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quälen

Form & Grammatik

Verb
Stichwort
quälen
Worttrennung
quä·len
Präsens
er quält
Präteritum
er quälte
Partizip II
gequält
Hilfsverb
haben

Jemanden quälen mit Akkusativ; auch etwas quält jemanden. Reflexiv sich quälen. Absichtliches Zufügen von Leid ist nur ein Teil der Verwendungen.

Formen und Verwendung im Detail

Definition · kurz erklärt

Quälen kann heißen, einem Lebewesen körperliches oder seelisches Leid zuzufügen. Es kann auch lästiges Bedrängen oder eine schmerzliche Belastung durch Beschwerden und Gedanken bezeichnen. Reflexiv bedeutet sich quälen unter anderem, schwer an etwas zu tragen, sich abzumühen oder nur mühsam voranzukommen.

Bedeutungen

Bedeutung 1: Körperliches oder seelisches Leid zufügen

In dieser Bedeutung fügt jemand einem Lebewesen bewusst Schmerzen oder seelisches Leid zu. Das Verb ist deutlich stärker als ein neutrales Ärgern. Ein Text sollte erkennbar machen, worin das Leid besteht.

Die Anführerin quält die neue Schülerin, indem sie sie absichtlich wiederholt öffentlich demütigt.

Hier geht es um seelisches Leid durch ein Verhalten. Körperliche Gewalt ist dafür kein notwendiger Bestandteil des beschriebenen Vorgangs.

Bedeutung 2: Mit etwas lästig bedrängen

Jemanden mit Fragen, Bitten oder Forderungen quälen heißt, ihm damit immer wieder lästig zu fallen und ihn nicht in Ruhe zu lassen. Ob die Bezeichnung angemessen ist, hängt auch von der Sicht der betroffenen Person ab.

Der Erzähler sagt, der Besucher quäle ihn seit Tagen mit derselben Bitte.

Die indirekte Rede ordnet die Wertung dem Erzähler zu. Der Satz nennt eine als lästig empfundene Wiederholung, nicht notwendig eine schwere Misshandlung.

Bedeutung 3: Körperlich unangenehm belasten

Auch Durst, Hitze oder Beschwerden können jemanden quälen. Das Subjekt muss dann weder handeln noch eine Absicht haben; genannt wird die stark unangenehme Wirkung.

Nach dem langen Weg quält ihn großer Durst.

Durst ist hier die Belastung. Dem Durst wird keine bewusste Absicht zugeschrieben.

Bedeutung 4: Gedanklich oder seelisch keine Ruhe lassen

Eine Sorge, Unsicherheit oder Erinnerung kann jemanden quälen, wenn sie ihn stark und anhaltend belastet. Der Zusammenhang benennt, was ihm zu schaffen macht.

Die Ungewissheit über den Ausgang des Gesprächs quält sie.

Der Satz beschreibt die belastende Wirkung des Nichtwissens. Er sagt noch nichts darüber aus, welches Ergebnis tatsächlich eintreten wird.

Bedeutung 5: Unter etwas leiden

Sich mit etwas quälen kann bedeuten, von einem Problem, Zweifeln oder Beschwerden belastet zu sein. Die reflexive Form rückt die betroffene Person und ihren Umgang damit in den Vordergrund.

Er quält sich mit der Frage, ob seine Entscheidung richtig war.

Die Frage beschäftigt ihn belastend. Eine Antwort oder eine Schuld ist damit nicht festgestellt.

Bedeutung 6: Sich nur mit großer Mühe abarbeiten

Sich an oder mit etwas quälen heißt auch, eine Tätigkeit nur mühsam zustande zu bringen. Gequält kann entsprechend etwas erzwungen oder unnatürlich Wirkendes beschreiben.

Sie quält sich durch den ersten Entwurf und findet nur langsam passende Formulierungen.

Hier ist die Anstrengung beim Schreiben gemeint. Der Satz beweist weder mangelnde Begabung noch die spätere Qualität des fertigen Textes.

Bedeutung 7: Nur mühsam vorankommen

Mit einer Richtungsangabe kann sich quälen eine beschwerliche Fortbewegung beschreiben. Das ist auch bei Fahrzeugen bildlich möglich.

Der schwer beladene Wagen quält sich die Steigung hinauf.

Der Wagen kommt nur langsam und unter großer Belastung voran. Eigene Empfindungen des Fahrzeugs sind nicht gemeint.

quälen: Synonyme und andere Wörter

Beim Zufügen von Leid

peinigen · misshandeln · schikanieren

Peinigen betont starkes Leiden. Misshandeln bezeichnet einen schweren Übergriff und passt nicht zu jeder bildlichen Belastung. Schikanieren hebt gezielte, wiederholte Behinderungen oder Demütigungen hervor.

„Die Hitze quält ihn“ lässt sich nicht ohne Bedeutungswechsel durch „Die Hitze schikaniert ihn“ ersetzen: Eine gezielt handelnde Person fehlt.

Bei Belastung und Mühe

bedrücken · zusetzen · sich abmühen

Bedrücken passt besonders zu seelischer Belastung. Zusetzen kann eine starke unangenehme Wirkung nennen. Sich abmühen passt zur anstrengenden Tätigkeit, nicht automatisch zu absichtlicher Schmerzzufügung.

„Sie quält sich mit dem Aufsatz“ beschreibt ihre Mühe. „Sie quält ihre Mitschülerin“ hat eine andere Rollenverteilung und kann bewusstes Zufügen von Leid bezeichnen.

Beispiele und Verwendung

Die Rollen im Satz beachten

Der Zweifel quält die Figur; später quält sie sich mit der Suche nach einer Antwort.

Im ersten Satz ist der Zweifel das Subjekt. Im zweiten steht die betroffene Person selbst als Subjekt der reflexiven Verbindung.

Eine Abschwächung kenntlich machen

Der scherzhafte Satz über die quälend lange Warteschlange übertreibt die lästige Dauer.

Der Zusammenhang kann eine Übertreibung zeigen. Solche Verwendungen erklären nicht jede ernste Aussage über das Quälen eines Menschen.

Grammatik und Beugung

Quälen wird quä·len getrennt. Die Stammformen sind quält, quälte, hat gequält. Das ä bleibt in den gezeigten Formen erhalten.

Bei jemanden quälen steht die betroffene Person im Akkusativ. Reflexiv heißt es ich quäle mich, du quälst dich, sie quält sich. Mit einer Sache hat den Dativ; durch eine Aufgabe oder die Schlange nennt nach durch den Akkusativ. Die Tabellen enthalten die aktiven Grundformen; beim reflexiven Gebrauch wird das entsprechende Pronomen ergänzt.

quälen: Indikativ: Präsens und Präteritum
PersonPräsensPräteritum
ichquälequälte
duquälstquältest
er/sie/esquältquälte
wirquälenquälten
ihrquältquältet
siequälenquälten
quälen: Indikativ: Perfekt und Plusquamperfekt
PersonPerfektPlusquamperfekt
ichhabe gequälthatte gequält
duhast gequälthattest gequält
er/sie/eshat gequälthatte gequält
wirhaben gequälthatten gequält
ihrhabt gequälthattet gequält
siehaben gequälthatten gequält
quälen: Indikativ: Futur I und Futur II
PersonFutur IFutur II
ichwerde quälenwerde gequält haben
duwirst quälenwirst gequält haben
er/sie/eswird quälenwird gequält haben
wirwerden quälenwerden gequält haben
ihrwerdet quälenwerdet gequält haben
siewerden quälenwerden gequält haben
quälen: Konjunktiv: einfache Formen
PersonKonjunktiv IKonjunktiv II
ichquälequälte
duquälestquältest
er/sie/esquälequälte
wirquälenquälten
ihrquäletquältet
siequälenquälten
quälen: Konjunktiv: Vergangenheit
PersonKonjunktiv I: PerfektKonjunktiv II: Vergangenheit
ichhabe gequälthätte gequält
duhabest gequälthättest gequält
er/sie/eshabe gequälthätte gequält
wirhaben gequälthätten gequält
ihrhabet gequälthättet gequält
siehaben gequälthätten gequält
quälen: Imperativ
AnredeImperativ
duquäl! / quäle!
ihrquält!
Siequälen Sie!