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nachstehen

Form & Grammatik

Verb
Stichwort
nachstehen
Worttrennung
nach·ste·hen
Präsens
steht nach
Präteritum
stand nach
Partizip II
nachgestanden
Perfekt
hat nachgestanden; süddeutsch, österreichisch und schweizerisch auch ist nachgestanden
Hilfsverb
haben; regional auch sein
Infinitiv
nachstehen
Trennbarkeit
trennbar: steht nach; nachzustehen

Reflexiver Gebrauch: nicht reflexiv

Gebrauch: Unregelmäßiges Verb. Die Vergleichshinsicht begrenzen. Sein ist eine süddeutsche, österreichische und schweizerische Hilfsverbvariante.

Ergänzungen: jemandem/einer Sache nachstehen (Dativ); in einer Hinsicht (in + Dativ)

Formen und Verwendung im Detail

Definition · kurz erklärt

Nachstehen bedeutet, jemandem oder etwas in einer bestimmten Hinsicht unterlegen beziehungsweise nicht ebenbürtig zu sein. In der Verbindung in nichts nachstehen wird dieser Nachteil verneint: Die verglichenen Personen oder Dinge sind im gemeinten Bereich mindestens gleichwertig.

Bedeutungen

Bedeutung 1: In einer Hinsicht weniger leisten oder bieten

Nachstehen stellt einen Vergleich her. Ein Gerät kann einem anderen in der Ausstattung nachstehen; eine Person kann einer anderen an Erfahrung nachstehen. Die Aussage braucht einen sinnvollen Maßstab. Sie muss keine pauschale Bewertung des gesamten Menschen oder Gegenstandes sein.

Bei Menschen ist eine genaue Formulierung besonders hilfreich: Weniger Erfahrung in einer Aufgabe ist etwas anderes als geringere Fähigkeit in jeder Hinsicht. Das Verb nennt den Vergleich, nicht automatisch dessen Ursache.

„Das kleinere Modell steht dem großen in der Speicherkapazität nach, lässt sich aber leichter tragen.“

Nur die Speicherkapazität ist geringer. Der zweite Satzteil nennt einen anderen Vorteil; ein pauschales Urteil über die bessere Wahl folgt daraus nicht.

Synonyme: andere Wörter für nachstehen

Nachstehen, unterlegen sein und nicht mithalten können sind Vergleichsausdrücke. Der konkrete Maßstab sollte beim Umschreiben erhalten bleiben.

Einen begrenzten Unterschied nennen

unterlegen sein · nicht ebenbürtig sein · weniger bieten

Unterlegen sein ist ebenfalls ein Vergleich, kann ohne Ergänzung aber sehr allgemein wirken. Weniger bieten passt eher zu Eigenschaften eines Angebots oder Geräts. Nicht mithalten können betont häufig eine Leistungssituation.

„Im Speicherplatz steht Modell A dem Modell B nach.“ → „Modell A bietet weniger Speicherplatz als Modell B.“ Die zweite Fassung nennt denselben begrenzten Unterschied.

Einen Nachteil verneinen

ebenbürtig sein · mindestens gleichwertig sein

Diese Wörter passen zu nicht nachstehen. Das nicht darf beim Ersetzen nicht verloren gehen. Überlegen sein wäre stärker: Wer nicht schlechter ist, muss nicht besser sein.

„In der Lesbarkeit steht die kleine Ausgabe der großen nicht nach.“ → „Die kleine Ausgabe ist in der Lesbarkeit mindestens gleichwertig.“ Der Vergleich behauptet keine Überlegenheit.

Beispiele und Verwendung

Den Maßstab sichtbar machen

„Bei der Akkulaufzeit steht das neue Gerät seinem Vorgänger nach.“

Die Aussage betrifft die Laufzeit. Ob das Gerät schneller arbeitet oder leichter ist, bleibt offen.

Menschen nicht pauschal abwerten

„An Bühnenerfahrung steht sie ihrer Kollegin noch nach.“

Die Ergänzung an Bühnenerfahrung begrenzt den Vergleich. Für eine Charakterisierung wäre daraus kein allgemeines Urteil über Begabung oder Persönlichkeit abzuleiten.

Eine Verneinung richtig lesen

„Die selbst gebaute Kulisse steht der gekauften optisch nicht nach.“

Optisch wird mindestens Gleichwertigkeit behauptet. Stabilität, Kosten und Arbeitsaufwand werden nicht mitbewertet.

Grammatik und Beugung

Die Stammformen sind steht nach – stand nach – nachgestanden. Das Perfekt verwendet haben; im süddeutschen, österreichischen und schweizerischen Gebrauch kommt auch sein vor. Diese regionale Variante ist keine zweite Wortbedeutung. Die beiden Perfektreihen sind unten entsprechend beschriftet.

Der Vergleichspartner steht im Dativ: dem Vorgänger, der Kollegin, ihm, ihr. Der Maßstab kann mit in oder an ausgedrückt werden: in der Qualität, an Erfahrung. Das Verb ist trennbar: steht nach, aber weil es dem Vorgänger nachsteht. Der Infinitiv mit zu heißt nachzustehen.

Im Präteritum sind du standest nach und du standst nach möglich. Der Konjunktiv II hat stände nach oder stünde nach. Aufforderungsformen sind grammatisch möglich, werden in dieser Vergleichsbedeutung aber vor allem verneint gebraucht, etwa Steh ihm in nichts nach!

Präsens und Präteritum
PersonPräsensPräteritum
ichstehe nachstand nach
dustehst nachstandest nach / standst nach
er/sie/essteht nachstand nach
wirstehen nachstanden nach
ihrsteht nachstandet nach
siestehen nachstanden nach
Konjunktiv I und II
PersonKonjunktiv IKonjunktiv II
ichstehe nachstände nach / stünde nach
dustehest nachständest nach / stündest nach
er/sie/esstehe nachstände nach / stünde nach
wirstehen nachständen nach / stünden nach
ihrstehet nachständet nach / stündet nach
siestehen nachständen nach / stünden nach
Perfekt mit haben · daneben regionale sein-Formen
PersonPerfekt
ichhabe nachgestanden
duhast nachgestanden
er/sie/eshat nachgestanden
wirhaben nachgestanden
ihrhabt nachgestanden
siehaben nachgestanden
Aufforderungsformen
AnredeImperativ
dusteh nach! / stehe nach!
ihrsteht nach!
Siestehen Sie nach!
Perfekt mit sein · süddeutsch, österreichisch und schweizerisch auch gebräuchlich
PersonRegionale Variante
ichbin nachgestanden
dubist nachgestanden
er/sie/esist nachgestanden
wirsind nachgestanden
ihrseid nachgestanden
siesind nachgestanden

Jemandem in nichts nachstehen

Die feste Verbindung bedeutet, in den gemeinten Vergleichspunkten keinen Nachteil zu haben. „Die Ersatzbesetzung stand dem ersten Ensemble in nichts nach.“ Das ist ein deutliches Lob. In einer sorgfältigen Beurteilung sollte trotzdem erkennbar sein, welche Leistungen tatsächlich verglichen wurden.

Die Wendung sagt nicht automatisch in allem überlegen sein. Ein ebenbürtiges Ergebnis reicht für die Aussage aus.