nachempfinden
Form & Grammatik
Verb- Stichwort
- nachempfinden
- Worttrennung
- nach·emp·fin·den
- Präsens
- er/sie/es empfindet nach
- Präteritum
- er/sie/es empfand nach
- Partizip II
- nachempfunden
- Perfekt
- hat nachempfunden
- Hilfsverb
- haben
- Infinitiv
- nachempfinden
- Trennbarkeit
- trennbar: empfindet nach; im Nebensatz: nachempfindet
Gebrauch: Gefühlsmäßiges Nachvollziehen und Gestaltung nach einem künstlerischen Vorbild unterscheiden. Partizip II ohne zusätzliches ge-: nachempfunden.
Ergänzungen: ein Gefühl nachempfinden (Akkusativ); ein Werk einem Vorbild nachempfinden
Definition · kurz erklärt
Nachempfinden kann bedeuten, sich in das Empfinden einer anderen Person hineinzuversetzen und es gefühlsmäßig nachzuvollziehen. In der Kunst kann es außerdem heißen, etwas in Anlehnung an ein Vorbild zu gestalten. Diese beiden Verwendungen brauchen unterschiedliche Erklärungen.
Bedeutungen
Bedeutung 1: Das Empfinden einer anderen Person nachvollziehen
Wer die Freude oder Enttäuschung einer anderen Person nachempfindet, versucht, die Lage auch gefühlsmäßig zu verstehen. Das ist mehr als die bloße Information, dass die Person sich freut. Daraus folgt aber nicht automatisch, dass man jede ihrer Entscheidungen gutheißt.
„Nach dem Gespräch kann sie die Enttäuschung ihres Freundes nachempfinden, obwohl sie seinen Plan weiterhin ablehnt.“
Das Beispiel trennt das Verständnis für ein Gefühl von der Zustimmung zu einer Entscheidung.
Bedeutung 2: Ein Werk nach einem Vorbild gestalten
Ein Gedicht, Bild oder eine Szene kann einem bekannten Vorbild nachempfunden sein. Gemeint ist dann eine künstlerische Anlehnung. Ob einzelne Motive, eine Form oder eine Wirkung übernommen wurden, sollte die Analyse genauer zeigen.
„Die Bühnenkulisse ist einer alten Hafenansicht nachempfunden.“
Der Satz beschreibt ein gestalterisches Vorbild. Die Kulisse empfindet nicht selbst ein Gefühl.
nachempfinden: Synonyme und andere Wörter
Gefühle verständlich machen
mitfühlen · sich hineinversetzen · gefühlsmäßig nachvollziehen
Mitfühlen betont eine Anteilnahme. Sich hineinversetzen beschreibt den Perspektivwechsel. Nachvollziehen kann dagegen auch rein gedanklich gemeint sein; die gefühlsmäßige Seite ist dann nicht immer ebenso deutlich.
„Sie kann seine Enttäuschung nachempfinden.“ → „Sie kann sich in seine Enttäuschung hineinversetzen.“
Die Perspektive der anderen Person bleibt im Mittelpunkt. Eine Zustimmung zu ihrem Verhalten wird nicht ergänzt.
Eine künstlerische Anlehnung beschreiben
nachgestalten · sich an einem Vorbild orientieren · in Anlehnung gestalten
Diese Wörter passen zum gestalterischen Sinn. Kopieren würde möglicherweise eine genauere unmittelbare Übernahme behaupten. Mitfühlen wäre bei einer Kulisse oder einem Baustil kein geeignetes Ersatzwort.
„Die Szene ist einer älteren Erzählung nachempfunden“ → „Die Szene ist in Anlehnung an eine ältere Erzählung gestaltet“.
Die zweite Fassung erklärt die Verbindung zum Vorbild, ohne sie zu einer identischen Kopie zu machen.
Beispiele und Verwendung
„Die Leserin kann die Erleichterung der Figur nachempfinden, weil der Text die lange Ungewissheit ausführlich schildert.“
Die Textgestaltung liefert einen nachvollziehbaren Anlass für die gefühlsmäßige Beteiligung.
„Die Schüler vergleichen die einer Ballade nachempfundene Szene mit dem Vorbild und nennen die veränderten Figuren.“
Die Anlehnung wird durch konkrete Gemeinsamkeiten und Unterschiede erläutert, nicht nur behauptet.
Grammatik und Beugung
Die Stammformen heißen nachempfinden – empfand nach – hat nachempfunden. Der Konjunktiv II lautet etwa sie empfände nach. Das Partizip II ist nachempfunden; die Form nachgeempfunden gehört nicht zu diesem Paradigma.
Im Hauptsatz heißt es Sie empfindet die Freude nach, im Nebensatz weil sie die Freude nachempfindet. Mit zu lautet der Infinitiv nachzuempfinden. Bei einem gestalterischen Vorbild steht etwa ein Bild einem älteren Werk nachempfinden. Das Partizip I heißt nachempfindend, die Worttrennung nach·emp·fin·den.
| Person | Präsens | Präteritum |
|---|---|---|
| ich | empfinde nach | empfand nach |
| du | empfindest nach | empfandest nach / empfandst nach |
| er/sie/es | empfindet nach | empfand nach |
| wir | empfinden nach | empfanden nach |
| ihr | empfindet nach | empfandet nach |
| sie/Sie | empfinden nach | empfanden nach |
| Person | Perfekt | Plusquamperfekt |
|---|---|---|
| ich | habe nachempfunden | hatte nachempfunden |
| du | hast nachempfunden | hattest nachempfunden |
| er/sie/es | hat nachempfunden | hatte nachempfunden |
| wir | haben nachempfunden | hatten nachempfunden |
| ihr | habt nachempfunden | hattet nachempfunden |
| sie/Sie | haben nachempfunden | hatten nachempfunden |
| Person | Futur I | Futur II |
|---|---|---|
| ich | werde nachempfinden | werde nachempfunden haben |
| du | wirst nachempfinden | wirst nachempfunden haben |
| er/sie/es | wird nachempfinden | wird nachempfunden haben |
| wir | werden nachempfinden | werden nachempfunden haben |
| ihr | werdet nachempfinden | werdet nachempfunden haben |
| sie/Sie | werden nachempfinden | werden nachempfunden haben |
| Person | Konjunktiv I | Konjunktiv II |
|---|---|---|
| ich | empfinde nach | empfände nach |
| du | empfindest nach | empfändest nach |
| er/sie/es | empfinde nach | empfände nach |
| wir | empfinden nach | empfänden nach |
| ihr | empfindet nach | empfändet nach |
| sie/Sie | empfinden nach | empfänden nach |
| Person | Konjunktiv I: Perfekt | Konjunktiv II: Vergangenheit |
|---|---|---|
| ich | habe nachempfunden | hätte nachempfunden |
| du | habest nachempfunden | hättest nachempfunden |
| er/sie/es | habe nachempfunden | hätte nachempfunden |
| wir | haben nachempfunden | hätten nachempfunden |
| ihr | habet nachempfunden | hättet nachempfunden |
| sie/Sie | haben nachempfunden | hätten nachempfunden |
| Person | Konjunktiv I: Futur I | würde-Form |
|---|---|---|
| ich | werde nachempfinden | würde nachempfinden |
| du | werdest nachempfinden | würdest nachempfinden |
| er/sie/es | werde nachempfinden | würde nachempfinden |
| wir | werden nachempfinden | würden nachempfinden |
| ihr | werdet nachempfinden | würdet nachempfinden |
| sie/Sie | werden nachempfinden | würden nachempfinden |
| Person | Konjunktiv I: Futur II | würde-Form mit Partizip II |
|---|---|---|
| ich | werde nachempfunden haben | würde nachempfunden haben |
| du | werdest nachempfunden haben | würdest nachempfunden haben |
| er/sie/es | werde nachempfunden haben | würde nachempfunden haben |
| wir | werden nachempfunden haben | würden nachempfunden haben |
| ihr | werdet nachempfunden haben | würdet nachempfunden haben |
| sie/Sie | werden nachempfunden haben | würden nachempfunden haben |
| Form | Wortform |
|---|---|
| du | empfind nach! / empfinde nach! |
| ihr | empfindet nach! |
| Sie | empfinden Sie nach! |
| Form | Wortform |
|---|---|
| Infinitiv | nachempfinden |
| Partizip I | nachempfindend |
| Partizip II | nachempfunden |
Verwandte Wörter und Unterschiede
nacherleben: Nacherleben kann ein vermitteltes inneres Miterleben oder das erneute Durchgehen einer Erinnerung bezeichnen. Nachempfinden stellt beim Gefühlsverständnis die Empfindung stärker in den Vordergrund.
