pfeifen
Form & Grammatik
- Stichwort
- pfeifen
- Worttrennung
- pfei·fen
- Präsens
- pfeift
- Präteritum
- pfiff
- Partizip II
- gepfiffen
- Perfekt
- hat gepfiffen; bei Bewegung ist gepfiffen
- Hilfsverb
- haben; sein bei Bewegung mit Pfeifgeräusch
- Infinitiv
- pfeifen
- Trennbarkeit
- nicht trennbar
- Kasus
- auf jemanden/etwas (Akkusativ) pfeifen; jemandem (Dativ) ein Zeichen pfeifen
Musikinstrumentgebrauch selten; Informationen verraten umgangssprachlich, belastend aussagen salopp veraltend; sich nichts pfeifen österreichisch umgangssprachlich.
Definition · kurz erklärt
Pfeifen bedeutet vor allem, Pfeiftöne hervorzubringen, eine Melodie oder ein Signal ertönen zu lassen. Das Verb kann außerdem die Leitung eines Spiels, eine schnelle Bewegung oder das Verraten von etwas bezeichnen. Auf etwas pfeifen bedeutet umgangssprachlich, es gering zu schätzen oder zu missachten.
Bedeutungen
1 Mit dem Mund einen Pfeifton hervorbringen
Eine Person kann durch die geformten Lippen einen oder mehrere Pfeiftöne hervorbringen. Eine Melodie pfeifen nennt zusätzlich die Folge der Töne. Das Wort besagt nicht von selbst, ob jemand fröhlich oder unaufmerksam ist.
„Auf dem Weg zur Probe pfeift die Figur die Melodie des letzten Liedes.“
Die Melodie wird hörbar wiedergegeben. Welche Stimmung damit verbunden ist, muss aus der Szene hervorgehen.
2 Mit einer Pfeife ein Signal oder Musik spielen
Pfeifen kann das Benutzen einer Signalpfeife meinen. Seltener bezeichnet es das Spielen auf einer Pfeife als Musikinstrument. Der Gegenstand und Zweck sollten deshalb genannt sein.
„Die Leiterin pfeift ein kurzes Signal, damit die Gruppe auf die vereinbarte Pause aufmerksam wird.“
Der Pfiff dient der Verständigung. Er ist nicht notwendig Missbilligung oder Teil einer Melodie.
3 Ein Pfeifgeräusch erzeugen
Ein Kessel, ein Luftzug oder ein anderer Vorgang kann ein Pfeifgeräusch hervorbringen. Auch bestimmte Tiere können pfeifen. Das Verb bezeichnet den Klang, nicht bei jeder Quelle denselben technischen oder biologischen Mechanismus.
„Durch den schmalen Spalt pfeift der Wind.“
Der Luftzug ist hörbar. Die genaue Geschwindigkeit des Winds lässt sich aus dem einzelnen Verb nicht ablesen.
4 Sich mit Pfeifgeräusch bewegen
Pfeifen kann eine Bewegung mit entsprechendem Geräusch meinen. In dieser Verwendung bildet das Verb das Perfekt mit sein.
„Der Ball ist knapp am Pfosten vorbeigepfiffen.“
Beschrieben wird das schnelle Vorbeibewegen mit Geräusch. Die Aussage ist nicht dieselbe wie jemand hat eine Melodie gepfiffen.
5 Als Schiedsrichter entscheiden oder ein Spiel leiten
Im Sport kann pfeifen das Markieren einer Entscheidung durch einen Pfiff oder die Tätigkeit eines Schiedsrichters bezeichnen. Ein Endspiel pfeifen heißt, es in dieser Funktion zu leiten.
„Sie hat das Turnierspiel gepfiffen und das Foul sofort angezeigt.“
Die Funktion und die konkrete Entscheidung werden genannt. Ob jede Entscheidung richtig war, ist damit noch nicht bewiesen.
6 Jemandem ein Zeichen geben
Einer Person oder einem Tier pfeifen heißt, ihm durch einen Pfiff ein Zeichen zu geben. Was dieses Zeichen bedeutet, ergibt sich aus Vereinbarung und Situation.
„Sie pfeift dem Hund das geübte Rückkehrsignal.“
Der Pfiff soll eine Reaktion auslösen. Ob das Tier tatsächlich zurückkommt, sagt die Handlung allein noch nicht.
7 Etwas verraten oder jemanden belasten
Umgangssprachlich kann jemandem etwas pfeifen bedeuten, ihm eine Information zu verraten. Salopp und veraltend kann pfeifen außerdem Aussagen meinen, die andere etwa gegenüber Behörden belasten.
„In der Erzählung fragt die Figur, wer der Nachbarin das Geheimnis gepfiffen habe.“
Gemeint ist die Weitergabe einer Information. Der Ausdruck belegt nicht, dass diese Information wahr ist.
8 Auf jemanden oder etwas keinen Wert legen
Auf jemanden oder etwas pfeifen heißt umgangssprachlich, die Person oder Sache gering zu schätzen, zu missachten oder leicht darauf verzichten zu können.
„Die Figur erklärt, sie pfeife auf die ständigen Ranglisten.“
Sie weist deren Bedeutung für sich zurück. Ob die Listen sachlich zutreffen oder für andere nützlich sind, wird dadurch nicht entschieden.
9 Österreichisch: sich nicht darum kümmern
In der österreichischen Umgangssprache kann sich nichts pfeifen beziehungsweise sich nicht um etwas pfeifen bedeuten, sich nicht darum zu scheren. Die genaue Verbindung gehört zum regionalen Gebrauch.
„Die österreichisch gefärbte Figurenrede erklärt, der Sprecher pfeife sich nichts um die Bemerkungen.“
Der Sprecher zeigt sich unbeeindruckt oder unbekümmert. Das ist keine wörtliche Aussage über das Ausbleiben eines Pfeiftons.
pfeifen: Synonyme und andere Wörter
Pfeifen, piepen oder schrill klingen?
Piepen benennt einen kurzen, hohen Laut und kann zu einem Signal passen. Schrill beschreibt dagegen eine hohe, unangenehm durchdringende Klangwirkung.
Nicht jedes Pfeifen muss schrill sein. Beim Austausch von Verb und Eigenschaftswort verändert sich auch die Satzkonstruktion.
„Die Pfeife ertönt“ nennt ein Geräusch. „Die Pfeife klingt schrill“ bewertet zusätzlich seine Klangwirkung.
Ein Spiel pfeifen oder selbst spielen?
Ein Spiel leiten erklärt den Schiedsrichtergebrauch. Spielen bezeichnet dagegen im üblichen Sportzusammenhang die Teilnahme als Spielerin oder Spieler.
Eine Person kann bei einem Turnier einmal spielen und ein anderes Spiel pfeifen. Das sind unterschiedliche Rollen.
„Sie pfeift das Endspiel“ macht sie zur Schiedsrichterin. „Sie spielt im Endspiel“ ordnet sie einer anderen Rolle zu.
Auf etwas pfeifen oder es widerlegen?
Missachten oder keinen Wert auf etwas legen kann die bildliche Verbindung erklären. Widerlegen bedeutet dagegen, eine Aussage mit Gründen als falsch zu erweisen.
Wer auf eine Kritik pfeift, hat sie nicht schon sachlich entkräftet. Haltung und Begründung bleiben verschiedene Angaben.
„Er pfeift auf den Einwand“ beschreibt eine Ablehnung. „Er widerlegt den Einwand“ behauptet eine erfolgreiche Begründung dagegen.
Beispiele und Verwendung
Geräusch und Bewegung am Hilfsverb erkennen
„Der Wind hat an der Tür gepfiffen.“ – „Der Ball ist durch die Öffnung gepfiffen.“
Die erste Aussage nennt ein Geräusch an einem Ort, die zweite einen Bewegungsweg. Die sein-Reihe ist keine beliebige Ersatzform der haben-Reihe.
Ein Signal nicht als Gefühl ausgeben
„Sie pfeift der Gruppe das vereinbarte Zeichen.“
Das kann eine neutrale Verständigungshandlung sein. Freude, Spott oder Missfallen müssen durch weitere Hinweise belegt werden.
Grammatik und Beugung
Die starken Hauptformen lauten pfeift – pfiff – hat gepfiffen. Bei einer Bewegung mit Pfeifgeräusch heißt es ist gepfiffen. Die Worttrennung lautet pfei·fen. Der Konjunktiv II lautet pfiffe; die zweite Person du pfiffest unterscheidet sich vom Indikativ du pfiffst.
Das Verb ist nicht trennbar. Bei auf etwas pfeifen steht nach auf der Akkusativ; einer Person pfeifen kann einen Dativ der angesprochenen Person haben. Die Tabellen zeigen zunächst die aktive haben-Reihe für Geräusch, Signale, Sport und die entsprechenden übertragenen Verwendungen. Die zusätzlichen sein-Tabellen gehören ausschließlich zur erläuterten Bewegungsbedeutung. Deren ganze tatsächliche Reihe ist getrennt belegt; es handelt sich nicht um eine pauschale Ersetzung eines Hilfsverbs.
| Person | Präsens | Präteritum | Perfekt | Plusquamperfekt | Futur I | Futur II |
|---|---|---|---|---|---|---|
| ich | ich pfeife | ich pfiff | ich habe gepfiffen | ich hatte gepfiffen | ich werde pfeifen | ich werde gepfiffen haben |
| du | du pfeifst | du pfiffst | du hast gepfiffen | du hattest gepfiffen | du wirst pfeifen | du wirst gepfiffen haben |
| er/sie/es | er/sie/es pfeift | er/sie/es pfiff | er/sie/es hat gepfiffen | er/sie/es hatte gepfiffen | er/sie/es wird pfeifen | er/sie/es wird gepfiffen haben |
| wir | wir pfeifen | wir pfiffen | wir haben gepfiffen | wir hatten gepfiffen | wir werden pfeifen | wir werden gepfiffen haben |
| ihr | ihr pfeift | ihr pfifft | ihr habt gepfiffen | ihr hattet gepfiffen | ihr werdet pfeifen | ihr werdet gepfiffen haben |
| sie | sie pfeifen | sie pfiffen | sie haben gepfiffen | sie hatten gepfiffen | sie werden pfeifen | sie werden gepfiffen haben |
| Person | Gegenwart | Vergangenheit | Futur I | Futur II |
|---|---|---|---|---|
| ich | ich pfeife | ich habe gepfiffen | ich werde pfeifen | ich werde gepfiffen haben |
| du | du pfeifest | du habest gepfiffen | du werdest pfeifen | du werdest gepfiffen haben |
| er/sie/es | er/sie/es pfeife | er/sie/es habe gepfiffen | er/sie/es werde pfeifen | er/sie/es werde gepfiffen haben |
| wir | wir pfeifen | wir haben gepfiffen | wir werden pfeifen | wir werden gepfiffen haben |
| ihr | ihr pfeifet | ihr habet gepfiffen | ihr werdet pfeifen | ihr werdet gepfiffen haben |
| sie | sie pfeifen | sie haben gepfiffen | sie werden pfeifen | sie werden gepfiffen haben |
| Person | Gegenwart | Vergangenheit | würde-Form | würde-Form der Vergangenheit |
|---|---|---|---|---|
| ich | ich pfiffe | ich hätte gepfiffen | ich würde pfeifen | ich würde gepfiffen haben |
| du | du pfiffest | du hättest gepfiffen | du würdest pfeifen | du würdest gepfiffen haben |
| er/sie/es | er/sie/es pfiffe | er/sie/es hätte gepfiffen | er/sie/es würde pfeifen | er/sie/es würde gepfiffen haben |
| wir | wir pfiffen | wir hätten gepfiffen | wir würden pfeifen | wir würden gepfiffen haben |
| ihr | ihr pfiffet | ihr hättet gepfiffen | ihr würdet pfeifen | ihr würdet gepfiffen haben |
| sie | sie pfiffen | sie hätten gepfiffen | sie würden pfeifen | sie würden gepfiffen haben |
| Person | Perfekt | Plusquamperfekt | Futur II |
|---|---|---|---|
| ich | ich bin gepfiffen | ich war gepfiffen | ich werde gepfiffen sein |
| du | du bist gepfiffen | du warst gepfiffen | du wirst gepfiffen sein |
| er/sie/es | er/sie/es ist gepfiffen | er/sie/es war gepfiffen | er/sie/es wird gepfiffen sein |
| wir | wir sind gepfiffen | wir waren gepfiffen | wir werden gepfiffen sein |
| ihr | ihr seid gepfiffen | ihr wart gepfiffen | ihr werdet gepfiffen sein |
| sie | sie sind gepfiffen | sie waren gepfiffen | sie werden gepfiffen sein |
| Person | Vergangenheit | Futur II |
|---|---|---|
| ich | ich sei gepfiffen | ich werde gepfiffen sein |
| du | du seist gepfiffen / du seiest gepfiffen | du werdest gepfiffen sein |
| er/sie/es | er/sie/es sei gepfiffen | er/sie/es werde gepfiffen sein |
| wir | wir seien gepfiffen | wir werden gepfiffen sein |
| ihr | ihr seiet gepfiffen | ihr werdet gepfiffen sein |
| sie | sie seien gepfiffen | sie werden gepfiffen sein |
| Person | Vergangenheit | würde-Form der Vergangenheit |
|---|---|---|
| ich | ich wäre gepfiffen | ich würde gepfiffen sein |
| du | du wärst gepfiffen / du wärest gepfiffen | du würdest gepfiffen sein |
| er/sie/es | er/sie/es wäre gepfiffen | er/sie/es würde gepfiffen sein |
| wir | wir wären gepfiffen | wir würden gepfiffen sein |
| ihr | ihr wärt gepfiffen / ihr wäret gepfiffen | ihr würdet gepfiffen sein |
| sie | sie wären gepfiffen | sie würden gepfiffen sein |
| Anrede | Form |
|---|---|
| du | pfeif! / pfeife! |
| ihr | pfeift! |
| Sie | pfeifen Sie! |
| Formtyp | Form |
|---|---|
| Infinitiv | pfeifen |
| Infinitiv Perfekt der haben-Reihe | gepfiffen haben |
| zu-Infinitiv | zu pfeifen |
| zu-Infinitiv Perfekt der haben-Reihe | gepfiffen zu haben |
| Partizip I | pfeifend |
| Partizip II | gepfiffen |
Auf etwas pfeifen
Die umgangssprachliche feste Verbindung bedeutet, etwas zu missachten oder keinen Wert darauf zu legen. „Sie pfeift auf die Auszeichnung und arbeitet lieber an ihrem eigenen Entwurf weiter.“ Die Szene zeigt eine persönliche Gewichtung. Ob die Auszeichnung berechtigt vergeben wird, ist damit nicht beurteilt.
Pfeifen im Walde
Die umgangssprachliche bildhafte Verbindung bezeichnet ein Verhalten, mit dem sich jemand selbst Mut macht, Stärke darstellt oder kritische Stimmen beiseiteschiebt. „Der Kommentar nennt die demonstrative Zuversicht ein Pfeifen im Walde.“ Das ist eine Deutung der äußeren Sicherheit, kein Beweis für den tatsächlich empfundenen Mut. Die Form im Wald ist ebenfalls gebräuchlich.
Jemandem etwas pfeifen
Spöttisch kann die Verbindung ausdrücken, dass jemand eine Forderung oder einen Wunsch keineswegs erfüllen will. „Du erwartest, dass ich deine ganze Arbeit mitmache? Ich pfeife dir etwas!“ Die Figurenrede weist das Ansinnen zurück. Sie berichtet keinen tatsächlichen Ton und ist keine höfliche, neutrale Absage.
