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nachsinnen

Form & Grammatik

Verb
Stichwort
nachsinnen
Worttrennung
nach·sin·nen
Präsens
sinnt nach
Präteritum
sann nach
Partizip II
nachgesonnen
Perfekt
hat nachgesonnen
Hilfsverb
haben
Infinitiv
nachsinnen
Trennbarkeit
trennbar: sinnt nach; nachzusinnen

Reflexiver Gebrauch: nicht reflexiv

Gebrauch: Gehobenes starkes Verb. Konjunktiv II mit sänne oder sönne; kein Erfolg des Nachdenkens zugesichert.

Ergänzungen: über etwas nachsinnen (Akkusativ); einer Sache nachsinnen (Dativ)

Formen und Verwendung im Detail

Definition · kurz erklärt

Nachsinnen bedeutet, sich gedanklich mit einer Frage, einem Erlebnis oder einer Äußerung zu beschäftigen. Das gehobene Wort betont ein vertieftes Nachdenken oder ein gedankliches Zurückkehren. Es sagt noch nicht, dass dabei eine Lösung gefunden wird.

Bedeutungen

Bedeutung 1: Sich in eine Frage vertiefen

Nachsinnen kann ein ruhiges, konzentriertes Nachdenken über einen Gegenstand bezeichnen. Anders als berechnen oder lösen nennt es keinen bestimmten Lösungsweg und kein gesichertes Ergebnis. Das Wort passt eher zu einer erzählenden oder nachdenklichen Darstellung als zu einer knappen Arbeitsanweisung.

„Am Fenster sann Nila darüber nach, weshalb das Gespräch so plötzlich geendet hatte.“

Sie beschäftigt sich mit einer offenen Frage. Der Satz erklärt weder den tatsächlichen Grund noch verspricht er, dass sie ihn findet.

Bedeutung 2: Zu einem Erlebnis oder zu Worten zurückkehren

Wer den Worten einer anderen Person nachsinnt, beschäftigt sich später weiter mit ihnen. Der Dativ kann den Gegenstand nennen: einem Satz, einem Erlebnis, einer Begegnung nachsinnen. Im Vordergrund steht das gedankliche Nachwirken.

Dieser Gebrauch muss nicht besorgt sein. Auch ein schöner Augenblick kann jemanden noch länger beschäftigen. Die Stimmung ergibt sich aus dem weiteren Text.

„Auf dem Heimweg sann er der unerwarteten Begegnung nach und lächelte.“

Das Lächeln gibt hier einen positiven Hinweis. Nachsinnen allein würde diese Gefühlsrichtung nicht festlegen.

Synonyme: andere Wörter für nachsinnen

Nachdenken ist meist die neutrale Entsprechung. Engere Wörter wie grübeln oder sich erinnern setzen zusätzliche Merkmale voraus.

Eine Frage durchdenken

nachdenken · überlegen · sich gedanklich beschäftigen

Überlegen kann stärker auf eine Entscheidung gerichtet sein. Nachsinnen betont eher das vertiefte Verweilen bei einem Gedanken. Grübeln legt oft ein schwer lösbares oder belastendes Kreisen nahe; das ist nicht automatisch gemeint.

„Sie sann über eine passende Antwort nach.“ → „Sie dachte über eine passende Antwort nach.“ Der zweite Satz klingt schlichter, ohne ein Ergebnis hinzuzufügen.

An etwas Vergangenem verweilen

Gedanken nachhängen · sich mit einer Erinnerung beschäftigen

Sich erinnern bedeutet zunächst, Vergangenes wieder im Bewusstsein zu haben. Nachsinnen geht darüber hinaus: Man bleibt gedanklich dabei. Analysieren wäre systematischer und müsste durch die beschriebene Tätigkeit gedeckt sein.

„Er sann den Worten seiner Schwester nach.“ → „Er beschäftigte sich weiter mit den Worten seiner Schwester.“ Die spätere gedankliche Beschäftigung bleibt erhalten.

Beispiele und Verwendung

Ein gehobenes Verb gezielt einsetzen

„Lange sann die Erzählerin dem letzten Satz des Briefes nach.“

Das Verb verlangsamt die Darstellung und hebt die gedankliche Beschäftigung hervor. In einer Erzählung kann das zum ruhigen Ton der Szene passen.

Keine Gefühlslage erfinden

„Er sann der Begegnung nach; ob ihn Freude oder Sorge beschäftigte, verriet sein Gesicht nicht.“

Nachsinnen und die offene Gefühlslage widersprechen sich nicht. Eine Charakterisierung sollte die fehlende Information nicht durch eine unbelegte Diagnose ersetzen.

Die passende Ergänzung wählen

„Sie sann der Bemerkung nach“ und „Sie sann über die Bemerkung nach“.

Die erste Fassung verwendet den Dativ, die zweite über mit Akkusativ. Das gewählte Satzmuster muss beim Ersetzen des Verbs berücksichtigt werden.

Grammatik und Beugung

Nachsinnen wird stark gebildet: sinnt nach – sann nach – hat nachgesonnen. Die Worttrennung lautet nach·sin·nen. Im Hauptsatz wird nach abgetrennt: Sie sinnt darüber nach. Im Nebensatz steht das Verb zusammen: weil sie darüber nachsinnt. Der Infinitiv mit zu heißt nachzusinnen.

Im Konjunktiv II stehen Formen mit ä oder ö: ich sänne nach / ich sönne nach. Bei du und ihr kommen längere und kürzere Formen vor, etwa du sännest nach / du sännst nach. Die Tabelle führt die tatsächlich belegten Varianten getrennt auf.

Eine Sache kann als Dativobjekt angeschlossen werden: dem Erlebnis nachsinnen. Daneben steht über + Akkusativ: über das Erlebnis nachsinnen. Das Verb wird dabei nicht reflexiv gebraucht.

Präsens und Präteritum
PersonPräsensPräteritum
ichsinne nachsann nach
dusinnst nachsannst nach
er/sie/essinnt nachsann nach
wirsinnen nachsannen nach
ihrsinnt nachsannt nach
siesinnen nachsannen nach
Konjunktiv I und II
PersonKonjunktiv IKonjunktiv II
ichsinne nachsänne nach / sönne nach
dusinnest nachsännest nach / sännst nach / sönnest nach / sönnst nach
er/sie/essinne nachsänne nach / sönne nach
wirsinnen nachsännen nach / sönnen nach
ihrsinnet nachsännet nach / sännt nach / sönnet nach / sönnt nach
siesinnen nachsännen nach / sönnen nach
Perfekt mit haben
PersonPerfekt
ichhabe nachgesonnen
duhast nachgesonnen
er/sie/eshat nachgesonnen
wirhaben nachgesonnen
ihrhabt nachgesonnen
siehaben nachgesonnen
Aufforderungsformen
AnredeImperativ
dusinn nach! / sinne nach!
ihrsinnt nach!
Siesinnen Sie nach!

Nachsinnen oder grübeln?

„Sie sann noch lange über das Gespräch nach“ kann eine ruhige Beschäftigung beschreiben. „Sie grübelte noch lange über das Gespräch“ lässt eher ein angestrengtes oder kreisendes Denken erwarten. Wenn der Text diese Belastung nicht zeigt, sollte das stärkere Wort nicht allein zur Abwechslung eingesetzt werden.