im Präsens lässt mit ä und ss.

Loslassen ist trennbar: Sie lässt das Band los; im Nebensatz weil sie das Band loslässt. Mit zu lautet der Infinitiv loszulassen.

Ein Akkusativobjekt ist häufig: die Hand, eine Person oder eine Bemerkung loslassen. Ohne Objekt ist ein allgemein gemeinter Gebrauch möglich: Es fällt ihm schwer, loszulassen. Die Tabellen unterscheiden Vergangenheit und Konjunktiv: ließ los gegenüber ließe los.

loslassen: Indikativ: Gegenwart und einfache Vergangenheit
PersonPräsensPräteritum
ichich lasse losich ließ los
dudu lässt losdu ließest los / du ließt los
er/sie/eser/sie/es lässt loser/sie/es ließ los
wirwir lassen loswir ließen los
ihrihr lasst losihr ließt los
siesie lassen lossie ließen los
loslassen: Indikativ: abgeschlossene Handlungen
PersonPerfektPlusquamperfekt
ichich habe losgelassenich hatte losgelassen
dudu hast losgelassendu hattest losgelassen
er/sie/eser/sie/es hat losgelassener/sie/es hatte losgelassen
wirwir haben losgelassenwir hatten losgelassen
ihrihr habt losgelassenihr hattet losgelassen
siesie haben losgelassensie hatten losgelassen
loslassen: Indikativ: Zukunft und Vermutung
PersonFutur IFutur II
ichich werde loslassenich werde losgelassen haben
dudu wirst loslassendu wirst losgelassen haben
er/sie/eser/sie/es wird loslassener/sie/es wird losgelassen haben
wirwir werden loslassenwir werden losgelassen haben
ihrihr werdet loslassenihr werdet losgelassen haben
siesie werden loslassensie werden losgelassen haben
loslassen: Konjunktiv I: Gegenwart und Vergangenheit
PersonGegenwartVergangenheit
ichich lasse losich habe losgelassen
dudu lassest losdu habest losgelassen
er/sie/eser/sie/es lasse loser/sie/es habe losgelassen
wirwir lassen loswir haben losgelassen
ihrihr lasset losihr habet losgelassen
siesie lassen lossie haben losgelassen
loslassen: Konjunktiv II: Gegenwart und Vergangenheit
PersonEinfache FormVergangenheit
ichich ließe losich hätte losgelassen
dudu ließest losdu hättest losgelassen
er/sie/eser/sie/es ließe loser/sie/es hätte losgelassen
wirwir ließen loswir hätten losgelassen
ihrihr ließet losihr hättet losgelassen
siesie ließen lossie hätten losgelassen
loslassen: Aufforderungsformen
AnredeImperativ
dulass los! / lasse los!
ihrlasst los!
Sielassen Sie los!

Loslassen und Selbstständigkeit

Bei einer Figurenbeschreibung kann loslassen bedeuten, einer anderen Person mehr Selbstständigkeit zuzugestehen. Ein konkretes Beispiel ist aussagekräftiger als das bloße Urteil: „Er fragt nach ihren Plänen, entscheidet aber nicht mehr über ihren Tagesablauf.“

Das zeigt die Grenze zwischen Unterstützung und Kontrolle. Es beweist für sich allein noch nicht, dass die gesamte Beziehung problemlos ist.